Manitoba, Saskatchewan bis Alberta

Winnipeg

Unser erster Halt in Manitoba war Winnipeg. Die Stadt ist als kälteste Stadt auf dem Nordamerikanischen Kontinent berühmt / berüchtigt. Übernachtet haben wir auf dem Parkplatz am Hauptbahnhof direkt Downtown. Das war zwar nicht ganz ruhig, aber genau mittendrin. Züge sind wie alles andere in diesem Land riesig, vor allem die Güterzüge sind oftmals mehr als 1000 Meter lang, ja Züge mit einem Kilometer Länge sind nicht selten. Bis sich so ein Zug durch den Hautbahnhof gequält hat dauert das eine Weile und man hört es. Laut!

Von Winnipeg selbst weiß ich nicht genau was ich sagen soll. Faszinierend ist, dass tatsächlich so gut wie alle Hochhäuser und Bürogebäude mit überdachten und geheizten Brücken verbunden sind. Man kann also in der Innenstadt jede Adresse, sowohl außen über die Gehwege wie auch innen über die „Skywalks“ im 1. OG erreichen. Die Einkaufszentren „Malls“ sind ebenso in den Hochhäusern wie die vielen kleinen Cafés und Fastfood-Restaurants. Einmal quer durch Downtown ohne auch nur einen Fuß ins Freie zu setzen.

Das Wetter hier war nicht so toll. Es war kalt und nass. Ich gebe zu, dass das meinen Blick auf Winnipeg beeinflusst haben mag. Allerdings haben die dunklen, verspiegelten Fenster und graubraunen Fassaden der Häuser und Bürogebäude ihr übriges dazu getan, Winnipeg nicht sehr freundlich und offen erscheinen zu lassen. Auf der Downtown abgewandten Seite des Bahnhofs gibt es eine Markthalle , die sehr schön ist und es gibt dort kleine nette Geschäfte und eine tolle Bäckerei mit „richtigem“ Brot. Auf dem Vorplatz stehen alte Eisenbahn Waggons. In einem ist ein Museum und in dem anderen ein Fahrradladen.

Erschrocken bin ich in den Malls, die wir in der Innenstadt gesehen haben. Mehr als 2/3 der Läden waren leer. Der Rest der Geschäfte nur wie unsere 1 Euro Läden. Die Fastfood-Stände im Foodcourt nur unterstes Preisniveau. Das soziale Niveau der Besucher war entsprechend. Ich weiß, dass dieser Trend bei uns auch zu beobachten ist. Wenn auch nicht gerade in Berlin, aber in der großen Mall bei Darmstadt kann man es deutlich sehen. Wir waren im Januar 2014 dort und es standen ca. die Hälfte aller Geschäfte leer.

Am schlimmsten für mich war, dass die Obdachlosen und Bettler draußen vor den Eingängen, (die durften nicht mal in die abgeranzten Malls) fast ausschließlich aus Ureinwohnern bestanden (First Nations). Es ist deutlich zu sehen, dass die Bemühungen der Kanadischen Regierung zur Integration der First Nations noch am Anfang stehen. Wir sind später durch andere Gebiete gefahren, wo das gemeinsame kulturelle und wirtschaftliche Leben wesentlich positiver aussieht, aber Winnipeg war schlicht und einfach traurig.

TransCanada Highway

Von Winnipeg weg sind wir erst mal auf dem Highway weiter in Richtung Westen gefahren. Mit jedem mit dem wir gesprochen hatten, hat uns vor der Strecke von Winnipeg nach Calgary gewarnt. „Ihr fahrt nur durch Maisfelder und Kuhweiden auf endlos langen geraden Straßen“. Es war immer der gleiche Tenor. Nun, das wollten wir genau wissen. Ist es wirklich so langweilig? Also sind wir vom Highway runter und im Zickzack westwärts durch die Prärie gefahren. Um es vorweg zu nehmen: Es war unvorstellbar und atemberaubend! Die ganze Landschaft zeigt sich von den asphaltierten Hauptstraßen aus wie eine leicht hügelige unendlich weite Ebene. Wenn man dann näher kommt erkennt man, die Spuren der letzten Eiszeit, die tiefe Einschnitte in der Ebene gegraben hat und die mit Flüssen oder Seen gefüllt sind.

Rock Lake

Wir fanden einen Platz zum Übernachten an einem sehr schönen See „Rock Lake“. Auf dem Weg dorthin wurde uns das erste Mal bewusst, dass die meisten Nebenstraßen nicht asphaltiert sondern nur geschottert sind, und nach 3 Tagen ergiebigen Regen auch sehr matschig waren.

Mitten im Farmland gab es dort einen Wald um den See herum und einen sehr schön angelegten Bootsslip an dem „Overnightparking“ erlaubt ist. Auf dem Parkplatz zum Bootsslip hat sich unser Auto im Schlamm eingegraben. Wir hatten den kleinen Tümpel auf der anderen Straßenseite nicht als das betrachtet was es war. Ein Biber hatte sich einen kleinen Damm, der einen Meter höher als der See war, angelegt um dort sein Haus zu bauen. Die geschotterte Straße hatte noch halt aber der Parkplatz daneben war komplett durchweicht.

Wir stecken also fest. Zum schieben ist die Karre zu schwer, es regnet in Strömen, kilometerweit kein anderes menschliches Wesen zu sehen und Mobilfunkverbindung ist nicht vorhanden. Aber dafür den am besten ausgerüstetsten und am gründlichsten vorbereitetsten Ehemann der Welt. Also die Luft aus den Reifen, die Schaufel und die „Traction-Boards“ vom Dach, vor den Rädern den Matsch wegschaufeln und die Boards vor die Reifen. Schließlich elegant wieder auf die feste Straße fahren.
Am gleichen Abend ist der dickste Biber den ich je gesehen habe, ganz gemütlich aus dem großen See heraus, an uns vorbei, bis zu seiner Burg gelaufen. Es hätte mich nicht gewundert, wenn er uns im vorbeilaufen den Stinkefinger gezeigt hätte.

Estevan

Nach zwei weiteren Tagen auf geraden Straßen, die bis zum Horizont gehen, haben wir uns in Estevan einen Hotelaufenthalt gegönnt. Hier haben wir erstmal geduscht und das WLAN zum glühen gebracht. Wir waren hier auch zum ersten mal in einem Waschsalon. Das war wie ein Besuch in einem alten Film.

Estevan ist eine Kohle Bergbau Stadt. Hier gibt es fast nur Tagebau und jeder, der nicht auf einer Farm arbeitet ist im Bergbau beschäftigt. Es gibt genau zwei asphaltierte Straßen. Die Hauptstraße in Ost-West Richtung und die Hauptstraße in Nord-Süd Richtung. Der ganze Rest der Stadt hat nur Schotterstraßen, welche bei Regen matschig und bei Sonne. Das meist gefahrene Fahrzeug ist natürlich der Pick Up. Die Farbe, ihr könnt es erraten, ist Matschbraun oder Staubgrau.

Unendliches Farmland

In den Bildern habe ich versucht diese ewige Weite mit den unendlichen Weiden und Feldern einzufangen, allerdings gelingt es einfach nicht richtig. Ab und zu gibt es mal ein paar Büsche am Straßenrand, aber das sind dann auch schon die höchsten Gewächse hier. Man sieht zwar immer wieder ein paar Bäume, die stehen aber nur um die Farmhäuser herum.
Bei weitem das auffälligste sind die vielen Silos für Getreide, Futter und natürlich Saatgut, die zu jeder Farm gehören. Das hat nichts mit dem zu tun, was wir in Europa als Bauernhof verstehen. Das hier sind Fleisch- und Getreide Fabriken und so sehen sie auch aus. Kein Garten um die Häuser herum, ein bisschen Rasen und dann die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte. Zum Abschluss des Hofes stehen dann die Silos wie Riesen. Schön ist anders. Ich habe keine allzu romantische Vorstellung von Landwirtschaft, aber ein bisschen gemütlich darf es dann schon sein.

Bestimmt ist das im Sommer, wenn das Getreide hoch steht und grün ist, wesentlich schöner anzusehen.
Total auffällig war auch, dass keiner seine alten Maschinen, Autos oder Traktoren auf einen Schrottplatz bringt. Sie werden zur Zierde der Straße auf dem eigenen Boden abgestellt. Dort rosten und gammeln sie dann zusammen. Bei einigen Häusern ist uns auch aufgefallen, dass der alte, kaputte Schrott wie Snowmobile, Autos, Kisten oder Kinderspielzeug einfach da stehen gelassen wird, wo es kaputt gegangen ist.

Saskatchewan

Je weiter wir nach Westen in die Richtung der Graslands National Parks kamen, umso deutlicher sah man die Unterschiede zu europäischen Kleinstädten. Ich möchte nur ein paar Punkte aufzählen: Ein Einkaufsladen im Ort ist halb so groß wie ein Aldi Typengebäude, aber ein Vollsortimenter. Von allen Grundnahrungsmitteln über Trinkwasser, Klamotten, Gummistiefel und Werkzeug ist alles da.
Die Straßen durch den Ort sind geschottert. Asphaltiert ist nur der Highway, der am Ort vorbei führt.
Die Tankstelle am Ortsrand ist ein großer Tank, der mit Benzin, Diesel und Bauerndiesel gefüllt ist. An einem überdachtem Geldautomaten wird mit Karte bezahlt und dann der Hebel am Tank auf das entsprechende Produkt gestellt. Untergrund: Schotter und Matsch.
Die Anzahl der Häuser in diesen Gegenden liegt im Schnitt bei 15.

Das Motto der Provinz Saskatchewan ist „Land of Living Skyes“ und WOW das ist so zutreffend.

Graslands National Park

Schließlich haben wir den National Park erreicht. Er ist in zwei Blöcke aufgeteilt und liegt dicht an der US-Grenze. Einmal mussten wir umdrehen sonst wären wir unerlaubt in die USA eingereist.
Es war absolut spannend zu sehen, wie die Prärie vor dem Eingriff der Siedler ausgesehen hat. Auch hier sieht man auf den ersten Blick wieder nur eine weite Ebene aber wenn man durch die Landschaft wandert, sind viele tiefere Rinnen zu erklettern. Im Block East hatten wir recht gutes Wetter. Es war nur extrem windig aber dafür mit einem grandiosen Sonnenuntergang.

Der Eingang zu Block West liegt 160 km weiter westlich und es gibt auf der Strecke bis dorthin so gut wie keine Möglichkeit Wasser, Lebensmittel oder Benzin zu kaufen. Wir haben deswegen einen kleinen Laden leer gekauft und mussten zum Glück nicht verhungern. Auch hier ist der Campingplatz nur nach 22 km Schlammpiste zu erreichen. Außer uns war niemand auf dem Campingplatz. Was vielleicht auch daran lag, dass es zwei Tage nur geregnet hat.
Ein paar Präriehunde, die wir gesehen haben, waren nicht sehr begeistert als wir uns der Kolonie näherten. Leider haben uns die groß angepriesenen Bisons sprichwörtlich im Regen stehe lassen. Das kleine Pelztier auf dem Foto ist kein Präriehund sondern ein „Ground Squirrel“, also ein Erdhörnchen.

Eine kleine Beschreibung vom Nationalpark Humor: Wir gehen zum Informationscenter, buchen und bezahlen den vollen Preis für einen Platz. Auf die Frage ob es denn Duschen und Trinkwasser gibt, ist die Antwort: „Nö, noch nicht“. Bezahlt haben wir aber trotzdem nicht weniger.

Alberta

Immer weiter Richtung Westen sind wir auf einen kleinen Provincial Park zugesteuert. Er ist ein Teil der Badlands und der Ausgrabungsorte, die zu der Stadt Drumheller und dessen Museum gehören. Übernachtet haben wir davor an einer verlassenen Tankstelle mit Geschenkeladen und natürlich einem Dinosaurier.

Drumheller

In der Stadt hatten wir wirklich das Gefühl wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. Fast ein Kulturschock zu den unendlichen weiten der Ebenen, durch die wir vorher gefahren sind. Für mich war das beste in der Stadt, das Royal Tyrell Museum. In den Badlands, der Umgebung hier, wurden große Ansammlungen von Dinos (Knochen) gefunden, die in den Urzeitlichen Regenwäldern gelebt haben. Die gefundenen Dinos wurden Albertosaurus genannt. Das klingt bei uns eher wie ein italienisches Restaurant, ist aber natürlich vom Namen der Provinz Alberta abgeleitet. Das Museum ist einfach perfekt. Es ist didaktisch und pädagogisch so aufbereitet, sodass es den Kids und auch den Erwachsenen das Wissen spielerisch und anschaulich vermittelt. Meine inneres 8 Jähriges Kind war begeistert und wollte einen Dino mitnehmen.

Wir haben uns dann weiter auf den Weg nach Calgary gemacht, aber nicht ohne das Auto vom Schlamm zu befreien.

Calgary

In Calgary lies sich die Herausforderung mit dem Auto in eine fremde Innenstadt zu fahren und dort einen Parkplatz zu finden, auf den man auch einen Ducato parken kann, erstaunlich leicht meistern. Eine große Mall im Süden der Stadt (nicht verwunderlich, die „Southmall“) bietet Kunden ein bis zwei Tage Overnight Parking an. Man muss sich nur an der „Customer Information“ anmelden und die Autonummer hinterlassen, damit der Sicherheitsdienst weiß, wer stehen bleiben darf. Die Mall hat einen Foodcourt und ein Roots Geschäft, mehr braucht Frau nicht. Außerdem ist über den Highway hinweg, die Haltestelle des C-Trains, der direkt in die Innenstadt fährt.

Calgary ist sehr schön. Es ist lebendig und sehr vielseitig. Hier ist übrigens eine große Zweigstelle der Hudson‘s Bay Company von der ich im letzten Blog erzählt hatte. Es gibt lebende Einkaufstraßen mit Schaufenstern, Büros und Malls, die von außen, wie auch über einen Skywalk erreichbar sind. Nach einer kleinen Wanderung kann man vom gegenüberliegenden Flussufer die Skyline von Calgary genießen. Was Calgary am meisten ausmacht, ist die Western und Cowboy Kultur. Hier wird sie gelebt. Die wichtigsten Tage im Jahr sind die Tage der „Calgary Stampede“. Veranstaltungen Rund um die Pferde- und Viehzucht und vor allem Rodeos, Schaureiten, Lasso werfen und Musik. Alles was zu einem Cowboy Leben so dazu gehört. Wir haben einen Potsdamer kennengelernt, der vor ein paar Jahren extra zur Stampede angereist ist. Falls ihr also dieses Jahr noch nichts vor habt, die Stampede ist vom 05-14 Juli.

Die Stadt sieht hier noch sehr menschenleer aus. Das leigt aber daran, dass wir nicht später als 10 Uhr in Downtown waren, als alle Geschäfte erst geöffnet haben. Es ist später noch sehr viel voller geworden.

Der nächste Blog wird hoffentlich nicht so lange auf sich warten lassen. Wir sind in den Rockies angekommen und der Frühling hat uns eingeholt. Juhu!!

Liebe Grüße
Antje und Rainer


Eine Antwort zu „Manitoba, Saskatchewan bis Alberta”.

  1. Avatar von jessamaefarino97
    jessamaefarino97

    nices!! Alaska

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