Eine „Sage“ erzählt davon, dass man an einem schönen, sonnigen Tag von Calgary aus die Rocky Mountains sehen kann. Es sind ja nur knapp 100 km bis Banff. Ich kann das aber weder bestätigen noch verneinen, denn das Wetter in Calgary war okay, aber sonnig… Naja.
Als wir dann morgens aber in Richtung Banff aufgebrochen sind, waren plötzlich Berge da.

Banff
Nachdem wir uns in Canmore einen Campingplatz für ein paar Tage gesichert hatten, sind wir am nächsten Morgen zeitig nach Banff gefahren (ca. 30 Km). Es gibt ein Parkleitsystem, das bei vollen Parkplätzen vor Ort, die entsprechenden Overflow-Parkplätze weiter außerhalb der Stadt ausweist. Von dort gibt es dann einen Shuttle. Doch noch ist ja Vorsaison und wir kamen locker auf dem kostenlosen Parkplatz am Bahnhof unter. Nur zur Verdeutlichung des Wortes „Vorsaison“, bis wir nachmittags weggefahren sind war der Wohnmobil Parkplatz voll und am PKW Parkplatz ging schon das Gedrängel los.
Der Begriff Stadt hat hier nicht zwingend die gleiche Bedeutung wie bei uns, trotzdem ist Banff hier eine bedeutende und flächenmäßig große Stadt. Die Hauptstraße ist von allen Seiten mit einem gigantischem Panorama ausgestattet. Die ganze Region lebt im Sommer wie auch im Winter vom Tourismus. Es wechseln sich Mountain Lodges mit dem Ski Resorts ab. Es gibt unzählige Ski, Fahrrad und Kanu / Kajak Verleiher. Outfitter, Touristenshops und natürlich Cafés und Restaurants säumen die Hauptstraße. Das alles wird nur übertroffen von dem absolut einmaligen Blick die Straße entlang.
Alles in allem: Wart Ihr schon mal dort, dann muss man nicht zwingend noch mal hin. Wart Ihr noch nie dort, wird es Zeit ein Flugticket zu kaufen.







Am Ende der Hauptstraße über die Brücke gibt es ein Heritage Museum der Schwarzfuß Ureinwohner. Es ist nicht groß, aber sehr schön aufgebaut und es zeigt das tägliche Leben der Ureinwohner vor und nach dem Kontakt mit den Einwanderern. Was ich schön fand ist, dass die Fakten dargestellt wurden, aber ohne Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Die Bilder zeigen die Wolldecken, die von der Hudson‘s Bay Company an die Ureinwohner verkauft wurden. Die Münzen sind die eigene Währung der Hudsons‘s Bay Company mit der die Felle der Ureinwohner bezahlt wurden.



Für alle Liebhaber und Kenner von Wohnwagen. Tatsächlich gibt es „Airstream“ noch immer.

Canmore
Canmore ist in vielem mit Banff vergleichbar. Es ist noch nicht ganz so bekannt aber auf dem besten Weg dorthin. Auch hier hat die Hauptstraße viel Panorama und die Geschäfte sind fast deckungsgleich mit Banff.



Außergewöhnlich war ein Laden mit einer Musikecke. Zumindest für meine Generation ist es total spannend. Rainer und ich haben viel Zeit damit verbracht uns anhand der Bilder an die Namen der Künstler zu erinnern.

Am nächsten Tag sind wir aus der Stadt raus um eine kleine Tour zu machen. Es hat eine ganze Weile gedauert bis wir einen Wanderweg gefunden hatten, der nicht noch mit 20 cm Schnee bedeckt war. Dafür haben wir Mountain Goats gesehen, die aber auch lieber am Straßenrand gelaufen sind als im matschigen Schnee.
Abends hatten wir dann noch ein bisschen blauen Himmel und einen schönen Blick auf Canmore runter. Wie ihr am Auto sehen könnt, sind die Straßen nicht asphaltiert und schööööön matschig. Das Auto war nun wieder dreckig.




Radium Hot Springs
Wir machten einen kleinen Abstecher nach Westen um über Radium und Golden in den Glacier National Park zu kommen.
Radium Hot Springs hat, wie der Name schon sagt, heiße Quellen die in einem Schwimmbecken gefasst sind. Leider sieht das Ganze total unromantisch aus, wie ein gewöhnliches Schwimmbad, daher gibt‘s dazu auch keine Bilder. Aber das Baden in dem heißen Wasser war toll und weil wir mal wieder relativ früh dran waren, hatten wir das Becken für die ersten Stunden fast für uns allein.
Bilder habe ich dafür vom Ortseingang von Radium gemacht, der durch eine spektakuläre Schlucht führt.



Mitten Lake
Um eine Pause von den vielen Menschen und dem ganzen Rumgerenne einzulegen, haben wir uns eine Recreation Area gesucht um ein paar Tage zu pausieren. Diese Areas werden von der Provinz (hier Alberta) angelegt und kosten, je nach dem wo sie sind, zwischen 0 und 15 Dollar pro Übernachtung. Ein Platz beinhaltet immer eine geschotterte Fläche, einen Picknicktisch und eine Feuerstelle aus Stahl. Je nach Anzahl der angelegten Plätze in der Recreation Area, gibt es ein oder mehrere Plumpsklos. Mehr Komfort gibt es nicht. Manchmal gibt es Feuerholz zu kaufen – häufig aber auch nicht.
Normalerweise kann man sich über eine App anmelden und dort auch online bezahlen. Allerdings kennt die App keine ausländischen Telefonnummern und schon gar keine ausländischen Kreditkarten. Trotzdem kann man die Plätze nutzen. Die Kanadier sind da einfach ungezwungener als wir Deutschen.
Als wir angekommen sind stand da ein Schild, dass man sich einen Platz suchen kann, abends kommt dann ein Ranger vorbei zum kassieren. So war es dann auch: Duke und Roo (Ranger und Hund) hatten auch einen Platz dort und uns mit allen Informationen versorgt. Mindestens einmal am Tag kamen sie vorbei um ein Schwätzchen zu halten. Duke hat uns dann auch noch mit Feuerholz versorgt, welches die Angler von einem anderen Platz nicht mehr brauchten. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und haben vier Tage die Freundlichkeit der Menschen genossen.



Glacier National Park
Über Golden sind wir dann westlich in den Glacier National Park gefahren, eigentlich wollten wir dort auf dem Campingplatz übernachten aber wie bei ganz vielen Plätzen, war hier noch kein Campground offen. Man sah, dass die Parkverwaltung schon dort gearbeitet hat, aber die Zufahrt war noch gesperrt.
Kleine Randbemerkung: Boondogging, also übernachten auf einem Stück Land (frei stehen), darf man in Kanada und Amerika nur unter bestimmten Voraussetzungen:
1.) Es muss Crown Land sein. Das heißt, öffentliches Land, das der Regierung gehört. (Kanada gehört zum Commonwealth). In USA heißt das BLM Bureau of Landmanagement.
2.) Es darf unter keinen Umständen privat Besitz sein.
3.) Es darf nicht ausdrücklich verboten sein (Z.B. Schilder mit „No Overnight Parking“)
4.) In den National- und Provincial Parks ist es bis auf den angelegten Campingplätzen absolut verboten.
Waitabit Creek
Wir haben uns außerhalb des Parks wieder eine Recreation Area gesucht und dort eine ruhige Nacht an einem Fluss verbracht. Diese Area ist kostenlos und daher auch gut besucht. Wir haben einen Mann kennengelernt, der seit 5 Jahren dort in seinem Sprinter lebt. Er arbeitet aus dem Home Office mit Internet über Starlink. Passt für ihn so besser, weil er in der Nähe seiner Tochter sein kann. Über den Winter ist er dann in Mexiko an der Baja California, dort kostet das Boondogging auch nichts.
Andere Plätze waren mit mehreren Zelten oder Trailern und ganzen Familien belegt. Das coolste was wir gesehen haben, waren zwei Buben so zwischen 3 und 4 , die mit einem kleinen ATV über die Schlagloch Piste des Platzes gedüst sind und dabei jede Pfütze mitgenommen haben. Ich weiß nicht, ob ich richtig liege aber der Platz sah mir ziemlich „bewohnt“ aus und ich bin ziemlich sicher, dass dort noch mehr Menschen gewohnt und nicht nur ein Wochenende verbracht haben.

Yoho National Park
Weiter sind wir in den Yoho Park gefahren. Das ist ein ziemlich kleiner Park mit einem Ort in der Mitte. Field ist ein kleines Village mit einer riesigen historischen Bedeutung. Beim Bau der Eisenbahnstrecke von der Ost- zur Westküste mussten beim Überqueren der Rockies mächtige Steigungen überwunden werden. Das war im Gebirge vom Yoho Park nur möglich, indem man in zwei Bergmassiven jeweils einen Spiraltunnel gegraben hat. Der Zug kommt fast da wieder raus, wo er rein gefahren ist aber ein paar hundert Meter höher. Mit diesen Spiralen ließ sich die Steigung meistern.



Lake Luise
Im Ort Lake Luise haben wir uns wieder auf einem Campingplatz eingemietet. Mittlerweile ist es wenigstens so, dass die Wasserleitungen offen und die Duschen mit warmen Wasser versorgt sind. Interessant war, dass der Campingplatz zwar schon Wohnmobile in allen Größen aufgenommen hat, der Bereich für die Zelte war allerdings noch komplett gesperrt. Wohnanhänger mit Zeltwänden, wie zum Beipspiel Klappkarawane oder Dachzelte, wurden auch noch keine angenommen. Die Bären sind hier erst seit wenigen Wochen wach und noch sehr hungrig. Man will sie nicht in Versuchung führen und natürlich auch keine Touristen verlieren.
Ganzjährig ist ein Elektrozaun um den Zeltplatz herum aktiv. Die meisten Besucher unterschätzen einfach wie wichtig es ist, die Regeln zu beachten. Es dürfen keine Lebensmittel, Seifen oder Parfüms, also alles was appetitlich riechen könnte, über Nacht im Zelt bleiben. Das Alles kommt in eigens dafür aufgestellte Stahlspinde, die weiter weg von den Zelten aufgestellt sind. Da muss man halt hinlaufen.
Es dürfen keine Tiere gefüttert werden. Der Bär an sich ist ja faul, aber nicht dumm. Er merkt sich, dass er von den „Leckerbissen“ im Zelt auch noch Leckerbissen bekommt. Genauso dürfen keine Lebensmittel in den Wald geworfen werden, auch kein Reste nach dem Geschirrspülen. Ich kann gar nicht sagen wie viele Regelverstöße ich schon nach zwei Tagen gesehen habe. Ich weiß es ist schwer, einem so süßen Brummbär keinen Keks zu geben, aber es ist früher oder später sein Todesurteil, weil er zur Gefahr wird. Also hat die Nationalparkverwaltung beschlossen die Bären zu schützen und die Menschen einzusperren. Für mich eine logische Konsequenz.

Vom Ort Lake Luise sind es ca. 5 Km Fußweg bis zum See selbst. Natürlich kann man auch mit dem Auto hinfahren, aber schon jetzt in der Vorsaison waren alle Parkplätze um 11 Uhr belegt und es kostet 38 Dollar für den Tag.
Man kann auch mit dem Shuttel hinfahren, aber der fährt ab Ortsmitte und da muss man auch erst hinlaufen. Wir haben einen total schönen und ruhigen Wanderweg zum Lake Luise gefunden, der direkt vom Campingplatz abgeht und den wir ganz gemütlich laufen konnten. Und ja, wir haben Bärenspray und eine Glocke am und im Rucksack. Allerdings keuche ich beim bergauf gehen so laut, dass ich meine Glocke übertöne.




Der See selbst ist wirklich fantastisch. Er liegt eingeschlossen von Bergen im Tal und ist nur zu einer Seite hin offen. Ich war erstaunt, dass er noch teilweise gefroren war, aber ja es war erst Ende Mai und er liegt auf ca. 1.600 Metern. Ein Hotel, das von weitem wie ein Schloss aussieht, ist von näher betrachtet nicht ganz so traumhaft, aber gut gefüllt.
Voll ist das Stichwort auch für den See. Es waren wirklich Heerscharen an Besuchern unterwegs. Sie kommen aus aller Herren Länder und in allen Altersgruppen.
Man kann die sehen, denen ein Bild nichts wert ist, wenn nicht das eigene Gesicht im Vordergrund ist. „Ich vor dem See, Ich vor dem geschlossenen Kanu Verleih, Ich vor dem Hoteleingang, Ich vor dem Schild Lake Luise“. Ihr wisst was ich meine.
Dann die Vordrängler: „Alles aus dem Weg ich muss hier mal ein Foto von meiner Frau / Freundin / Hunde / Tante machen und es ist mir egal, ob du da gerade stehst und ein Foto machen willst“.
Dann gibt es noch die Frauen, die in den außergewöhnlichsten aber natürlich auch vorteilhaftesten Posen fotografiert werden wollen und die dazugehörigen Jungs und Männer, die nur das Equipment von rechts nach links schleppen.
Zu guter Letzt noch die bedauernswerten Hochzeitspaare, die von einem Fotografen zum lächeln und locker bleiben am Seerand angefeuert werden. Bei ca 6 Grad mit ärmellosem Brautkleid, dünnen Sandälchen und dem glücklichen Gesicht einer frisch vermählten Braut. Dem Bräutigam ging es nicht viel besser aber er hatte wenigstens ein langärmeliges Hemd und geschlossene Schuhe. Aber anscheinend bin ich zu kälteempfindlich, denn auf der Seite am Bootsverleih (noch zu) gab es auch welche, die im See gebadet haben.


Icefield Parkway
Die traditionellste und ohne jeden Zweifel die schönste Strecke vom Banff- zum Jasper National Park, ist der Icefield Parkway. Rund 250 Km Berge, Flüsse und Wald, wie es schöner und grandioser nicht sein kann. Jede Kurve erlaubt eine neue Aussicht oder zeigt eine neue Felswand. Jeder Kilometer ist schön und anders als der vorherige. Parkplätze gibt es genug um die Aussicht zu genießen oder auch um einen Wanderweg zu starten. Es gibt viele Schluchten und Wasserfälle zu entdecken.
Vorsichtig muss man nur sein, wenn es auf den Schildern heißt 300 Meter. Man ist nie ganz sicher, ob die Entfernung oder die Höhenmeter gemeint sind. Aber auch hier ist man nie allein. Es ist jetzt im Juni schon voll und es wird noch voller.







Athabasca
Auf seinem Weg von der Quelle bis zum richtig großen Fluss kann man den Athabasca River bis nach Jasper begleiten. Vom Gletscher durch die Athabasca Schlucht mit ihren Wasserfällen, bis hin zum Athabasca River, wo schon die ersten Rafting Boote fahren können.






Honeymoon Campground
Da wir den Luxus genießen Zeit zu haben, sind wir eine Nacht auf dem „Honeymoon Campground“ geblieben. Das ist einer der einfacheren Plätze. Selbstregistrierung, das heißt Geld oder die Kreditkartendaten kommen in einen Umschlag. Den holt der Ranger abends ab. Brennholz ist im Preis mit inbegriffen und liegt im großen Stapel am Eingang.


Jasper
Kurz vor Jasper haben wir unser Lager auf dem Wapiti Campground aufgeschlagen. Er liegt sehr schön – direkt am Athabasca River. Man kann mit dem Auto nach Jasper rein oder aber mit dem Bus. Der Platz hat auch feste Bewohner, die wir „Mieter“ nicht stören dürfen. Die Dame hat, wie Ihr in der Nahaufnahme seht, einen roten Farbklecks im Fell. Das bedeutet, dass sie schon den einen oder anderen Camper, der ihr zu nahe getreten ist, über den Platz gescheucht hat.
An der Rezeption bekommt man die Regeln für das zusammenleben mit den Bären und Elchen mitgeteilt. Fakt ist: Der Mensch muss nachgeben und aufpassen, nicht der Elk.


Jasper ist für mich die schönste und authentischste Stadt in dieser berühmten Nationalpark-Ecke. Auch hier gibt es alles, was das Touristenherz begehrt zu kaufen und zu sehen. Aber es ist eben nicht ganz so „disney-mäßig“ aufbereitet.




Von Jasper aus lassen sich noch sehr viele tolle Dinge tun. Wir haben den Maligne Canyon besucht, dort gibt es auf dem Weg bergab eine Schlucht mit 7 Brücken. Mir wurde schnell klar warum die Busreisenden oben ausgesetzt und unten bei der 5ten oder 6ten Brücke wieder abgeholt wurden.
Wir haben es bis zur 5ten Brücke geschafft und von dort aus den Rückweg nach oben wieder angetreten (in der doppelten Zeit. Schnauf.). Doch immerhin haben wir ein Rabennest in der Schluchtwand gesehen.
Man kann von oben kaum das Wasser sehen, weil die Schlucht so tief und schmal ist. Aber im Winter, wenn das Wasser gefroren ist, kann man eine geführte Tour auf dem Eis machen. Kommt auf meine Bucket List.




Zum Abschluss möchte ich doch sagen: So sehr ich mich über die anderen Touris lustig mache und es vermieden habe deutsch zu sprechen, da von Banff nach Jasper alles fest in deutscher Hand war, so sehr verstehe ich, dass dies einer der schönsten Plätze auf der Welt ist. Niemand sollte das recht haben, darüber zu urteilen, wer ihn sehen und besuchen darf.
Das einzige Kriterium ist der Slogan der Alberta Ranger: „Respect the Land“
In diesem Sinne bis zum nächsten Mal auf dem Alaska Highway.
Antje und Rainer.




