Das war eine eine spontane Planänderung. Eigentlich wollten wir Alaska auslassen, da wir befürchtet hatten, dass dann die 180 Tage des USA Visum für den Besuch der „Lower 48“ (USA ohne Alaska) nicht reichen würden, denn die Zeit fängt beim ersten Eintritt in die USA an zu laufen. Um vom Yukon Kanada an die US Grenze in Seattle zu kommen, geht es durch ein paar sehr schöne Gegenden in Kanada. Dafür wollten wir auch genügend Zeit haben. Na ja nicht nur Lesen, sondern auch Rechnen ist eine Kernkompetenz: Wenn wir im Januar auf alle Fälle in Mexiko (große Wal-Migration nach Norden) sein wollen, können wir im Juli schon mit den USA beginnen.
Alaska wir kommen.
Auf der Landkarte kann man sehen, dass es gar nicht so viele Straßen in Alaska gibt und nur wenige davon sind Highways. Bitte den Begriff Highway niemals mit dem Wort Autobahn verwechseln. Schotter und Schlaglöcher heißen trotzdem Highway.
Um über Landwege nach Alaska einzureisen, gibt es genau vier Straßen. Zwei davon nach Skagway und Haines, diese gehen bis ans Meer. Von dort aus geht es nur noch per Schiff weiter, also eine Sackgasse!
Von den anderen beiden Straßen führt eine nördlich über Dawson (CAN) und Chicken (USA) und eine südliche über Beaver Creek (CAN) und Alcan (USA). Sie treffen bereits ca. 130 Km nach der Grenze wieder aufeinander.
Wenn wir als Europäer an Alaska denken, haben wir bestimmte Bilder vor unserem inneren Auge. Wir sehen vor allem Wildnis, dann natürlich Bären, Elche, Lachse und Fischer.
Aber natürlich auch Öl-Pipelines, Industrie, Meer und Berge.
Etwas seltener vielleicht Städte, Fabriken, Universitäten, Schulen usw.
Das unglaubliche an Alaska ist: Es ist das alles und doch noch so viel mehr.
Es gibt ca. 730.000 Alaskaner, von denen die meisten rund um die Highways leben. Jeder Einwohner hat statistisch gesehen 2,44 Quadratkilometer Fläche für sich. Im Vergleich dazu hat in Deutschland jeder Einwohner eine Fläche von 0,004 Quadratkilometern zur Verfügung. Ich drücke es mal in einer bekannten Normgröße aus: In Deutschland haben wir weniger als ein halbes Fußballfeld für jeden von uns in Alaska sind es 240 Fußballfelder für jeden.
Die Haupteinnahmequellen von Alaska sind:
1. Öl
2. Tourismus
3. Fischerei
Wobei ich nicht sagen kann ob die Touristen, die zum Fischen kommen zum Tourismus oder zur Fischerei gezählt werden.
Ich höre gleich auf mit der Theorie aber es gibt noch zwei Fakten, die ich Euch unbedingt mitgeben möchte.
1. Alaska ist gerade mal ein Jahr älter als ich. Erst 1959 wurde Alaska vom USA Territorium zum eigenen Bundesstaat erklärt. Also gerade erst geschlüpft.
2. Alaska ist gekauft. Es gehörte zum Russischen Staatsgebiet. Als die Gewinne aus dem Pelzen zurück gingen und sich die Versorgung der Russischen Einwohner als immer schwieriger erwies, bot Russland den USA das Land zum Kauf an. Der Vertrag wurde 1867 vom Senat der USA ratifiziert. Kaufpreis waren 7,2 Millionen US Dollar. Angeblich hatten die Briten und das Fürstentum Liechtenstein auch ein Kaufangebot vorliegen. Aus welchen Gründen diese Verträge nicht zustande kamen, kann ich nicht sagen. Gerüchte dazu gibt es in Wiki.
Top of the World Highway
In Dawson gibt es eine kostenlose Fähre über den Yukon. Sie ist ein Teil des Highways und daher durch die Steuergelder abgedeckt. (Nur mal so Herr Verkehrsminister). An die aus Kies aufgeschütteten Rampen muss ich mich erst gewöhnen, aber es funktioniert und lässt sich nach jedem Hochwasser einfach wieder hinschieben. An den Rheinfähren würden sie ein Nervenkrise bekommen.

Bis zur US Grenze fährt man zwar auf einer Schotterpiste, aber diese führt auf einem Bergkamm entlang und die Aussicht in die unendliche Weite des Nordens auf der Straße, macht den Schotter wieder wett.
In beiden Richtungen kann man in der Ferne schneebedeckte Berggipfel erahnen, ohne dass dazwischen auch nur eine menschliche Siedlung wäre. Leider hat hier das Wetter nicht ganz mitgespielt, und die Fotos können nicht annähernd das wiedergeben, was wir gesehen haben.



Chicken
Der erste Ort auf Alaska Grund ist Chicken. Ein ehemaliges Goldgräbercamp, das sich zur kleinen Siedlung mit Touristenattraktionen gemausert hat. In großen Trögen (sehen aus wie Futtertröge) kann man für $ 10 selbst Gold waschen. Im Hintergrund steht eine alte Dredge, die besichtigt werden kann. Diese „Schiffe“ haben sich vorne mit Schaufeln in das Flussbett eingegraben. Der Schlamm wird dann über die Förderbänder nach innen transportiert. Dort wird gespült und gespült bis hinten der Kies und Fels wieder raus fällt. Im feinen Schlamm der zurückbleibt, ist dann das Gold zu finden. Hinter so einer Dredge sieht es aus wie auf dem Mond. Nur noch Steine und Geröll.




Denali Highway
Nachdem wir wieder auf einem geteerten Highway angekommen sind, haben wir uns auf den Weg nach Paxon gemacht. Vor dort aus geht ein Highway (teilweise geschottert) in Richtung Denali National Park. Bis hier her konnten wir schon einiges an Alaska-Feeling genießen. Wobei die Brücken mit den Holzdielenböden immer noch zu meinen Favoriten gehören.






Der Denali Highway führt über eine riesige Hochebene mit endlosen Sümpfen und ewigen Buschlandschaften. In der Ferne kann man immer wieder die Berge erahnen, die diese Hochebene einschließen. Leider hat uns auch hier das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es hat sehr viel geregnet und die Wolken hingen sehr tief.
In einer kleinen Lodge sind wir beim Frühstücken mit ein paar anderen Besuchern aus Alaska (Fairbanks) ins Gespräch gekommen. Als ich mich über den Regen beschwert habe, kam die freundliche, aber resignierte Antwort: „Welcome to Alaska“.






Am nächsten Morgen wurde es wettertechnisch deutlich besser. Wir wussten, dass wir auf den Berg Denali zufahren und haben vorher schon oft gelesen, dass man ihn bei schönem Wetter sehen kann. Aber da waren so viele Berge. Einer schöner als der andere. Wie sollten wir dann den Denali da erkennen?




Es sind zwei Parkplätze des Highway bekannt für den besten Blick auf den Denali. Immer mit der Warnung: Der Denali zeigt sich nur selten ganz. Wir hätten nicht zweifeln sollen. Es war ein: „Oh mein Gott, Halt sofort an! Da! Siehst Du? Schau Dir das an!“.
Er hat sich zwar noch scheu, mit ein, zwei Alibi Wölkchen vorgehalten, aber eine Verwechslung war nicht möglich. Das war ein ganz besonderer Moment für mich. Hatte fast etwas mystisches.

Denali National Park
Wir hatten Glück, denn die Tage zuvor war der Nationalpark und der Highway Richtung Anchorage wegen Waldbränden gesperrt. Wir waren am ersten Tag der Wiedereröffnung am Visitor Center und Parkeingang. Wir und Hunderte anderer Touristen.
Nach den langen Monaten im menschenleeren Yukon in der Nebensaison, haben wir auf einen Schlag die Hauptsaison abbekommen. Die Mengen von Menschen und aufgeregten Kindern war im ersten Moment überwältigend. Als wir bei den Rangern die Jahreskarte für die Nationalparks der USA gekauft haben, wurde gedrängelt als ob hier die letzten frischen Brötchen zu kaufen wären.
Wohlweislich gibt es in einem anderen Gebäude , um die Besucherströme zu verteilen, einen Schalter für die Bustickets, denn in den Denali Park darf man nur für eine kurze Strecke mit dem eigenen Auto rein fahren. Ab dann geht es nur noch zu Fuß oder mit dem offiziellen Denali Bus weiter. Es gibt mehrere Bus Touren mit verschiedenen Zeitansätzen. Eigentlich könnte man immer zwischendurch aussteigen, ein paar Schritte laufen, um dann mit dem nächsten oder übernächsten Bus wieder zurückzufahren. Allerdings sind die Busse so voll, dass Niemand aufsteht und den Bus verlässt, weil es nicht sicher ist wieder einen Platz zu bekommen. An der Haltestelle stehen nun alle, die nicht laufen können und alle die nicht laufen wollen.

Wir sind das Stück, wo es noch erlaubt ist mit dem Auto gefahren und sind dann einen kleinen Rundweg gegangen. Der Parkplatz am „Trailhead“ war voll, doch auf dem Weg war nicht so viel los. Die Meisten sind genau die 100 Meter bis zu den Picknick Tischen gekommen.
An einem weiteren, im Reiseführer empfohlenen, Trailhead ging der Weg vom gerappelt vollen Parkplatz im steilen Anstieg den Berg hoch. Hier haben sich die Wanderer wie an einer Perlenschnur aufgereiht den Berg hinauf geschoben. Es sah fast wie eine Prozession aus.
Ich möchte sehr gerne noch mal in den Denali, aber dann bitte zu einer anderen Jahreszeit. Herbst wäre schön, einfach nicht mehr soviel los.
Im ganzen Park haben wir nicht ein Tier gesehen. Noch nicht mal ein Eichhörnchen, aber als wir wieder auf den Highway gefahren sind, gab es da am Straßenrand anscheinend das beste Grün für die Mama und das Kälbchen.







Anchorage
Unser nächstes Ziel war Anchorage. Die erste Prio hatte die Pflege unseres Zuhauses. Hier ist mir das erste mal aufgefallen, dass es in Alaska anscheinend gar nicht so selten ist den Hund und das Auto gleichzeitig zu waschen. Ich habe um Anchorage herum mehrere Waschanlagen gesehen, die immer auch eine Hundewäsche dabei hatten. Die Stadt der sauberen Autos und Hunde.


Als wir auf Anchorage zugefahren sind tauchten da plötzlich wieder Berge aus der Ebene auf.

Wir fanden einen städtischen Campingplatz in einem Vorort, der günstig war und „Dry Lots“ (kein Wasser, kein Strom) anbot. Schon in der Overländer App war zu lesen, dass der Platz mit Vorsicht zu genießen ist. In der Nähe ist ein „Brennpunkt Wohnviertel“ mit vielen Obdachlosen. Die Stadt drückt anscheinend ein Auge zu, wenn die Leute dort duschen gehen. An sich war es ein wirklich schöner Platz mit viel Grün und Bäumen.
Allerdings haben wir einige Situationen beobachtet, aus denen wir nicht so recht schlau wurden. Eine Platznachbarin zum Beispiel hatte ein Zelt (Hundehütte) aufgebaut. Frauen wie Männer kamen angefahren und warteten brav bis sie in Zelt gerufen wurden. Was die dort genau gemacht haben ist fraglich, denn gehört hat man (Frau) nichts. Wir haben viel gerätselt und schwanken immer noch zwischen „Working Girl“ und holistische Geisterbeschwörung.
Unsere Trittstufe war nach unserem Tagesausflug in der Stadt auch nicht mehr da. Die Duschen waren noch nicht mal mit Gummistiefeln und Virenschutzanzug zu betreten. Gott sei Dank ist das Auto mit einer kleinen aber sauberen Dusche ausgestattet.
Die Innenstadt hat genug Parkraum. Es war leicht mit dem Auto nach Downtown zu fahren. Es gibt ein, zwei Hochhäuser, aber im Regelfall sind es ein- bis zweistöckige Gebäude, wie sie hier im Norden typisch sind. Vor fast jedem Geschäft stehen Blumenkübel und in jedem Park und Tourist Information gibt es ein Blütenmeer. Das sieht wirklich toll und einladend aus. Wir haben zwei der touristischen Angebote angenommen und wurden nicht enttäuscht.










Zum einen eine Stadtrundfahrt. Sie geht eine Stunde und es ist kein Vergleich mit Berlin. Hier haben wir in einer Stunde Anchorage inklusive der Vororte gesehen. Es gibt mehrere größere Seen, die gleichzeitig ein Flugplatz sind. Hier können sich die Bewohner von Anchorage einen Stellplatz für ihr Flugzeug mieten oder kaufen. Da die Entfernungen so riesig sind, ist ein Flugzeug ein relativ weit verbreitetes Transportmittel. Die kleinen Maschinen landen entweder auf den Holperpiste (sie sind dafür mit dicken Reifen ausgestattet), auf dem Wasser (dafür sind die Floats) oder auf dem Schnee (mit Skiern unten dran). Das alles kann man relativ leicht umstecken. Zu bedenken ist natürlich, dass so ein Flugzeug nicht ganz billig ist. Irgendwas zwischen 50.000 und 100.000 Dollar und die Warteliste für so einen Stellplatz am See liegt bei 13 Jahren.



Die zweite Tour ging zur Hatchery (wörtl. Schlüpferei). Alaska und Fischen gehören einfach zusammen. Nicht nur in den Augen aller Touristen, sondern auch in den Augen der Einwohner. Die Regierung von Alaska hat deshalb beschlossen, es gar nicht erst zur Überfischung und Engpässen kommen zu lassen. Über den ganzen Staat verteilt gibt es Hatchery‘s, die vor allem Lachs-Nachwuchs zum Schlüpfen bringen und ihn soweit großziehen, dass er in die Flüsse eingesetzt werden kann. Finanziert wird das über die Gebühren für die Fischlizenzen.
Mitten in Anchorage fließt der Fluss „Ship Creek“ in die Bucht. Dort kann man auf einer Holzbrücke Lachse fischen. Natürlich gibt es eine kleine Holzhütte vorne dran, die Tageslizenzen fürs Angeln verkauft, das notwendige Equipment verleiht und dann noch den gefangenen Fisch soweit verarbeitet, dass ihn der normale Hotelgast gefroren mit nach Hause nehmen kann.
Auf dem Weg zur Hatchery sind wir auch an der Ulu Fabrik vorbei gekommen. Dort werden die typischen Inuit Messer in Handarbeit hergestellt. Natürlich gibt es dort auch die berühmten Inuit Stein- und Elfenbeinschnitzereien zu kaufen. Alles ist Elfenbein, Mammut- oder Walross-Zahn. Ich wollte es dem Deutschen Zoll trotzdem nicht erklären müssen und als sie mir dann noch den Penisknochen eines Wales angeboten haben, war ich raus.







Eine letzte Info zu Anchorage: Beim letzten großen Erdbeben am 27.03.1964 wurde ein großer Teil von Anchorage zerstört. Es hatte eine Stärke von 9,2 und war bis nach Florida zu spüren. Lehm im Boden unter der Stadt hat sich durch den Druck des Bebens verflüssigt und ganze Stadtteile sind im Boden versunken. Bis heute wird es als ein Wunder betrachtet, dass nur wenige Menschen in Anchorage ihr Leben verloren haben. Die Kirche und der Glaube haben Menschenleben gerettet, denn der 27.03.64 war Karfreitag und der Kirchgang wurde damals noch sehr ernst genommen.
Seward
Von Anchorage aus sind wir in Richtung Süden nach Seward gefahren. Die Straße geht vorbei am Turnagain Inlet. Den Namen hat die Bucht von den Seefahrern bekommen, die hier vergeblich nach der Nordwestpassage gesucht haben und wieder umdrehen mussten. Angeblich soll man in der Bucht Belugawale sehen können. Bei uns haben sie sich nicht gezeigt. Dafür ein Zug, der die Besucher an der malerischen Küste entlang nach Seward bringt. Blöd nur, wenn das Wetter schlecht ist. Dann ist die Zugfahrt nicht so malerisch. Aber gebucht ist gebucht.




Seward selbst ist eine kleine Stadt mit einem tollen Panorama, hab ich mir sagen lassen. Außer wenn es gerade regnet oder nebelig ist. Wenn das Wetter nicht mitspielt, geht man eben ins Sea Life und bildet sich weiter. Die Kollegen hier lassen grüßen.

Eine lebensgroße Bronzestatue erinnert daran, dass bis vor wenigen Jahren das große Iditarod Hundeschlittenrennen hier begonnen hat. Mittlerweile startet es in Anchorage.
Der schwarze Punkt im Wasser ist ein wilder Seeotter. Nach meinem Gedankengang: „Was schwimmt den da? Oh es bewegt sich, Wow ein Otter, sch…. Wo ist der Foto!“, war das alles was noch zu sehen war. Das Tsunami-Schild merkt Ihr Euch bitte für den Valdez Abschnitt.






Homer
Das nächste Ziel war Homer. Wir fanden einen tollen Platz zum Übernachten. Mit viel Ausblick.



Der Weg nach Homer ist die Hauptstrecke für alle Angler und Fischer. Auf dem Weg dorthin überquert man die besten Flüsse zu Lachs angeln. Homer selbst ist die selbsternannte Hauptstadt zum Heilbutt fischen. Alles dreht sich ums fischen. Mit genügend Einkommen hat man natürlich hier eine Cottage mit Anlieger für das eigene Wasserflugzeug. Die weniger gesegneten, ziehen ihr Boot dann eben auf dem Anhänger her.



Das im Hintergrund auf dem Meer ist der „Spit of Homer“ eine 7,6 Km lange Sandbank, wo sich das komplette Fischerleben abspielt.







Die Moschusochsen-Farm
Auf dem Weg nach Valdez sind wir an der einzigen Moschusochsen-Farm vorbeigekommen. Mir war nicht klar, was man mit ihnen machen kann. Also haben wir uns das angesehen. Die Tiere sind toll, total gechillt und sehr haarig. Genau das macht sie so begehrt. Einmal im Jahr wenn der Winter vorbei ist, geht das dichte Unterfell der Tiere aus. (Fellwechsel kennen wir ja bei Hund und Katze zu genüge). Hier auf der Farm werden sie dann gekämmt. Das mögen sie gerne, denn das überflüssige Fell juckt, wenn es warm wird. Das war‘s.
Die einzige weitere Aufregung ist dann in der Paarungszeit, wenn die Weibchen zu den Männchen dürfen. Der Rest des Jahres ist Essen und Kinder großziehen. Ob sich das rentiert? Ein klares „Jein“. Die Farm ist ein Non Profit Unternehmen. Die Tiere werden natürlich auch zur Nachzucht für wilde Herden benötigt, was aber in Alaska zur Zeit kein Problem zu sein scheint. Natürlich verkaufen die Farmer dann auch die Wolle. Die zarteste, weichste und feinste Wolle, die ich je gesehen habe. Kaschmir ist rau dagegen. Nicht ganz 50 Gramm kosten $80 das sind auch ziemlich genau 80€. Für alle die nicht Stricken: Ein Pullover mit Lochmuster für eine schlanke Person würde ca. 650€ kosten und dann ist er noch nicht gestrickt.
Offensichtlich ist, dass Moschusochsen gar keine Ochsen sind, denn der nächste biologische Verwandte ist die Ziege.




Valdez
Wenn man die Straße nach Valdez fährt, kommt man an sehr viel Panorama vorbei. Immer wieder gibt es Gletscher, die sehr nahe an die Straße herankommen.





Die Stadt ist sehr schön. Sie hat einen kleinen Hafen und mehr Erwerbsfischer als Homer. Sie liegt sehr idyllisch im Fjord.
Ihr erinnert euch an das Erdbeben. Die meisten Einwohner von Valdez waren an diesem Karfreitag am Steg und haben auf das Postboot gewartet. Dann kam der Tsunami. Man erzählt sich, dass als das Postboot nach Valdez kam und der erste Funkspruch war: „Mayday, Mayday, Valdez is gone!“
80% der Todesfälle, die das Erdbeben verursacht hat, waren aus Valdez. Die Stadt wurde nach der Katastrophe höher und hinter einer Hügelkette neu aufgebaut. Trotz der Tragik, muss man die Zeit bedenken, in der das Erdbeben war. In Summe gab es 125 Todesfälle, die meisten davon durch die Tsunamis.







Wrangell St. Elias National Park
In Richtung Norden wird es jetzt wieder ziemlich flach mit ewig weiten Flusstälern und viel Wald. Ab der Kreuzung von Glenallen hat man einen genialen Blick auf den Beginn des Wrangell Nationalparks mit dem Mount St. Elias.
Es gibt zwei Wege in den Park, wir haben den nördlichen genommen. Am Parkeingang steht ein Fischrad. Zu Zeiten der Lachswanderungen wurde so ein Rad in den Fluss gehängt und ähnlich wie ein Wasserrad hat es dann bei jeder Drehung die Fische herausgehoben. Durch die seitliche Öffnung in den Schöpfkörben sind sie dann aufs Land gefallen.
Der Campingplatz dort hat nichts gekostet und es war die ganze Zeit über eine herrliche Stille. Man konnte jedes Eichhörnchen keckern hören und jeden Vogel piepsen. Dann kam die amerikanische Großfamilie und Papa hat erstmal das Stromaggregat mit Benzinmotor angeworfen.













Skagway und Haines
Zurück sind wir wieder über den Alaska Highway nach Kanada gefahren. Wir wollten uns aber die anderen zwei Straßen nach Alaska nicht entgehen lassen, also sind wir aus Kanada raus in Richtung Haines gefahren. Es ist eine Sackgasse, allerdings kann man mit der Autofähre nach Skagway übersetzen. Auch nach Skagway gibt es nur eine Straße rein und raus. Wie relevant das ist, wurde uns bewusst als wir an der Fähre die Info bekamen, dass die Straße aus Skagway raus durch einen Erdrutsch verschüttet ist. Wieder über Haines zurück wären ca. 600 km Umweg gewesen. Aber wir haben ja Zeit. (Es lebe das Rentner-Dasein!). Heute ist die Straße schon wieder einspurig zu befahren und nach dem Wochenende dürfte wieder alles geräumt sein.

Skagway selbst ist durch den Goldrausch und die Bücher von Jack London eine Legende geworden. Hier war der Startpunkt von dem aus jeder Goldsucher in Richtung Yukon und Alaska aufgebrochen ist.
Weil plötzlich tausende von Menschen, ohne jegliche Erfahrung in der Wildnis, sich auf den Weg nach Kanada machten, hat die Kanadische Regierung ein Gesetz erlassen, das den Zugang zum Yukon nur mit einer Ausrüstung von mindestens 1.000 Pfund pro Person erlaubt hat. Es war genau vorgegeben wie viel Mehl, Zucker, Fleisch und sonstige Dinge mitgenommen werden mussten. Das ganze Gepäck wurde dann mit Hundeschlitten, oder aber auf dem eigenen Rücken den steilen Berg hoch getragen. Oftmals dauerte es eine ganze Woche bis die ganze Ausrüstung oben war.
Der Chilkot Trail ist heute eine Touristenattraktion. Die Nachbauten des ersten Zuges, der sich die Strecke hinauf gequält hat, fahren noch heute. Mehrfach täglich werden die Touristen von Skagway nach Whitehorse und wieder zurück transportiert.
Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, lagen drei Kreuzfahrtschiffe im Hafen als wir mit der Fähre ankamen. Die Bevölkerung von Skagway steigt da mal schnell um das 10 fache. Der Ort ist vorbereitet. Restaurants, Foodtrucks, Alaska-Andenken-Ramschläden und jede Menge Juweliere nehmen es mit den Besuchern auf. Dazu kommen die Veranstalter für Rafting-, Wander- und Zugreisetouren. Hier kommt jeder auf seine Kosten. Ich bin mir nicht sicher, ob so viel original Alaska Gold, wie hier in den Schmuckläden liegt, jemals in Alaska gefunden wurde.







So. Ein Bild habe ich noch für Euch. Ich hatte doch vom Fireweed erzählt. So sieht es nach schönen Sonnentagen und genug Regen aus:

Puh, das war ein langer Bericht. Ich danke Euch für’s durchhalten. Ich wollte nicht stückeln. Aber so oder so kann man diesem großartigen Land nicht gerecht werden.
Bis bald mit neuen Geschichten aus Kanada und Vancouver Island.
Liebe Grüße Antje und Rainer






