Nun ist es soweit. Den einsamen Norden haben wir nun allmählich hinter uns gelassen. Leider hat das Wetter nicht immer mitgespielt. Auch die Juli-Nächte um den Gefrierpunkt herum waren uns nicht zwingend vertraut und eine Herausforderung. Trotzdem muss ich sagen, die Wälder, Seen und Küsten der arktischen Regionen haben einen Zauber, dem ich mich nicht entziehen kann. Einen dickeren Pulli kann man immer anziehen. Der Abschied fällt mir wirklich schwer.
Skagway nach Carcross
Von Skagway aus geht es nun in Richtung Süden. Zuerst aber erst mal nach Westen. Ein bisschen Alaska ist immer noch mit dabei. Denn nach Skagway und Hyder kommt man auf dem Landweg nur über Kanada.
Die Beiden kennt Ihr ja noch.

Die Route, die Jack London so eindringlich in seinen Büchern beschrieben hat: Der White Pass bis nach Carcross. In Skagway (Alaska) und Carcross (Kanada) beginnt und endet der Trail, dessen Herausforderung in vielen Geschichten beschrieben ist und dem sich bis heute nur einige „hartgesottene“ Wanderer stellen, sowie die abenteuerlich aussehende, historische Eisenbahnstrecke „White Pass“. Auch hier hat sich das Wetter leider etwas geziert. Ein Stück der Eisenbahnbrücke durften wir sehen. Der White Pass selbst hat sich aber in Nebelweiß gehüllt.


Schön warm im Auto sitzend, ist uns eine ganze Horde von Radfahrern entgegen gekommen, die mit einer gebuchten Fahrradtour mit dem Auto den Pass hinauf gekutscht werden, um dann die atemberaubende Landschaft beim bergab fahren bestaunen zu können. Gesehen haben wir im Auto auch nichts, aber wir wurden wenigstens nicht klatschnass vom Nebel.
In Fraser, dem Bergbahnhof, haben wir dann zum ersten mal den Zug gesehen. Zwar hat er jetzt eine moderne Diesellok vorne, aber für die Waggons wurde das historische Aussehen beibehalten. Mir hat das gut gefallen, weil es wirklich außergewöhnlich und sehenswert ist. Je weiter wir vom Pass herunterkamen, umso mehr hat sich dann auch der Nebel gelichtet und wir konnten den ein oder anderen Eindruck der Landschaft mitnehmen.


Schon bevor wir mit der Fähre in Skagway ankamen, hatte uns die Information erreicht, dass die einzige Straße über den White Pass auf der kanadischen Seite durch einen Erdrutsch verschüttet wurde. Die Behörden konnten noch nicht genau sagen bis wann die Straße wieder geräumt ist. Aber unser Vertrauen in die Kanadier wurde belohnt. Schon 2 Tage später war die Strecke soweit frei, dass man sie einspurig passieren konnte. In Kanada geht das allerdings nur mit einem „Pilot Car“, dem man hinterherfährt.
Mein Job, den ganzen Tag hin und her fahren und die Touris von rechts nach links schaffen.

Wetter = Na ja, aber die Strecke ist wunderschön und nach jeder
Kurve gibt es einen weiteren „Ahhhhhh“ Moment.



Baby Yukon
Dort wo der Yukon noch ganz jung und klein ist, gibt es eine Hängebrücke und ein touristisch sehr gut aufbereitetes „Interpretive Center“. Das schöne Holz- und Glas-Gebäude ist zweigeteilt und über einen Holzweg verbunden. So kommen Bustouristen und Individualtouristen getrennt zu Kaffee und Kuchen und keiner muss auf den anderen warten.
Das hilft den Bustouries nicht viel, denn auch wenn der Reiseleiter schon höchst verzweifelt an der Kasse des Andenkenladen wartet und mahnt, sind ein oder zwei Reisende immer noch länglich in die Diskussion vertieft, welcher Schlüsselanhänger denn nun für das Enkelchen der bessere sei.
Natürlich kostet es Eintritt, den ist es aber wert. Schautafeln zu Erklärung von Bären-Arten, über Pflanzen, bis hin zu Moskitos und warum sie eine wichtige Grundlage dieser Region sind. Der Autor war nicht anwesend, aber über den letzten Punkt hätte ich diskutiert.
Zum Abschluss eine Trapperhütte, wie sie hier bis heute noch im Einsatz sind. Noch immer ist der Pelzhandel ein Wirtschaftsfaktor, wenn auch ein mittlerweile sehr kleiner.







Carcross



Zum einen war ich erstaunt, dass in Carcross noch so viele alte Gebäude stehen, die historisch angelehnt renoviert werden. Zum anderen der sehr moderne und „flashy“ gestaltete Platz rund um die Visitor Information, mit vielen Buden bemalt im Stil der Natives. Die Buden und das Angebot der Läden erinnerten mich stark an einen Weihnachtsmarkt. Viel Plastikkitsch und ein wenig Kunst. Selbst gemachte Seifen und Schmuck lösten sich mit China-Souvenirs, Fritten- und Eisbuden ab.

Natürlich gefallen mir die alten Gebäude und wenn man den angebrachten Tafeln glauben kann, ist der „General Store“ seit der ersten Eröffnung noch immer in Familienbesitz. Hier gibt es einfach alles, Eis (zum kühlen), Eis (zum essen), Mehl, Milch, Eier, Messer, Töpfe, Zeltplanen, Mokassins und natürlich Felle in allen Größen.
So sehr ich verstehe, dass es in der Vergangenheit notwendig war mit Pelzen und Lederhäuten von Wildtieren zu handeln und dass das Jagen und Fischen für viele Menschen hier noch immer eine Möglichkeit ist über die Runden zu kommen, so wenig kann ich verstehen was ein Tourist mit einem Polarfuchs- oder Schneehasenfell anfangen kann. Es liegt zuhause herum bis es eingestaubt ist, dann fliegt es in den Müll. Ich sehe die Felle lieber an den lebenden Bären, Wölfen, Füchsen, Hasen oder Nerzen. Denen sind sie auf den Leib geschneidert und da gehören sie hin. So jetzt hör ich auch auf mit der Predigt.



Atlin
Eigentlich wollten wir nach Carcross sofort zurück nach Whitehorse zum Einkaufen, um dann gerüstet den Alaska Highway südlich zu fahren. Durch einen Bericht von anderen Reisenden ist Rainer aber auf den Atlin Lake und die umliegende Gegend aufmerksam geworden.
Das schöne ist, dass wir alle Zeit dieser Welt haben. Also haben wir vor unserer Einkaufstour noch einen Abstecher nach Atlin gemacht. Ich lasse die Bilder für sich selbst sprechen.
Wir haben auf Stellplätzen (Recreation Sites) des BC Goverment übernachtet. Sie haben eine Feuerstelle und einen Picknicktisch und kosten hier nichts. Leider sind sie nur über Schotter- und Schlaglochpisten zu erreichen und weit, weit weg von jeder Zivilisation.









Alaska Highway und Watson Lake
Wir fahren nun den Alaska Highway in die andere Richtung wieder ein Stück zurück bis nach Watson Lake und den Abzweig zum Cassiar Highway. Zwei Nächte haben wir (wie auf dem Hinweg) am Morley Lake verbracht. Die Sonne kam raus und wir wollten das erste schöne und warme Wetter seit langem, nicht im Auto verschwenden.

In Watson Lake angekommen war wieder Einkaufen und Tanken angesagt. Dieses mal haben wir auch den „bekannten“ Schilderwald von Watson Lake erkundet. Jeder der will kann hier ein Schild von seinem Heimatort anbringen. Die Pfähle dazu werden von der Gemeinde aufgestellt. Und ja, es ist ein richtiger Wald geworden. Man kann sehr gut erkennen, dass der kanadische Norden fest in deutscher Hand ist. Aber auch einige Österreicher, Schweizer und Polen sind hier viel vertreten.




Cassier Highway
Die Straße ist im Vergleich zu denen weiter oben im Norden, gut zu fahren. Es gibt nur wenige Bodenwellen zum abheben. Man merkt, dass wir so langsam aus dem Permafrost raus sind, denn der bringt jede Straße in die Knie.
Das erste was uns begegnete, war dieser kleine Kerl hier. Die Mama lag gemütlich auf dem breiten Seitenstreifen und hat Gras und Klee gefressen.



Was macht der kleine Bär auf der Straße? Die Eich- und Erdhörnchen rennen hier gerne mal im Zickzack über die Straße. Das eine oder andere bleibt dabei auf der Strecke. Das platte und getrocknete „Squirrel Jerky“, ist dann ein gefundenes Fressen für die noch nicht so geschickten Jäger. Krähen sind oftmals die ersten Verwerter, aber wir haben nun schon das zweite Mal gesehen, wie so ein kleiner Bär das nötige Eiweiß für sein Wachstum von der Straße abzieht.
Der Wettergott hat uns wieder lieb und wir können ein paar sehr schöne Eindrücke auf der Strecke mitnehmen. Mit viel Glück haben wir an dem sehr beliebten Boya Lake einen Platz direkt am See gefunden. Es ist so warm, dass wir endlich wieder schwimmen und Paddeln können.
Der Campingplatz wurde sehr schnell voll und wir wurden während unseres Aufenthaltes dort mehrfach gefragt, wann wir denn abreisen würden. So war dann auch am Tag, als wir aufbrachen schon ein anderer Camper in Warteposition.





Die Campingplätze sind nicht, wie wir sie kennen. Nicht eingezäunt, keine Rezeption, keine Dusche, kein Waschraum, ab und zu gibt es Trinkwasser, meistens nur ein paar Häuschen mit einem Plumpsklo. Das war‘s.
Dafür aber viel Grün zwischen den Stellplätzen und hier am Boya Lake gab es noch Kanu, Kajak und Schwimmwesten zu mieten. Am Strand, wo die Boote liegen ist ein Holzgestell, dort hängen die Westen und die Paddel. Daneben steht ein Pfahl mit einem Schild und einer Metallbüchse mit Briefschlitz. Auf dem Schild steht der Preis/h und in die Büchse wirft man das Geld rein. Bezahlt wird der Stellplatz auf die gleiche Weise oder abends beim Ranger, der beim Durchfahren dann auch noch Feuerholz verkauft.
Natürlich gibt es auch Campingplätze für die richtig großen RV‘s (Recreation Vans) in Reisebusgröße. Diese haben asphaltierte oder geschotterte Plätze mit eigenem Wasser, Strom und Abwasseranschluss (Full Hook Up). Zwischen den Monstren steht ein Picknicktisch und vielleicht ein bisschen Gras. Dafür gibt es dann natürlich eine Rezeption, Duschen, Waschräume, öfter auch ein paar Waschmaschinen und Trockner. Im Schnitt kosten die ohne „Trallala“ so um die 14,- bis 17,- €, die mit allem außer schön, so ab 80,-€ die Nacht. Für Campingplätze in einer Stadt oder direkt am Meer gibt es nach oben keine Grenze.
Hyder und Stewart
Unser letzter Besuch in Alaska ist Hyder. Auch das ist über den Landweg nur von Kanada aus über das Städtchen Stewart zu erreichen. Es gibt hier zwei Hauptattraktionen, die die Touristen aus aller Welt anlocken.
Der Salmon Gletscher. Er ist einer der wenigen Gletscher, die noch mit dem Auto zu erreichen sind. Die Gegend dort zwischen Kanada und Alaska ist reich an Erzen und folglich gibt es auch einige Minen dort. Die Minen-Straßen (so man sie denn so nennen mag) sind öffentlich zugänglich. Man kann also über die staubigste, holperigste und Schlagloch-reichste Strecke den Gletscher erreichen.
Aber es ist jedes Schlagloch wert. Der Gletscher ist atemberaubend. Kleine Story nebenbei: Als wir auf dem Parkplatz angehalten haben, um den Gletscher zu erkunden, kamen Wolken von Moskitos an und haben sich auf uns gestürzt. Im ersten Augenblick war nur der schnell fließende Gletscherfluss an Wasserfläche zu erkennen, das ist jedoch keine Brutstätte für Moskitos. Aber nach einer kurzen Kletterpartie auf eine kleine Ebene über den Parkplatz und das Rätsel war gelöst (Bild 2)











Der Salmon (Lachs). Im Tal gibt es einen kleinen Nationalpark, der es ermöglicht auf einer langen Holzbrücke den Fluss entlang das Laichgebiet der Lachse zu beobachten. In der Hauptsaison ab Mitte August, wenn die Lachse zum ablaichen kommen, wird die Anzahl der Besucher beschränkt. Es ist also notwendig, sich den gewünschten Zeitraum online zu reservieren. Dazu gilt es natürlich auch zu bedenken, dass das die Gelegenheit ist, Bären früh morgens bei ihrer Lieblingsbeschäftigung zu beobachten.
In der Hoffnung früh genug zu sein, um auch ein paar Bären zu sehen, haben wir also für 06:00 Uhr morgens gebucht. Zum Übernachten haben wir ca. einen Kilometer entfernt ein sehr schönes Plätzchen mitten im Wald an einem stillgelegten Steinbruch gefunden.
Am nächsten Morgen kamen wir also um Viertel vor 6 Uhr beim Park an und sahen gerade noch das Hinterteil eines vollgefressenen Schwarzbären, der sich trotzdem elegant über die Leitplanke in den Wald geschwungen hat. Im Park war kein Bär mehr zu sehen, aber dafür die Reste seines Frühstücks und die plattgedrückten Grasstellen am Ufer, wo er gelegen hatten.
Die Enttäuschung darüber, hat nicht lange angehalten. Im Fluss (Bach), der an vielen Stellen kaum noch Knöcheltief ist, konnten wir die Lachse bei ihrem letzten Tanz beobachten. Sie sind bereits müde und abgekämpft, weil sie sich mit purer Kraft über die flachen Stellen im Flussbett geschoben haben. Nun drehen sie sich paarweise im Kreis und wedeln eine Kuhle frei, in die das Weibchen die Eier legt und das Männchen seinen Samen darüber sprüht. Dann sterben sie.
Der kleine Fluss/Bach ist voller Möwen, die auf den Körpern von toten Lachsen sitzen und diese lautstark gegen andere Möwen verteidigen. Einige der Möwen, vor allem die Jüngeren, waren so überfressen, dass sie aussahen als ob ihnen der Lachs jeden Moment wieder aus dem Schnabel fallen würde. Das ist alles ganz normal und der natürliche Weg eines Lachses. Trotzdem hat mir der Fisch, den ich sehr gerne esse, in diesem Moment leid getan.
Weniger traurig und definitiv unterhaltsamer war dagegen unsere eigene Spezies auf der Brücke. Die waren zum Teil echt auf dem Holzweg. Die Frau, die bei jedem Schritt das Bärenspray fest umklammerte, als würden die Bären lieber in „Fjäll Räven oder Patagonia“ eingewickelte Touristen, statt fette, naturbelassene Lachse essen und dann auch die kleine asiatische Touristin mit Mutter im Rollstuhl, die eine Teleobjektiv an der Kamera hatte, das fast so groß war wie sie selbst. Immerhin hatte das Objektiv Tarnfarben, damit sich kein Wildtier davor erschrecken muss. Auch habe ich Männer gesehen, die der Naturbegeisterung ihrer Partner nicht so folgen konnten und mit geschlossenen Augen auf den Bänken Schlaf nachholten und vom Kaffee träumten.










An diesem Abend haben wir noch mal in der gleichen Waldlichtung übernachtet und wie als ob sie ihr Nichterscheinen an der Brücke wiedergut machen wollten, kam Mama Bär mit Baby Bär bei uns am Auto vorbei.


Zurück sind wir dann wieder über die kleine Kanadisch-Amerikanisch Grenzstadt Stewart gefahren, die an einem sehr schönen Fjord (Sound) liegt. Mit all den Minen im Hinterland hat Stewart einen großen Verladehafen für Lastschiffe.






Prince Rupert Sound
Da wir weder in Homer noch in Valdez eine Bootstour gemacht hatten und wir auch ein paar Hundert Kilometer Highway im Landesinneren sparen konnten, haben wir beschlossen mit dem Schiff eine große Strecke Richtung Süden zurückzulegen. Von Prince Rupert Sound nach Port Hardy auf Vancouver Island haben wir daher eine Fährfahrt gebucht. Die Fahrzeit beträgt 16 Stunden. Natürlich geht es auch hier wieder um 06:30 Uhr morgens los. Das Hafengebiet von Prince Rupert ist schön und es legt auch schon mal die eine oder andere Yacht an. Übernachtet haben wir unten am Hafen wo es zwar ein bisschen umtriebig war, aber dafür wurden wir mit einem tollen Sonnenuntergang belohnt.






Wir waren schon einen Tag früher in der Stadt, da wir dringend waschen und einkaufen mussten. Wenn mir die Unterhosen ausgehen, verstehe ich keinen Spaß mehr. Nach dem Besuch der Wäscherei haben wir uns einen kleinen Trail zum laufen gesucht. Zum ersten mal, habe ich hier die Unterschiede von Küsten-Regenwäldern zu anderen Wäldern im Landesinneren richtig wahrgenommen.







Fähre
Am Abend vorm Boarding konnten wir schon auf dem Gelände des Fährhafens übernachten. Wir wurden eingecheckt, bekamen eine Spur zugewiesen und konnten dann in aller Ruhe schlafen. Can $ 22,-: Weckfunktion mit eingeschlossen. Auf der Spur neben uns kamen Motorradfahrer an, die dann im strömenden Regen ihr Zelt auf dem Asphalt auf- und morgens nass wieder abgebaut haben. Ich muss wirklich zugeben, dazu hätte ich einfach keine Lust mehr.
Die Route der Fähre geht durch die sogenannte Inlandspassage, zwischen dem Festland und den vielen größeren und kleineren Inseln. In den ganzen 16 Stunden hatten wir nur einmal Blick auf den offenen Pazifik, aber jeder Kilometer in dieser Passage war sein Geld wert. Viele kleine Siedlungen oder auch nur Lighthouses (Leuchtfeuer in Häusern nicht im Turm) waren zu sehen. Die Menschen dort kommen nur mit dem Boot oder dem Wasserflugzeug in ihren Ort. Es sind natürlich viele Stammesgebiete der Natives. Die meisten von ihnen sind zum arbeiten oder studieren das Jahr über in ganz Kanada verteilt. Zur Lachs- und Jagdzeit machen sie Urlaub zuhause um gemeinsam mit der ganzen Familie die Kühltruhen für den Winter zu füllen.
Das Beste waren aber die Wale, die wir gesehen haben. Buckelwale und Orcas mit Nachwuchs. Sei es beim Springen aus dem Wasser oder einfach nur beim Jagen. Die Fahrt war einfach toll. Ich reihe die Bilder chronologisch. Ihr könnt sehen, dass von allem etwas dabei war.









Es waren natürlich auch die unterschiedlichsten Menschen mit auf großer Fahrt. Während sich die Deutschen untereinander keines Blickes gewürdigt haben, um bloß nicht mit Fremden sprechen zu müssen, haben einige Berufs-Abenteurer „Mein Haus, mein Auto, meine Frau und meine Weltmännischkeit“ gespielt. Die gibt es halt auch überall auf der Welt, aber doch bitte nicht ausgerechnet in der Sitzreihe hinter mir! Auch immer wieder interessant waren die Motorradfahrer, die genau sagen können wie viel tausend Kilometer (Meilen) sie gefahren sind, aber nicht mehr genau wussten wo sie überall waren.
Vancouver Island
Angekommen sind wir um 23:00 Uhr in Port Hardy. Wir haben uns zuerst mal einen Platz zum Übernachten gesucht und sind dann Morgens zum Einkaufen und Tanken noch mal in das Städtchen gefahren. Schön war, dass es an dem Yachthafen eine Dusche gab. Für ein paar Dollar warmes Wasser ohne Ende (Jippie).


Gegenüber von Port McNeill haben wir auf einer kleinen Halbinsel einen tollen Platz im Wald gefunden mit einem sehr schönen Strand und Meer.




Telegraf Cove
Für mich persönlich das Highlight von Vancouver Island. Eine kleine Hafensiedlung komplett aus Holz, die in einer geschützten Bucht liegt. Der zentrale Teil inklusive der Marina ist heute ein Ressort mit Restaurant und Bar. Es hat ganz normale Hotelzimmer, aber auch Ferienwohnungen, die in den alten Fischerhütten untergebracht sind. Wenn man auf der Hafenpromenade läuft, spaziert man praktisch durch die Feriensiedlung. Der kleine Hafen ist ein Paradies für alle Sportangler und Fischer. Sie legen mit ihren Booten an und können an den Anlegestegen gleich die Fische putzen und filetieren. Die Möwen freuen sich auch. Am Ende der Promenade gibt ein kleines staatliches Wal-Museum. Ganz zufällig ist dort auch der Anlegeplatz der „Prince of Whales“, eine Agentur die Walbeobachtungstouren anbietet.









Ich konnte nicht widerstehen. Die Wale, die wir auf der Fähre sahen, haben mich erst richtig neugierig gemacht. Rainer wollte nicht mit. Er traut seinem Magen auf dem Wasser nicht so ganz. Jeder Euro für diese 3 Stunden war gerechtfertigt. Kaum waren wir aus der Bucht raus, gab es die ersten Wal-Fontänen zu sehen. Wir konnten ein paar Delfine sehen, die mit einem kleinen Orca gespielt haben. Sie sind in der Eifer des Spiels einfach unter unserem Boot durchgetaucht. Das war dann der Mama Orca zu viel und sie hat den Kleinen in die Gruppe zurückgeholt und die Delfine gescheucht. Auf dem Video in Instagram sind die Delfine und der Baby Orca gut zu sehen. Langsam abspielen macht am meisten Spaß.
Wir haben einen Weißkopfseeadler gesehen, der sich einen Fisch aus dem Meer geschnappt hat und über unsere Köpfe weg damit zum Ufer flog. Wir haben Seelöwen gesehen und gehört, die miteinander „kommuniziert“ haben. Zu allem hat das Team an Bord Informationen mitgeben und alle Fragen beantwortet. Ich weiß nun, dass es Orca-Gruppen gibt die am gleichen Ort bleiben. Sie fressen Heringe und Lachs. Sie gehen weder an die „Habour“ Robben, noch an Menschen, die ins Wasser fallen. Anders bei den nomadischen Orcas, die von Süden nach Norden ziehen, sie verspeisen auch gerne mal Robben oder Pinguine. Buckelwale sind hier nur zum fressen (Heringsdiät). Sie fressen die ganze Zeit, bis sie sich wieder in den Süden auf machen, um dort nach einem Partner Ausschau zu halten. In der Paarungszeit fressen sie dann 6 Monate lang gar nichts. Ich weiß, das sind viel zu viele Bilder, aber diese Tour werde ich so schnell nicht vergessen.









Von Telegraf Cove aus sind wir auf eine Schotterstrecke an einem kleineren See (Bonanza Lake) vorbeigekommen und dort eine Nacht geblieben.


Pacific Rim National Park
Leider hat uns hier unser Glück mit dem Wetter komplett verlassen. Es hat geregnet, kurz Luft geholt, dann wieder geregnet. Die Küste ist hier sehr dicht bewaldet, sodass man selbst wenn man auf der Küstenstraße entlang fährt nichts anderes als Wald sieht. Nicht irgendeinen Wald, den pazifischen Regenwald. Dicht, dunkel, voller Moos und riesiger Bäume. Unser erster Halt war in Ucluelet. Eine kleine Gemeinde mit mehr Betten in den Hotels als in den Wohnhäusern. Das Zeug, was da so wabbelig aussehend am Strand rumliegt, ist ein Stück eines Kelpwaldes. Es sind zum Teil riesig hohe Pflanzen und die Stängel sind hart wie Holz.





Bis nach Tofino haben wir es leider gar nicht geschafft. Es war nicht ein Campingplatz zu finden, der noch einen Platz frei hatte. Auch auf der I Overländer App gab es keine Empfehlungen für die Gegend. Wir haben es vollkommen unterschätzt, dass wir nun nicht mehr im menschenleeren Yukon waren, sondern in einem der beliebtesten Feriengebiete von Kanada angekommen sind. Noch dazu, war immer noch Ferienzeit. Erst Anfang September müssen die Kids wieder in die Schule. Hier war also alles überfüllt und so hektisch, dass wir uns auf den Weg nach Bamfield gemacht haben.
Der Ort ist ganz klein und war lange Zeit, auf dem Landweg nur über 80Km Schotterstrecke zu erreichen. Angekommen sind wir im Regen, aber zumindest war auf dem Campingplatz für eine Nacht noch ein Platz zu bekommen. Nachmittags hat es aufgeklart und ich habe die Bilder von morgens gelöscht und das gleiche noch mal am Nachmittag fotografiert. Sieht gleich viel besser aus.




Auf dem Weg nach Bamfield wurde es sehr deutlich klar, warum die Wälder Regen- oder auch Nebelwälder heißen.



Port Renfrew
Trotz Regen und trüben Wetter wollten wir doch die Gelegenheit nutzen, um einen ausführlichen Strandspaziergang zu machen. In Port Renfrew haben wir einen Campingplatz gefunden, der die schönsten Plätze direkt an einem langen Sandstrand hatte. Hier ist auch einer der Trailheads zu dem gerne gewanderten „Coast Trail“ von Vancouver Island. Auch hier liegt der Ort wieder in einer natürlichen Bucht und der Hafen und die Boote sind vor den Wellen des Pazifik geschützt.
Ich glaube es gibt an der ganzen Pazifikküste keinen Strand an dem nicht unendlich viel Treibholz angespült wird. Die Überreste der Baumstümpfe und der Wurzeln sind wie bizarre Statuen aufgereiht und es macht unendlich viel Spaß sie alle zu erkunden. Zeitweise war ich auch versucht Stämme einfach nach Hause zu schicken. Die schönsten Holzfarben und Maserungen von Rotzeder waren hier zu finden. Das wäre ein toller Schaukelstuhl für die alten Tage geworden.








Auf dem Weg nach Victoria haben wir noch einen Abstecher zum China Beach gemacht. Ein exaktes Beispiel dafür wie es hier aussieht und früher aussah. Regenwald, Regenwaldküste und Regen.




Victoria
Die ersten beiden Nächte in Victoria haben wir in einem Vorort verbracht und haben die nötigen Dinge erledigt. Heißt genau: Einkaufen und Waschen. Übernachtet haben wir im wahrsten Sinne des Wortes am Straßenrand.
Es gibt hier einen Park mit Golfclub, an dessen Zaun viele Wohnmobile und Wohnwägen unter hohen Bäumen stehen. Nicht ganz ruhig aber „fer umme“.
Zum Ausgleich haben wir uns dann in der Innenstadt zwei Nächte im Hotel gegönnt.

Beim Einkaufen bin ich über einen Stoffladen und Quilt Shop gestolpert. Natürlich konnte ich als Nähfan nicht widerstehen. Durch das „Fachsimpeln“ mit der Verkäuferin, habe ich von der Ausstellung der „Quilters Guild of Victoria“ erfahren, die just an diesem Wochenende stattfand. Veranstaltungsort war eine große Multifunktions- / Sporthalle. Rings herum an der Wand waren die Stände der Stoffgeschäfte und in der Mitte hingen an langen Stangen die Quilt. Dabei waren alle, die für 2024 im Wettbewerb standen. Mit der Eintrittskarte gab es einen Wahlzettel. Natürlich war das ganze auch in Kategorien aufgeteilt. Die Größe, sowie das Motiv (Baby, Realistisch oder Fantasie) spielten eine Rolle, aber auch ob mit Maschine oder handgenäht. Ich war und bin immer noch begeistert, wie viel Kreativität und Handwerkskunst da zu sehen war. Die Idee ein Zoom Meeting in einer Quilt-Decke zu verewigen, haut mich einfach um.



Victoria ist die Hauptstadt von Vancouver Island und natürlich nach Queen Victoria benannt. Die Innenstadt bleibt fast durchgehend dem viktorianischen Stil treu. An der Tourist Info hat uns ein Guide erzählt, dass es eine Vorschrift gibt die sagt: Wie auch immer die Häuser innen renoviert werden, die Fassaden müssen erhalten bleiben.













Bei einer kleinen Hafenrundfahrt kamen wir an zwei Stellen vorbei, an denen Hausboote standen. In der „Fischermans Warf“ ist eine kleine Siedlung von Künstlern und Restaurants.
Die Frage nach dem Preis eines Hauses auf dem Wasser, wurde hier mit 650.000 bis 800.000 Kanadische Dollar beantwortet. An einer anderen Stelle in der Nähe des großen Yachthafens waren die Häuser ein bisschen größer und neuer. Angeblich wurde eines davon dieses Jahr zu einem Preis von 1,6 Mio Dollar verkauft.
Lasst mich überlegen: Nicht wirklich groß, kein Grundstück, kein Garten, aber wer dich nervt, den kannst du zum Kartoffel holen in den Keller schicken. Gar nicht mal so schlecht.




Zum Abschluss haben wir dann noch die älteste Chinatown in Kanada besucht und in einem sehr authentischen Restaurant Dim Sum gegessen.






Am nächsten Morgen um 05 Uhr waren wir schon wieder im Hafen und haben auf die nächste Fähre gewartet.
Auf Wiedersehen, Kanada! Es hat uns unendlich viel Spaß und Freude bereitet dieses riesige und wunderschöne Land zu bereisen. Aber das nächste Abenteuer ruft.
Hallo USA!
Da sind wir nun in Port Angeles gelandet. Auf den großen Städtemoloch um Seattle herum hatten wir keine Lust und sind deshalb am nächsten Punkt zum Olympus National Park in die USA eingereist. Aber das ist eine neue Geschichte, die ich später erzählen werde.
Und wieder ist es ein langer Blog geworden, mit vielen Bildern, die doch nicht alles zeigen können, was ich gerne mit Euch teilen würde. Aber für dieses Mal soll es nun genug sein.
Macht es gut und bereitet Euch schon mal seelisch und moralisch auf die USA und Washington vor.
Bis bald. Liebe Grüße Antje und Rainer.







