Washington und der mittlere Westen
„Lower 48“ ist ein Ausdruck, den wir in Alaska kennengelernt haben. So nennen die Menschen dort die restlichen 48 Staaten der USA, die auf dem Festland liegen.
Nun sind wir also in den USA. Abgesehen von einer kurzen Visite (von mir) in New York vor 13 Jahren haben wir beide noch nichts von Amerika gesehen. Von Victoria auf Vancouver Island (Kanada) sind wir mit der Fähre nach Port Angeles gefahren. Wie nicht anders zu erwarten, auch hier wieder mit der ersten Fähre am Tag. Also aufstehen um 4 Uhr, ab ins Auto (wir waren im Hotel) und ab zum Fährhafen. „Wer weiß, wie viel Zeit die Einreise in die USA in Anspruch nimmt“, denkt man, denn man vergleicht ja immer mit der deutschen Bürokratie.
Und wieder einmal haben wir uns mehr Gedanken gemacht, als nötig war. Noch am Abend zuvor rätselten wir, in welchem der Gebäude, die wir auf Google Maps sehen konnten, die Zöllner sitzen und ob wir erst zum Zoll müssen und dann das Auto parken oder umgekehrt. Fazit: Es war typisch amerikanisch einfach. Wir stellten uns am Fährhafen in die Spur zum Boarding der Fähre, und der US-Zoll kam zu jedem Auto, sah sich die Papiere an, stellte die üblichen Fragen (wer, warum, wohin und wie lange), dann musste der Fahrer noch einen Stempel in einer Bude abholen, und das war‘s.
Treu unserem Motto „Vermeide jede Großstadt“ haben wir Vancouver (waren wir ja auch schon mal) und Seattle umgangen und sind direkt am Eingangstor zum Olympic National Park in Port Angeles gelandet. Natürlich war erst einmal Einkaufen angesagt, da beim Grenzübertritt kein frisches Gemüse und vor allem kein frisches Fleisch mitgebracht werden darf. Vor dem Lebensmittelladen haben wir gleich einen Eindruck davon bekommen, wie unterschiedlich die Dinge in Amerika gehandhabt werden..
Ich kann mir gut vorstellen, wie der TÜV bei uns auf so ein Auto reagieren würde.

Vor dem Eingang zum Nationalpark konnten wir noch einmal einen wehmütigen Blick auf die andere Seite der Bucht werfen, nach Kanada, auf Vancouver Island.

Olympic National Park
Der Nationalpark ist riesig, aber immer wieder von Straßen und Gemeinden durchzogen, die nicht zum Park gehören, sodass man öfter aus dem Park herausfährt und ein paar Kilometer später wieder hineinfährt.
Da ich massiv mit einem Hexenschuss zu kämpfen hatte, sind wir keine steilen und langen Trails gelaufen, sondern haben mehr oder weniger die „Rentner-Touren“ gemacht. Der erste Stopp war „Hurricane Ridge“. Übernachtet hatten wir auf einem Campingplatz im Park, der erstaunlich leer war. Die Ridge ist eine alpine Bergregion mit einer wunderbaren Weitsicht. Wieder waren wir früh dran und hatten kein Problem, einen Parkplatz zu finden. Sogar eine Rehmutter mit zwei Jungen war so früh noch unterwegs.






Der nächste Halt war der Eingang zum „Hoh Rain Forest“. Den dazwischenliegenden Zugang zum Hot Springs Resort und RV Park haben wir ausgelassen. Die Preise waren für uns einfach nicht akzeptabel, und der RV-Campground war bis Ende Oktober ausgebucht. – Übrigens, RV heißt „Recreational Vehicle“, damit ist alles vom kleinen Camper Van bis zum riesigen 5th Wheel mit vier Zimmern, Küche, Bad und Garage (Anhänger mit Auto, bevorzugt Jeep) gemeint. Ich füge hier ein Bild ein, damit ihr eine Vorstellung von der Größe dieser Fahrzeuge bekommt. Der rote Pick-up ist so lang wie unser Ducato.

Auf dem Weg zum Eingang des „Hoh Rain Forest“ sind wir durch eine kleine, nette Stadt namens „Forks“ gekommen. Dort gab es einen größeren Laden, in dem ich nach einer Wärmflasche gesucht habe, da der Hexenschuss mich immer noch fest im Griff hatte. Vielleicht lag es auch daran, dass es eine Weile gedauert hat, bis mir die ganzen T-Shirts und Souvenirs mit dem Twilight-Logo aufgefallen sind. Aber der Groschen ist immer noch nicht gefallen. Ich hatte immer noch Bilder von „Twin Peaks“ im Kopf und habe mich gewundert, dass hier immer noch Werbung mit so einer alten Serie gemacht wird. Erst als wir dann im Park waren und ich die hohen Bäume gesehen habe, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Edward und Bella, die riesige Vampir-, Werwolf- und Mensch-Liebesgeschichte, die einen regelrechten Vampir-Hype ausgelöst hat. Ich glaube, kein Teenager zwischen 2008 und 2010 hat die Bücher (drei) nicht gelesen oder die Filme (vier) nicht gesehen. Die ganze Geschichte wurde in Forks geschrieben, spielt in Forks und wurde in Forks gedreht. Sehr peinlich, aber in Liebesgeschichten bin ich halt ein Banause.
Krimis liegen mir eher.
Zum ersten Mal haben wir hier gesehen, warum der US National Park Service immer darauf hinweist, dass man seinen Urlaub planen soll. Von 8 Uhr bis 16 Uhr fahren so viele Besucher in den Park, dass es am Eingang einen langen Stau gibt. Entlang der Straße stehen Schilder, die anzeigen, wie lange die Wartezeit ab diesem Punkt noch ist. Das erste Schild steht bei einer Wartezeit von 2,5 Stunden. Ich kam mir vor wie im Europapark zur Ferienzeit. Wir hatten Glück und waren nach nur etwa 25 Minuten drin. Mit Wanderstöcken und gebückt wie eine alte Oma sind wir (ich natürlich, Rainer aufrecht und voller Elan) wenigstens den kurzen Trail „Hall of Moss“ gelaufen.
Unendlich hohe Bäume mit riesigem Durchmesser, überall Moos und Flechten, sodass kaum Licht auf den Boden fällt. So viel Grün und klare Bäche – ich war einfach begeistert. Würde es nicht so viel regnen, wäre das meine Gegend. Tatsächlich haben wir dann auch noch einen Platz auf dem Campground bekommen und konnten die Abendstimmung im fast menschenleeren Park genießen.











Damit ist der Olympic National Park aber noch nicht zu Ende, denn es gibt ja noch den Pazifik. Am Meer liegen viele Aussichtspunkte und Strände, die ein geschützter Teil des Parks sind. Wir waren am „Ruby Beach“. Wieder einmal hat uns der Wettergott keinen blauen Himmel am Pazifik beschert. Ich bin mal gespannt, ob es in Mexiko auch regnet, wenn wir am Pazifik sind. Ich rechne fast damit.








Mount Rainier National Park
Wir haben lange hin und her überlegt, ob wir die klassische „Pan Americana“ fahren sollten, d.h. am Pazifik entlang über Washington, Oregon und Kalifornien, oder ob wir die Route verlassen und lieber den „Mittleren Westen“ fahren. Wir haben genug Zeit, und unsere Interessen liegen eh weniger in den Metropolen, also haben wir uns für den „Mittleren Westen“ entschieden, wohl wissend und mit schwerem Herzen, dass wir einige sehr schöne Strecken auslassen mussten.
Den Pazifik haben wir hinter uns gelassen und sind zielstrebig in Richtung Montana gefahren. Das Wetter hat sich deutlich gebessert. Am Mt. Rainier haben wir einen schönen Platz zum Übernachten in den Bergen gefunden. Endlich mal wieder Bilder mit blauem Himmel. Für Rainer heißt der Berg übrigens „Mt. Ich“.




Baustellen, die nur einspurig befahren werden können, werden in den USA wie auch in Kanada oft mit einem Pilot Car geregelt. Man muss also warten, bis der „Follow Me“ losfährt, und dann darf man hinterherfahren.


Yellowstone National Park
Schon als wir von Mt. Rainier wegfuhren, haben wir bemerkt, dass der Himmel immer dunstiger wurde, obwohl kein Regen oder Nebel in Aussicht war. In Montana angekommen, war der Himmel nur noch grau. Es war richtig warm, trotzdem konnten wir die Fenster nicht auflassen, weil alles nach Rauch roch. Beim Überqueren des Columbia River auf dem Weg nach Spokane wurde es so richtig deutlich. Mehrere kleinere Waldbrände in der Umgebung und vor allem der riesige Brand in Kalifornien haben den Himmel mit Rauchschwaden vernebelt. Auf einem kostenlosen BLM-Platz in der Nähe von Spokane haben wir über Nacht gestanden. Meine Bronchien waren von der trockenen und rauchigen Luft nicht besonders angetan. Dabei setzt dann einfach das Kopfkarussell ein. Der Gedanke, dass es keinen Ausweg gibt, egal wie lange und wohin man fährt: Man kommt nicht aus den Rauchschwaden raus. Mit Asthma kann man sich nur noch zu Hause mit der Klimaanlage einschließen. Fürchterliche Vorstellung.

Dafür wurde in Spokane sehr schnell klar, dass nicht nur bei uns ab Ende August die Lebkuchen in den Läden liegen. Ab dem 1. September (erster Schultag nach den Ferien) ist es Halloween. Bei 30 Grad auf dem Parkplatz wurde hier schon der erste Halloween-Großverkauf organisiert. Eltern und Kinder kamen in Strömen in das Geschäft.



Ein weiteres Geschäft, das ich euch gerne zeigen möchte, ist Cabela’s. Es ist ein Outdoor-Ausrüster und Ausstatter, wie ich ihn noch nie gesehen habe. Selbst für amerikanische Verhältnisse sind die Verkaufsräume der Kette großzügig bemessen und liebevoll dekoriert. Es gibt alles, von Arbeitskleidung über Jagd, Fischerei, Wandern, Boote, Fliegen, Gewehre und Handwaffen (inklusive eines Seminars, das zum verdeckten Tragen einer Pistole berechtigt – richtig gruselig!). Natürlich gibt es auch Essen, Home Decoration, Kerzen und im September schon die erste Weihnachtsdeko für die Jagdhütte. Hier in Montana war für das Cabela’s-Management die Wahl in den USA ein Thema, und die Außendekoration war entsprechend enthusiastisch, aber ohne Namen (allerdings auch ohne Zweifel). Ansonsten schaut euch die Bilder an. Es ist ein Mix aus Verkauf und Ausstellung. Das Bemerkenswerteste: Die Preise sind absolut in Ordnung und günstiger als in anderen Outdoorläden.




Ich habe Probleme damit, einen klaren Standpunkt zum Thema Waffen zu finden. Waffen in der Stadt und dann noch verdeckt getragen, sind für mich ein absolutes „No Go“. Auch zum Spaß auf Tiere zu schießen, ist definitiv nicht meine Welt. Allerdings habe ich euch ein paar Bilder von der Weite dieser Landschaft eingefügt. Der nächste Nachbar ist eben nicht mal „umme Ecke“; er ist eine Stunde mit dem Auto weg. Dass da das Bedürfnis, sich selbst verteidigen zu können, steigt, kann ich auch verstehen. Nachdem ich jetzt meine 5 Cent dazu losgeworden bin, muss ich sagen: „Ich bin hier nur zu Besuch und werde die Gegebenheiten akzeptieren, wie sie sind.“
Da es nun immer weiter nach Süden geht, haben wir zwischendurch ein Paket mit all den warmen Pullis und Fleece-Klamotten gepackt.

So, immer weiter nach Südwesten zum nördlichen Zugang des „Yellowstone“. Die Landschaft hier ändert sich mit jedem Kilometer. Ähem, sorry mit jeder Mile natürlich.






Gardiner, eine kleine Stadt mit vielen Touristen, liegt vor den Türen des Yellowstone. Wir fanden einen sehr schönen Platz zum Übernachten und konnten dem Treiben in der Stadt von oben zuschauen.





Am nächsten Morgen ging es dann früh los. Das Wetter war leider nicht so toll wie am Tag zuvor. Vom Nordeingang kommt man zuerst zu den „Mammoth Hot Springs“. Das ist auch ein kleiner Ort mit vielen Hotels und Gästezimmern. Das heiße Wasser läuft einfach über die Hügel nach unten, und die enthaltenen Mineralien machen aus dem blanken Felsen eine wunderbar farbige Landschaft.





Weiter durch den Park, den „Grand Loop“ entlang, kommt man an den vielen heißen Quellen und Schlammpfützen vorbei. Selbst an ganz normalen Bächen steigt immer wieder Dampf auf und zeigt an, wo überall heißes Wasser aus dem Boden kommt. Die größeren Quellen sind gut über feste Holzwege zu erreichen. Da das Wetter nicht so gut war, hielten sich die Menschenmassen in Grenzen, und wir hatten kein Gedrängel.





Im „Lower Geyser Basin“ habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen richtig dauernd sprudelnden Geysir gesehen; das hat mich einfach umgehauen. Mit welcher Energie und Kraft das Wasser da herausschießt, ist einfach faszinierend. Die Farben der Mineralien im Schlamm und im Wasser leuchten und lassen einen sehr schnell vergessen, wie tödlich das Ganze ist. Vor ein paar Wochen hat es im „Biscuit Basin“ eine Schlammexplosion gegeben, die den Holzsteg zerstörte und ein paar Touristen leicht verletzte. Es ist vulkanische Aktivität, das darf man nie vergessen. Überall stehen Schilder, die klar machen, dass sich kleinere und größere Hohlräume unter der Oberfläche bilden können und dass es für Erwachsene, Kinder und Hunde tödlich sein kann, den Holzsteg zu verlassen. Im Visitor Center habe ich ein Buch entdeckt, das „Death in Yellowstone“ heißt. Es hat zwei große Abschnitte: 1. Death by Nature und 2. Death by Men. Abschnitt 1, Kapitel 1 heißt: „Keep your children close; Death by Hot Water.“ Ich glaube, mehr muss man dazu nicht sagen.






Last but not least, der „verlässliche“ „Old Faithful“. Um den Geysir herum gibt es einen riesigen Parkplatz, mehrere große Lodges mit offenem Kamin und gemütlichen Sofas in der Lounge sowie größere Andenkenläden mit „originaler“ Kunst (Made in Taiwan) und generischen Weihnachtskugeln, die nach Plastik schreien. Es ist natürlich total gefährlich, in dieser Gegend über einen Parkplatz zum Geysir zu laufen. Man bedenke, man ist in „Bear Country“. Gott sei Dank gibt es die „fake“ Tippis, in denen man sich ein Bärenspray für den gefährlichen Weg ausleihen kann. (Nicht falsch verstehen: Auf einer längeren Wanderung ist ein Bärenspray absolut gerechtfertigt. Mittlerweile wird von offizieller Seite gesagt, lautes Sprechen sei besser als die Glöckchen. Wahrscheinlich sind die Bären mittlerweile wie die Pawlowschen Hunde konditioniert. Wenn das Glöckchen läutet, gibt es Essen.)


Ganz nebenbei: In den sozialen Medien veranstaltet der Nationalparkservice im Herbst immer einen Wettbewerb. Alle Fotos von Bären gehen in die „FAT BEAR Competition“. Schaut mal rein; die Figur der Bären im Herbst ist beneidenswert. Der Kommentar des Nationalparkservices auf Instagram: „Hail to Grazer, Queen of Fat Bear Week! Gewinnerin in 2023 und 2024.“
Hier auch wieder die Holzwege, die einen zu zwei Dritteln geschlossenen Kreis um den Geysir herum machen. Schaut euch die Fotos an; so sieht es an einem Tag aus, an dem es sehr wenige Besucher im Park gibt. Ihr könnt euch vorstellen, was los ist, wenn die Ferienzeit und Hauptreisezeit in den USA ist. Und ja, um allen Fragen vorzugreifen: Ich würde jederzeit wieder den Yellowstone Park besuchen, egal wie viele andere noch da sind!







Grand Teton National Park
Der Übergang vom Yellowstone zum Grand Teton ist fast nahtlos. Wie ihr an den Bildern gesehen habt, wurde das Wetter deutlich mieser, und gegen Nachmittag hat es dann auch noch angefangen zu schneien. Wir haben also an einer Picknickarea Halt gemacht und wollten uns einen heißen Tee gönnen. Aber unverhofft kommt oft, und genau in diesem Moment war unser Propangas leer. Der separate Benzinkocher, den wir für die stinkigen Sachen wie Speck, Würstchen und Fisch haben, wollte auch nicht funktionieren und hat überall Benzin herausgedrückt, nur nicht an der Düse zum Brenner. Gott sei Dank funktioniert die Heizung mit Diesel, so bestand zumindest nicht die Gefahr, dass wir nachts frieren würden. Aber der Gedanke, morgens ohne Kaffee in den Tag zu müssen, war nicht prickelnd. Zum Glück gibt es zwischen den Parks einen Campingplatz, der nicht ganz billig, da privat, aber doch so gut ausgestattet ist, dass es eine Füllstation für Propangas gibt.
$80,- ärmer, aber ausgeruht, frisch geduscht und mit gefüllter Gasflasche, sind wir am nächsten Morgen in den Grand Teton hineingefahren. Anfangs war ich etwas überrascht, denn alle Bilder, die ich bisher gesehen habe, zeigten hohe, felsige Bergspitzen. Davon habe ich erst mal nichts gesehen.

Ich war zu voreilig; auf einmal waren sie da. Noch hatten sich die Wolken an den Bergspitzen festgeklammert, aber mit jeder Stunde wurde es wärmer und der Himmel blauer.



Wyoming
Wir haben den National Park am Südende verlassen und sind eine Weile durch die wunderschöne Berglandschaft von Montana gefahren.



So langsam wurden die Berge zu Hügeln und dann zu weiten, geschwungenen Ebenen. Wir waren in Wyoming angekommen. Die endlosen Weiden und die schwarzen Rinder (Black Angus) machen schnell klar, dass Wyoming Farmland ist: flach, endlos, extrem heiß im Sommer und kalt mit viel Schnee im Winter. Die Regierung legt auch hier kleinere und größere Stauseen an. Das Wasser ist die Grundabsicherung der Farmen im Sommer. Wenn die Regierung so einen See anlegt, werden auch rund um den See „Recreation Areas“ angelegt, damit die Menschen diese auch in der Freizeit nutzen können, nicht nur zur Bewässerung. Der Platz, an dem wir übernachtet haben, hatte einen Picknicktisch, einen festen Grill und für Schatten auch eine Überdachung. An jeder der gekennzeichneten Areas gibt es ein bis zwei Plumpsklos, damit auch das „Geschäft“ geregelt ist. Auf dem See, der mit Fischen bestückt wird, darf man Motorboot fahren und angeln. Außer die Angellizenz kostet das alles nichts.










Weil die Gegend so trocken ist, gibt es nur Gras und maximal kniehohe Büsche, das war’s. Kein Baum, kein Strauch und schon gar keinen Schatten. Wir hatten uns die ganze Zeit schon gewundert, warum die Amerikaner mit Wohnwagen, Camper Van und 5th Wheel hier immer eine oder je nach Größe sogar zwei Klimaanlagen auf dem Dach herumfahren. Na ja, in Washington ist es nicht wirklich notwendig, aber hier im Mittleren Westen macht es einen Unterschied. Der Nachteil daran ist, dass sich die Klimaanlage nur schlecht über Solarstrom betreiben lässt. Also hat jeder Camper seinen Generator dabei. Das Gebrumme der Generatoren verfolgt uns nun seit Wyoming. Bisher sind wir es noch nicht wieder losgeworden. Denn wir, mit unserem typisch deutschen Van, haben zwar eine Klimaanlage beim Fahren, aber keine, wenn wir in der Sonne stehen. Also Jalousie raus, schwitzend im knappen Schatten sitzen und dem Generator des Nachbarn lauschen.
Durch Zufall haben wir auf der Karte das Städtchen Thermopolis in der Nähe entdeckt. Wegen des Namens wurde ich neugierig und habe es auf Google Maps gecheckt. Tatsächlich gibt es dort eine heiße Thermalquelle mit einem kleinen Badehaus, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist und keinen Eintritt kostet (Spenden werden gerne angenommen). Da ich immer noch Ärger mit meinem Rücken hatte, habe ich Rainer davon überzeugt, dass wir auch bei 30 Grad den Umweg machen müssen. Die Fahrt dorthin war unerwartet schön. Plötzlich sind wir in einen Canyon gefahren, der sich entlang des Wind River gewunden hat. Auf einer Seite die Straße, auf der anderen Seite die Eisenbahn.






In Thermopolis, einer erstaunlich großen und sehr touristischen Stadt, haben wir das Badehaus im Stadtpark gefunden. Natürlich gab es rundherum große Hotels mit eigenen Becken, in denen die Quellen gefasst waren. Aber das kleine Badehaus war sehr gepflegt und sauber. Am Empfang saß ein ehrenamtlicher Mitarbeiter, der uns die Abläufe erklärt hat. Wir mussten notieren, wann wir angekommen waren, und uns beim Verlassen des Bades auch wieder austragen. Die Zeit im Becken der Therme durfte 20 Minuten nicht überschreiten. Ich war ein bisschen enttäuscht. Ich dachte wirklich, die Zeit sei zu kurz. Aber wie das so ist, wenn man keine Ahnung hat. Nach 15 Minuten bin ich aus dem 40 Grad heißen Wasser raus, da mein Kreislauf angefangen hat zu rebellieren. Ich fühlte mich wie eine gekochte Nudel, aber mein Ischias hat sich tagelang nicht mehr gemeldet.

Weiter quer durch das weite und trockene Wyoming, in Richtung Black Hills in South Dakota. Wir haben lange überlegt, ob wir den Umweg (800 km einfach) machen sollten. Aber die nächste Station auszulassen, war einfach keine Option.


National Memorial, Mount Rushmore und Crazy Horse
Wir haben es geschafft. Die Landschaft wird plötzlich wieder bergiger, und die Farmen und Häuser in den Bergen sind größer und schicker. Man merkt, in den Black Hills ist Geld zuhause. Aber nicht nur Geld; die berühmtesten Köpfe, in Fels gehauen: Mount Rushmore und Crazy Horse. Lange Zeit gab es immer wieder Diskussionen zwischen den Natives und der amerikanischen Regierung, warum nur große „weiße“ Männer und Helden ein solches Denkmal verdienen sollten.
Crazy Horse war ein großer und weitsichtiger Führer der Lakota-Nationen. So hat der Lakota-Häuptling Henry Standing Bear 1939 einen der Bildhauer (Korczak Ziolkowski) des Mount Rushmore eingeladen. Mit ihm hat er die Pläne für ein Denkmal des Häuptlings Crazy Horse besprochen. Tatsächlich wurden die Pläne in die Tat umgesetzt. Es gibt keine staatliche Finanzierung oder Unterstützung; alles wird privat mit Spenden an die Crazy Horse Memorial Foundation finanziert. Der Bildhauer ist mittlerweile verstorben, und seine Arbeit wird von sieben seiner zehn Kinder fortgesetzt. Der Bau hat 1948 begonnen, und man rechnet mit weiteren rund hundert Jahren bis zur Fertigstellung. Der Kopf und ein Arm haben es schon aus dem Fels heraus geschafft.


Zum Mt. Rushmore führt eine super gut ausgebaute Straße, die in einer riesigen Parkhausanlage endet. Der Besuch von Mt. Rushmore kostet nichts; nur die Parkgebühren von $10 werden kassiert. Der Parkschein gilt dann aber für ein ganzes Jahr. Gut, für uns Touristen ist das nicht wirklich relevant, aber wenn ich an Schulen und die Bewohner der umliegenden Staaten denke, ist das eine gute Lösung.
Natürlich ist der Zugang zur Besucherterrasse absolut barrierefrei. Wenn man es bis zum Parkplatz geschafft hat, kommt man auch rauf. Die Architektur ist gradlinig, zeigt aber sehr viel Größe und Erhabenheit. Mich erinnert es so ein bisschen an die Architektur des Tempelhofer Flughafens. So zeigt man den Besuchern, wer man ist. Bewertet es selbst. Vom Eingang des langen Gangs bis zur Terrasse ist alles mit Plaketten aller 51 Staaten und deren Beitrittsdaten geschmückt. Es führt ein Rundweg von der Terrasse zu den Felsen, aus denen die Köpfe gehauen sind. Der Weg geht weiter über die Werkstatt der Bildhauer (John Borglum und Lincoln Borglum) wieder zurück zur Terrasse. In der Werkstatt sieht man eines der ursprünglichen Modelle und bemerkt, dass die Ausarbeitung im Fels nicht so detailliert ist. Der nette Ranger erklärt gerne, dass man beim Behauen des Felsens eigentlich nur die weicheren Steinschichten erwartet hat, aber dann doch auf Granit gestoßen ist. Deshalb sind die Köpfe und Schultern auch nicht ausgeformt. Ohne Zweifel sind die Augen das Faszinierendste an den Köpfen. Die Pupillen sind Höhlen, in denen Steinstifte die Highlights in den Augen bilden. Aus der Entfernung sehen die Augen täuschend echt aus. Wenn man in die Bilder bei George Washington hineinzoomt, kann man es ganz gut sehen.
Wir sind den sehr schönen Rundweg gelaufen und hatten viele neue Blickwinkel auf die Herren Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln. Beim Blick von der Rückseite auf die Besucherterrasse seht ihr vielleicht, was ich mit der Architektur gemeint habe.











Rapid City
Nach langer Abstinenz hatten wir mal wieder Lust auf Stadt. Die nächste Stadt, die den Ruf hat, interessant zu sein, war Rapid City. In der Innenstadt stehen an jeder Kreuzung Bronzegussfiguren von US-Präsidenten. Wir sind an den Kennedys, Lyndon B. Johnson und den Bushs vorbeigekommen. Obama habe ich nicht gefunden, und bei Trump hätte ich mich beim Kicken nur am Zeh verletzt. Die Stadt ist total gemütlich, typisch für amerikanische Kleinstädte, und hatte den vielfältigsten und am besten sortierten Laden mit Native Kunst, den ich bisher gesehen habe.



Wir machen uns von South Dakota auf den Weg nach Colorado. Wieder 800 km zurück, quer durch Wyoming. Allerdings zielen wir südlicher auf die Gegend um Denver. All das und von den absolut atemberaubenden Nationalparks auf unserem Weg erzähle ich euch im nächsten Blog.
Ich möchte noch einmal kurz auf die Campingplätze und ihr Preissystem eingehen. Am besten sind die Plätze auf BLM-Land. Das Bureau of Land Management wird staatlich geführt. Dieses Land gehört allen Amerikanern. Man kann sich hier bis zu 14 Tage am gleichen Ort aufhalten. Natürlich soll man das Land so verlassen, wie man es vorgefunden hat. Das Ganze kostet nichts.
Manchmal hat die Regierung richtige Campgrounds mit Toiletten und geebneten Plätzen angelegt. Dann gibt es eine Zahlstation, das ist ein Kasten mit Umschlägen zum Ausfüllen: Platznummer, wann angekommen, wann Abreise. Das Geld kommt in den Umschlag (nur Bares ist Wahres) und wird in einen kleinen Briefkasten eingeworfen. Preis zwischen $15 und $20 pro Nacht.Das gleiche System gilt für die Campingplätze der National Forest Behörde, die dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist. Hier gibt es je nach Standort öfter mal frisches Trinkwasser, und seltener sind auch ein oder zwei Stromanschlüsse da.
Private Campingplätze gibt es, aber eher in touristischen Hotspots oder in der Nähe von Städten. Sie sind unterschiedlich ausgeprägt, aber eher auf große Camper und RVs ausgelegt. Da gibt es dann auch Duschen und richtige Klos. Für uns lag der billigste bei $40 pro Nacht. Hatte aber einen klimatisierten Aufenthaltsraum mit Kaffee und Tee.
Die großen Wohnwagen, Wohnmobile oder der schon ein paar Mal genannte 5th Wheel (Wohnwagenaufleger auf der Ladefläche des Pickups festgemacht) haben alle Stromanschluss, Abwasser- und Frischwasseranschlüsse. Diese werden auf einem Platz mit „Full Hook Up“ mit den festen Anschlüssen des Platzes verbunden. Damit ist es wie in einem Apartment, meistens mehr Fläche als eine Singlewohnung in Berlin. Da fangen wir auf den nicht so schönen Plätzen bei $100 an, und nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Plätze, die sich nur auf diesen Typ Fahrzeug festgelegt haben, stellen diese so eng nebeneinander (optimale Raumnutzung), dass oft noch nicht mal der berühmte Picknicktisch dazwischen passt. Kein Baum, kein Strauch, keine Grünfläche. Macht aber nichts, die Bewohner sitzen eh den ganzen Tag drin und lassen die Klimaanlage laufen.
Ich habe mich oft gefragt, warum man so etwas macht und was der Sinn dabei ist, mitten im Nirgendwo in der Wüste zu stehen. Die Antworten waren nicht schwer zu finden. Es waren meistens Arbeiter, die einen Langzeit-Job in einem Projekt bekommen haben und so die Möglichkeit hatten, ihre Familie mitzunehmen. Es waren Rentner, die alles verkauft hatten, sich das riesige Rigg gekauft haben, ein Auto hinten dran hängen und so mit ihrem gesamten Hausstand den Sommer im Norden und den Winter im Süden verbringen können. Auf der Fahrt rauf und runter klappern sie ihre Kinder ab. Genau die, aber leisten sich nur ab und zu einen der teuren RV-Plätze, also zwängen sie sich mit ihren ewig langen und hohen Gespannen auf die kleineren BLM-Plätze (ist immer eine Abendunterhaltung). Im nächsten Schritt wird alles nivelliert, damit keine Schieflage aufkommt. Dann muss Mutti ja im voll elektrischen RV Essen machen, und zu warm ist es auch. In so einem RV hat es eine Mikrowelle, einen Backofen, einen Kühlschrank, einen Gefrierschrank und ein Cerankochfeld. Dann natürlich der Warmwasserboiler, der TV mit Satellitenempfang, der Starlink-Anschluss für das Internet und eine oder zwei Klimaanlagen. Also kommt der Generator raus und wird angeworfen. Je nachdem, wo der Generator steht und wie gut und teuer er war, kann man es aushalten, oder aber das eigene Bett bebt von dem Gebrumm. Wir waren auf einem Platz, wo unsere Nachbarn den Tag über zum Angeln gefahren sind und trotzdem den Generator nicht eine Minute ausgemacht haben. Die meisten Plätze regeln das mit Ruhezeiten von 20 Uhr bis 7 Uhr.
Aber ich will nicht dauernd nur meckern. Egal welche Plätze es sind, und egal wie viel sie kosten: Es fliegt kein Müll herum. Es werden keine Essensreste einfach ausgekippt, die Feuerstellen sind sauber. Es werden keine Bäume abgeholzt, und wenn es heißt „Fireban“ (zu trocken), dann bleiben die Feuerstellen kalt. Die Amerikaner legen in diesen Themen eine Disziplin an den Tag, die ich von Europa, mit Ausnahme Skandinaviens, so nicht kenne.
Noch eine kleine Info:
Wir haben uns in Kanada und den USA jeweils eine Jahreskarte für alle Nationalparks gekauft. Die kanadische hat CAN $ 160 gekostet und wurde genau einmal kontrolliert.
Die amerikanische hat $ 80 gekostet und wird bei jedem Eintritt in den Nationalpark kontrolliert. Auf einem Campingplatz gab es sogar 50% Ermäßigung. Jeder Park kostet zwischen $ 30 und $ 35 pro Eintritt. Selbst wenn man nur 3 Parks besucht, hat sich die Karte schon rentiert.
Wenn ihr Fragen habt, lasst es mich einfach wissen. Ich bin nicht immer online, daher ist meine Antwortzeit manchmal etwas länger. Aber ich antworte auf jeden Fall.
Bis zum nächsten Blog.
Liebe Grüße Antje

















