(Fortsetzung)

Kalifornien

Wir haben lange gezögert und überlegt, ob wir eine so große Stadt wirklich besuchen wollen. Aber mal ehrlich – kommt man an der „Stadt der Engel“ überhaupt vorbei?

Wir sind auf direktem Weg von Kingman nach Kalifornien aufgebrochen. Witzig ist, dass man tatsächlich eine Art Grenze überquert, wenn man in den Bundesstaat Kalifornien einreist. Es spielt keine Rolle, wer du bist – aber wehe, du hast Gemüse oder Obst dabei!

Los Angeles

Trotz unserer Bedenken waren wir sechs Tage lang hier – obwohl ich nach dem ersten Ausflug zum „Walk of Fame“ überzeugt war, dass ich es keine drei Tage aushalten würde. Aber fangen wir von vorn an: Es gibt zwar extrem teure Campingplätze, diese liegen jedoch nicht in der Nähe einer Metro-Station. Hotels in der Innenstadt zu finden war ebenso schwierig – und noch teurer.

Rainer hat eine, einfach gesagt, geniale Lösung in der iOverlander-App gefunden. In Universal City (benannt nach den Studios), einem Stadtteil von L.A., gibt es eine große Metro-Station mit einem ebenso großen Parkplatz. Hier kostet das Parken für 72 Stunden nur 9 USD – also gerade einmal 3 Dollar pro Tag.

Von dort aus konnten wir mit der Metro überall hinfahren und waren zudem direkt vor den Toren der Universal Studios, für die wir sonntags Karten hatten. Wir waren nicht die Einzigen: Neben einigen Mietwohnmobilen von Touristen standen dort leider auch zahlreiche Einheimische, die in ihren Autos leben. Man sah sie morgens und abends – auf dem Weg zur Arbeit und zurück. Trotz fester Anstellung gibt es keinen bezahlbaren Wohnraum, was sehr bedrückend ist.

Walk of Fame und Chinese Theater

Vielleicht hätten wir abends gehen sollen, wenn die Beleuchtung die schmuddeligen Ecken überdeckt – aber so war ich schlichtweg enttäuscht. Die Sterne waren zwar da, auf dem Walk of Fame, aber die Straße und der Gehweg waren dreckig und klebrig. Seit Tagen hatte hier offenbar niemand mehr den Müll weggekehrt.

Das Chinese Theatre, in dem früher die Oscars verliehen wurden und in dem alle großen Filme Premiere feierten, war einfach nur klein und miefig. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte – aber ein bisschen mehr Glamour hätte es schon sein dürfen.

Natürlich war auch noch das Wetter schlecht, was meiner Stimmung nicht gerade geholfen hat.

Wenigstens hatte ich beim Fotografieren des Sterns einen schönen Mann im Kopf.

Auf dem nächsten Bild könnt ihr einen der Minibusse sehen, in denen die Besucher durch Hollywood gefahren werden – vorbei an den Häusern der Stars.

Downtown Los Angeles

Hier gibt es einen schönen alten Bahnhof, dessen neu renovierte Abfertigungshalle absolut sehenswert ist.

Eine wunderschöne Markthalle mit vielen Essensständen und internationalen Spezialitäten. Zum Abschluss: das Rathaus mit der Stadtverwaltung.

Auf dem Weg zu den Tar Pits sind wir am Museum für moderne Kunst vorbeigekommen. Zum zweiten Mal ist Berlin hier sehr präsent.

La Brea Tar Pits

Es gibt bestimmt noch andere Orte, aber das ist der einzige inmitten einer riesigen Großstadt, an dem das Erdöl so nah an der Erdoberfläche ist, dass es herausblubbert. Rundherum gibt es einen kleinen Park mit einem kleinen, aber feinen Museum zu den Funden aus den Teergruben.

Hier finden sich die Knochen und Fossilien von Mammuts, Säbelzahntigern, Urwölfen und dem verschwundenen Riesenfaultier, das so groß war wie ein Bär – also aus einer Zeit lange nach den Dinosauriern und kurz vor dem Auftreten des Homo sapiens (der auch heute wieder selten zu finden ist).

Der Teer kommt natürlich nicht nur in den Absperrungen an die Oberfläche. An einigen Stellen im Park stehen teerverspritzte Verkehrshütchen, die auf Löcher im Gehweg aufmerksam machen.

Santa Monica Pier

Für mich ist der Stadtteil Santa Monica eine der schöneren Ecken in L.A. Es gibt nette Geschäfte, nicht nur Souvenirläden, sondern auch Buchhandlungen, sowie eine schön angelegte Fußgängerzone mit viel Grün und Sitzmöglichkeiten. Großartig ist natürlich das knallbunte und wuselige Santa Monica Pier.

Hier endet auch offiziell die legendäre Route 66.

China Town und Little Tokio

Hier gab es leider nicht so viel zu sehen: einen kleinen Platz, China, einen dicken Hasen und Bruce Lee.

Allerdings hatte die kleine Bäckerei vor Ort eine große Auswahl an wundervoll verspielten Torten und Keksen. Hier sind zwei davon.

Universal Studios

Lasst euer inneres Kind frei und folgt mir in die fantastische Welt der Filme und Geschichten. Zu Beginn des Tages war ich noch überzeugt, dass das Innere der Studios und die Kulissen das Interessanteste an diesem Tag werden würden. Bei der Welt der Simpsons habe ich noch mild gelächelt und überlegt, ob es schon Zeit für einen „Krusty Burger“ ist.

Alt-London mit „Levanders“ Zauberstabladen und den Butterbierständen hat mich dann schon fröhlich gemacht. Mein Blick auf Hogwarts war von Ehrfurcht geprägt. Als wir dann in eine Gondel eingestiegen sind und mit 4D bei einem Quidditch-Spiel mitgeflogen sind, war alle Zurückhaltung vergessen, und ich habe mich wieder wie ein Kind gefühlt. Das hat über die nächsten zwei Tage, in denen wir in den Studios waren, angehalten.

Die eigentliche Tour durch die Studios wurde in kleinen Bähnchen gemacht. Es waren die Kulissen-Klassiker von „Erdbeben“, „Der weiße Hai“ und der kleine Ort „Cabot Cove“ aus Angela Lansburys „Murder, She Wrote“ dabei. Aber auch die Wisteria Lane aus „Desperate Housewives“ und natürlich die ganzen alten und neuen Westernkulissen.

Aber so werden Filme heute nicht mehr gemacht, also ab in die Studios, wo zum Beispiel „Skull Island“ gedreht wurde. Das ist eine neuere Verfilmung des King-Kong-Klassikers, gemixt mit ein bisschen Jurassic Park. Das Bähnchen, in dem wir sitzen, steht auf einer wackeligen Plattform, die 3D-Brille sitzt auf der Nase, und dann beginnt die 360-Grad-Leinwand zu leben.

Nicht nur sieht man die Zähne des T-Rex näher kommen, man spürt auch den Luftzug der Faust von King Kong, als er den Saurier weghaut. Es schüttelt die ganze Bahn, als ein anderer Saurier mit dem Schwanz dagegen schlägt, und als der kleine Kragensaurier sein Gift spuckt, bekommt man Wasser ins Gesicht. Ich weiß nicht, wie lange die Show war, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich zwischendurch geatmet habe.

Die gleiche Technik wird beim Wettrennen mit der „Fast & Furious“-Truppe verwendet. Atemberaubende Szenen aus allen Himmelsrichtungen.

Würde ich wieder hingehen? Ja, sofort! Kauft schon mal Tickets!!!

Palm Springs

Nicht zu verwechseln mit Palm Springs in Florida, ist es trotzdem eine Oase der Reichen und Schönen inmitten der Wüste. Die „Billboards“ (Werbeplakate) waren hauptsächlich mit Zahnärzten und Schönheitschirurgen bestückt. Angeblich war es einer der Lieblingsorte von Marilyn Monroe, die hier überlebensgroß verewigt wurde.

Yoshua Tree National Park

Mir gehen schon wieder die Superlative aus, um diesen Ort zu beschreiben. Für mich ist es einer der schönsten Parks der Welt. Geologisch sind hier Berge zu Sand geworden, allerdings nicht, ohne ihre harten Kerne auf der Ebene zu hinterlassen. Es gibt hier die verschiedensten Felsformationen, die wie riesige Kreaturen im Sand liegen. Um einige dieser Felsen herum sind die Campingplätze angelegt, sodass man trotz großer Hitze und nonstop Sonnenschein Schatten finden kann.

Das hier ist übrigens ein Joshua Tree, nach dem der Park benannt wurde. Diese Yucca-Art wächst nicht überall in der Wüste, sondern nur in einem relativ begrenzten Gebiet.

Wir sind wegen der Hitze nur kleine Strecken gelaufen. Zum einen haben wir den Kakteen-Garten umrundet.

Zum anderen sind wir morgens einen Trail gelaufen, der zu einem Felsen führte, in dem Petroglyphen zu finden sind (mittig ein bisschen links vom Baum). Ich habe noch nie so schöne Sonnenauf- und -untergänge gesehen wie hier im Joshua Tree.

On top kam für mich der Nachthimmel. Es kommt leider auf dem Foto nicht so zur Geltung, aber ich habe zum ersten Mal in einem vollständig dunklen Nachthimmel die Milchstraße gesehen.

Calico Ghost Town

Nachdem wir dann doch schon wieder ein Stück nach Norden gefahren waren, haben wir uns spontan entschieden, doch auch noch nach Las Vegas zu fahren. Auf der Strecke wurde mir wieder einmal sehr deutlich bewusst, was es bedeutet, wenn jemand sagt, er wohnt in der Wüste.

Passenderweise sind wir zwei Tage vor Halloween in einer Geisterstadt gelandet. Es ist eine alte Minenstadt, die, nachdem die Minen leer waren, verlassen wurde. Über die Jahre hinweg hat sich das Ganze jedoch als Besuchermagnet herausgestellt, sodass es, als eine Mischung zwischen Freizeitpark und Freilichtmuseum, wiederbelebt wurde. Auf Authentizität wurde dabei nicht so geachtet. Aber natürlich bietet eine Ghost Town für Halloween eine perfekte Kulisse. Mir persönlich hat der Spiegel im Saloon am besten gefallen.

Afton Canyon

Der letzte Halt vor Vegas. Wir hatten keine Idee, was hier eigentlich los ist. Es gab einen kleinen, schön angelegten und kostenlosen Campingplatz mitten im Nirgendwo. Aber wer würde hier schon Freizeit verbringen wollen? Als Erstes ist uns aufgefallen, dass doch eine ganze Reihe von Leuten morgens in dem trockenen Flussbett unter der Eisenbahnbrücke hindurch in den Canyon marschiert ist und abends mit schwereren Säckchen wiederkam. Es hat sich herausgestellt, dass dies der ideale Platz ist, um Kristalle, Edelsteine und Drusen (Kristalle inmitten eines Steines) zu finden. Natürlich sind wir auch hoffnungsvoll in den Canyon gewandert. Leider sind uns keine Edelsteine begegnet, und das Wissen, wonach man schauen muss, ist bei uns gleich null.

Nevada

Hier sind ein paar Bilder von unserem Weg in die Stadt der Spieler. Man sieht immer wieder Berge in der Ferne, die auch immer wieder ein Foto wert sind. Kurz vor Las Vegas gab es dann Sandteufel zu bestaunen. Der Wind wirbelte den feinen Sand in vielen kleinen Tornados auf.

Nicht auf den Bildern zu sehen sind die riesigen Solarfarmen, mit denen Strom für die Stadt erzeugt wird.

Las Vegas

Auf der Suche nach einem Campingplatz in der Nähe des Strips ist Rainer über ein Angebot des Circus Circus Hotels gestoßen.

In einem älteren Teil des riesigen Hotels, bestehend aus vier Reihen von Gebäuden mit zwei Etagen und Parkplätzen direkt davor, haben wir ein Zimmer für rund 70 USD pro Nacht bekommen. Der Campingplatz hätte uns 80 USD gekostet, obwohl wir den „Full Hook-Up“ nicht genutzt haben. Das Zimmer war perfekt: Klimaanlage, Eismaschine im Flur, und das Hotel liegt direkt am Strip. Es fährt eine Buslinie 24/7 den Strip rauf und runter.

Der Strip ist 8 Meilen Show und Illusion. Es ist das Versprechen einer nicht existierenden Welt. In Vegas ist alles nur eine verklärte, idealisierte Ansicht der wirklichen Welt. Seht euch die Bilder an und bewertet selbst. Alles ist schön, gepflegt und bombastisch. Es ist Europa als Vergnügungspark und Showbühne.

Das Bellagio ist bekannt für seine Wasserspiele mit Musikbegleitung. Das, was ihr vorne seht, sind nur die Läden; die Zimmer befinden sich in den Hochhäusern.

Gleich mit dem Übergang zum Caesars Palace. Hier steigt man in die geheimen römischen Katakomben hinab, um dann am (amerikanisierten) römischen Marktplatz mit Trevi-Brunnen wieder herauszukommen.

Vor allem die Empfangshalle mit der Rezeption des Hotels hat wirkliche Größe.

Das Luxor ist wie eine Pyramide gebaut. Die Zimmer liegen an den Außenwänden entlang, und der Flur vor den Zimmern schaut auf der Innenseite in das Hotel hinunter. Es gibt hier dauerhafte Ausstellungen von Tutanchamuns Grab und der Titanic-Bergung. Natürlich kostet jeder Eintritt und hat einen eigenen Geschenke-Shop.

Das Venetian ist für mich die absolute Krönung der Illusion. Es ist innen wie außen Venedig in klein, mit den Plätzen, den Restaurants, den engen Gassen und den Kanälen, auf denen man sich von Gondoliere nach innen und außen fahren lassen kann. Wenn gewünscht (und bezahlt), singen die Gondoliere auch italienische Lieder.

Zu den neueren Attraktionen zählt die Sphere. Das ist eine riesige Veranstaltungshalle mit einem 360-Grad-Kino und Konzertsälen. Der Eintritt für die Filme und Konzerte ist sehr teuer und so gut wie immer ausverkauft. Bemerkenswert ist die Außenhaut der Sphere. Sie ist mal bunt, mal Werbefläche, mal ein lebendig gewordener Halloween-Kürbis oder aber ein Smiley, der einem böse anschaut. Ich hätte Stunden zuschauen können.

All die fantasievollen Hotels und clever ausgeklügelten Attraktionen haben nur eine Aufgabe: den Besuchern die frisch gewonnenen Dollars aus der Tasche zu ziehen. In jedem Hotel gibt es Geschäfte. Es wird alles verkauft, was man sich vorstellen kann. In den großen Hotels sind die Läden mit den Pradas und Guccis dieser Welt gefüllt. Niemand schaut auf den Preis. Natürlich gibt es in jedem Hotel auch alle möglichen Restaurants, die für jeden Geldbeutel Essen anbieten, doch um dorthin zu kommen, muss man durch (Bilder).

Dunkel, laut und einsam, aber die Getränke werden gebracht und die Automaten akzeptieren jede Kreditkarte.

Zum Abschied ein letzter Blick aus dem High Roller über Las Vegas: ein Riesenrad mit festen, geschlossenen Gondeln. Wir hatten Glück, denn es war nicht so viel los, sodass wir eine komplette Gondel für uns alleine hatten. Kleine Zusatzinfo: Kurz hinter den Bergen liegt Area 51. Leider konnten wir keine Ufos aufsteigen sehen.

Lasst euch von mir nicht entmutigen, Las Vegas zu besuchen. Es ist genauso, wie ich es beschrieben habe. Trotzdem war ich innerhalb von Minuten so bezaubert von dieser Stadt, dass ich sofort wieder hierher kommen würde. Solange die kleine Stimme im Hinterkopf noch weiß, wann sie die Alarmglocke läuten muss, kann man Las Vegas genießen.

Hoover Dam

Der Damm staut den Colorado River zu einem riesigen See, Lake Mead. Das Wasser ist so wundervoll blau in der Wüste. Die Straße, die über den Damm führt, beginnt in Nevada und endet in Arizona. Die Wassertürme auf beiden Seiten haben also im Sommer einen Stundenunterschied.

Das Bauwerk selbst ist eine reine und stilistisch sichere Art-Déco-Architektur. Für den Bau zwischen 1931 und 1936 wurde viel Geld aufgewendet, nicht nur um den Damm als wirkungsvolle Errungenschaft moderner Technik zu präsentieren, sondern auch um der Welt den Damm als ästhetisch schönen Bau zu zeigen. Auf den Bildern kann man die Türme sehen, in denen das Wasser in die Turbinen im Damm geleitet wird, sowie den Turbinenraum im Inneren des Dammes.

Der ganze Bau mit seinen Art-Déco-Kunstelementen hat mich sehr an den Flughafen Tempelhof erinnert. Zum einen ist es die gleiche Stilrichtung in der Kunst und Architektur, zum anderen wurde gebaut und designt, um zu beeindrucken. Das kann man sehen. Die Fahrstuhltüren (kein Foto, weil zu viele Menschen davor stehen), der Außenbereich und die Bodenornamente, die Motive aus der indigenen Kunst enthalten, sprechen ihre eigene Sprache.

Seit der Fertigstellung des Damms führte der Highway von Nevada nach Arizona über die Straße auf dem Damm. Das hat sich erst nach 9/11 geändert. Innerhalb von fünf Jahren wurde die neue Brücke für den Highway gebaut. Nun kommt man nur noch über eine Sicherheitskontrolle, bei der das Auto geröntgt wird, an den Damm heran.

Auf dem letzten Bild kann man den Lake Mead in seiner vollen Pracht sehen. Wie immer in Amerika werden die Stauseen auch als beliebte Naherholungsgebiete für die Bevölkerung genutzt.

Leider wurde mir bei diesem Anblick erst richtig bewusst, wie deutlich sich der Klimawandel hier im Süden auf die Wasservorräte auswirkt. Macht das Bild groß und seht euch die Insel auf der rechten Bildseite an. Die braune Kappe zeigt an, wie hoch das Wasser gestanden hat. Selbst wenn jetzt nach der Schneeschmelze und der Regenzeit das Wasser im See wieder einen Meter höher steht, wird es Jahre voller Regen und Schnee brauchen, bis der See wieder auf dem Stand wie vor 80 Jahren ist. Der Wasserverbrauch wird nicht weniger werden.

Arizona (Fortsetzung)

Lake Mead (auch Fortsetzung)

Über eine Schotter-Seitenstrecke sind wir zum Südufer des Sees gelangt. Immer wieder ist es überraschend, wie sehr das Blau des Wassers in der Wüste heraussticht. Wir haben direkt am See zwei Tage verbracht. Ich konnte schwimmen; das Wasser war noch sehr warm. Abends streifte eine Familie von Eseln mit Fohlen umher und ließ sich die Salat- und Obstabfälle des Tages schmecken.

Sedona

Frei nach Asterix und Obelix heißt es immer, „Lutetia“ sei die unglaublichste Stadt der Welt. Für mich ist es Sedona. Mitten in der Wüste liegt ein Flusstal, das grüner nicht sein könnte. Rote Berge und faszinierende Felsformationen umgeben die Stadt, die viel warmen Charme und künstlerische Energie ausstrahlt. Apropos Energie! Sedona behauptet von sich selbst, dass sie in einem Vortex-Gebiet gebaut ist. Nur zur Info: Ein Vortex ist ein wirbelndes Energiezentrum, das Heilung, Meditation und Selbsterforschung fördert. Kurz gesagt, die Stadt hat etwas, das einem tiefer durchatmen lässt.

Das hier ist übrigens ein Blick auf die Innenstadt. Sieht man nicht! Stimmt, die Häuser und Geschäfte sind alle unter den Bäumen versteckt. Es ist eine schattige, schöne, total entspannte und gepflegte Stadt.

Montzezumas Castle

Im ersten Moment war ich mir nicht ganz sicher, was ich mit dem Namen anfangen soll. Ich kenne ihn nur im Zusammenhang mit „Montezumas Rache“, und das will ja nun wirklich niemand. Also habe ich Tante Google gefragt. Montezuma war von 1501 bis 1520 Herrscher über das Aztekenreich.

Bei näherer Betrachtung hat sich herausgestellt, dass der Name für die Felsensiedlung nur ein Spitzname für etwas war, das die ersten weißen Siedler für eine Burg hielten.

Im Grunde handelt es sich um eine fünfstöckige, durchstrukturierte Siedlung aus dem 12. Jahrhundert, die von den Sinagua-Indianern angelegt wurde. Sie verfügte über Wohnräume, Lagerräume und Arbeitsräume für die Handwerker. In dieser Siedlung lebten bis zu 50 Menschen vom Ackerbau. Überall in den Felsen kann man kleine Höhlen und Öffnungen sehen, in denen das Getreide gelagert wurde. (Sinagua = sin agua = ohne Wasser)

Warum die Siedlungen verlassen wurden, ist geschichtlich nicht geklärt. Historiker gehen davon aus, dass es eine Dürreperiode gab, die die Bewässerung der Äcker unmöglich machte. Alternativ könnten sie auch von anderen Völkern vertrieben worden sein.

MontezumasWell

Gleich vorab: Auch hier handelt es sich wieder nur um einen Spitznamen. Dennoch ist es eine absolut faszinierende geologische Einheit, die mich wirklich zum Staunen gebracht hat. Man steigt einen kleinen Hügel hinauf.

Dann wird deutlich, dass die Mitte des Hügels eingebrochen ist und sich ein kleiner See in dem Krater gebildet hat.

Über einen felsigen Weg kann man hinunter zum See steigen. In der Wand sind erneut von Menschen geschaffene Räume zu sehen.

Der See ist in einem „Sinkhole“ entstanden. Eine unterirdische, artesische Wasserader hat den Fels des Berges so weit ausgehöhlt, dass er in der Mitte eingebrochen ist. Auch heute kann man immer noch sehen, dass mehrere Millionen Liter Wasser aus der Quelle in den See strömen, aber er läuft nicht über. An einer Stelle gibt es einen Abfluss, durch den das Wasser in die Felswand verschwindet und nach ca. 800 Metern außerhalb des Kraters wieder herauskommt.

Storytime: Das allein ist schon bemerkenswert, aber es gibt noch mehr. Die ersten weißen Siedler, die hier ankamen, wollten am See ein Gasthaus für Reisende und Angler errichten. Sie setzten mehrfach Fische im Kratersee aus, doch die Fische überlebten nie. Trotzdem hatten die indigenen Völker und die weißen Siedler, die das Wasser außerhalb des Kraters nutzten, keine gesundheitlichen Probleme damit. Erst moderne Labore lieferten die Erklärung: Das Wasser aus der Quelle im See hatte einen CO2-Gehalt von ca. 70 % und einen hohen Arsenanteil. Nachdem das Wasser durch den Kalkstein der Kraterränder geflossen ist, enthält es kein CO2 mehr und nur noch verschwindend wenig Arsen, sodass es als trinkbar gelten würde. (Infoquelle ist die nette Rangerin des National Park Service.)

Hier kommt das Wasser wieder heraus.

Und das ist Rainer, der geduldig auf mich gewartet hat, bis ich aus den Tiefen des Kraters wieder aufgestiegen bin.

Mingus Mountains

Kurz vor Phoenix sind wir dann noch einmal eine „Off Road“-Strecke gefahren, um den schönen Blick aus den Mingus Mountains auf die Stadt Chloride zu genießen. Es war eine tolle, aber schwierige Bergstrecke mit engen Kurven, felsigen Schotterstraßen, vielen Löchern und steilen Abhängen. Ich war dann doch etwas verspannt, bis wir auf dem 5-Plätze-Campground angekommen sind. Rainer war total entspannt; so etwas kann ihn nicht stressen! Na ja, der Ausblick war es aber wert.

Phoenix

So, nun sind wir schließlich angekommen im Land des Saguaro-Kaktus, den man aus fast jedem Western kennt und den ich bisher nur im Pflanzenschauhaus gesehen habe (Pflanzenschauhaus = Mannheimer Botanischer Garten).

Phoenix ist eine Großstadt, mitten in der Wüste, mit vielen Gesichtern. In einigen Stadtteilen ist der mexikanische Einfluss schon sehr deutlich zu sehen.

Auf der riesigen Ebene, in der die Stadt liegt, gibt es immer wieder Berge, die wie Inseln aus dem Stadtmeer herausragen. Die Berge sind meist unbesiedelt und zu Naherholungsgebieten und Stadtparks umgestaltet worden. Hier sind ein paar Ausblicke über Phoenix.

So, nun heißt es Abschiednehmen. Ich fliege für 5 Wochen nach Hause. Es stehen einige Arztbesuche an (seufz, das Alter halt), und ich will meine Mama an ihrem 88. Geburtstag sehen. Natürlich ist Weihnachten mit den Kindern der krönende Höhepunkt meines Besuchs zuhause.

Rainer hält die Stellung und bleibt in Phoenix beim Auto. Über seine Erfahrungen werden wir in diesem Blog auch einen Beitrag machen. Wann genau, ist noch ein bisschen unklar.

Für das nächste Land unserer Reise wird nun die Latte eine Stufe höher gehängt. Nichts mehr mit easy Englisch sprechen. Jetzt ist Spanisch angesagt. Wir fahren nach Mexiko. Ich freue mich schon darauf, von unseren Abenteuern zu berichten.

Bis bald. Hasta luego, familia y amigos. ¡Viva la México!

Atentamente con amor, Antje

Yo estudio español mucho.


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