
Muskoka County
Nach unserem ersten längerem Stop (2 Tage) im Algonquin Provincial Park, haben wir unserer Reise nördlich von Toronto fortgesetzt. Unser Ziel war Huntsville. Eine kleine Stadt in der Region und doch ausgerüstet mit der typischen Hauptstraße, der Marina und vor allem mit gut ausgerüsteten und großen Krankenhäusern.
Die Seenlandschaft im Norden von Toronto ist berühmt für ihre wunderschönen Seen und die noch schöneren Cottages, die an diesen Seen liegen. Es sind hauptsächlich die Stadtmenschen aus Toronto und den umliegenden Städten am Ontariosee, die sich hier fürs Wochenende, die Ferien und dann natürlich für die Zeit der Rente einen zweiten Wohnsitz schaffen. Damit schließt sich auch der Kreis zu den Krankenhäusern und Reha Zentren in Huntsville und den anderen kleineren Städten in Muskoka County wieder. Ferien- und Wochenendgäste sowie Rentner bilden die Grundlage für die gute wirtschaftliche und medizinische Infrastruktur der Gegend.
Huntsville
In Huntsville haben wir auf dem beliebten Aussichtspunkt „Lions Gate“ übernachtet. Dabei hat uns ein junger Mann mit seiner Familie interessiert ausgefragt, was wir denn hier so tun. Ich befürchte er hat uns für sehr benachteiligt gehalten, weil wir in unserem Auto leben müssen.



Perry Sound
Unser nächster Halt war in Perry Sound. Wieder eine typische Kleinstadt mit einer Hauptstraße und 15 Geschäften. Aber: hier gibt es ein kleines Geschäft, das Kunsthandwerk und Mokassin der First Nations verkauft. Meine Eltern haben mir in diesem Laden vor 50 Jahren schon meine ersten Mokassin gekauft. Ich selbst habe mir dann von ca. 22 Jahren mein zweites Paar Mokassin dort gekauft. Es ist also nicht ganz unerwartet, dass ich mir aus dieses mal wieder ein paar Mokassin gekauft habe.
Unser Übernachtungsplatz war am Gemeindezentrum, in der Nähe einer Eisenbahnbrücke und eigentlich sehr ruhig. Eigentlich! Das ist eine der Haupteisenbahnstrecken in den Westen und es fahren alle 2 Stunden Güterzüge auch nachts. Da die Bahnübergänge, nicht wie bei uns mit Schranken ausgestattet sind, hupt der Zug wann immer er sich einem Bahnübergang nähert. Um Perry Sound herum gibt es 6 Bahnübergänge. Außerdem ist hupen auch nicht das richtige Wort für das Geräusch, aber „nebelhornen“ ist kein Verb. Fazit: Die Nachtruhe war etwas beeinträchtigt. Die Eisenbahnbrücke fotografiert sich besser, als sie nach dem Winter aussieht. Als wir sie näher betrachtet haben, hatte ich einige kurze Filmsequenzen von einstürzenden Brücken vor dem Inneren Auge.

Killarney
Der Provincial Park von Killarney liegt an einer historisch bedeutenden Stelle. In der Georgian Bay am Lake Huron. Bereits im 17 Jahrhundert waren in Europa die Felle aus Kanada und Amerika sehr beliebt und sehr gut bezahlt. Der einzige bekannte Transportweg war durch die Seen über den St. Lorenz Strom an den Atlantik. Dieser Weg war an Quebec vorbei fest in französischer Hand und sehr zeitintensiv. Zwei Franzosen hatten von den Cree (Natives) gelernt, dass die besten und schönsten Felle im Nordwesten der großen Seen zu finden sind. Aber auch, dass es weiter im Norden noch einen großen gefrorenen See geben soll. Die Beiden beschlossen, dass dieses die Hudson Bay sein müsste. Sie wollten einen Transportweg zur Hudson Bay zu finden, um von dort aus die Felle nach Europa zu verschiffen. Es wurden Handelsrouten ausgearbeitet und Handelspunkte eröffnet. Die Firma der Beiden nannte sich „Hudson Bay Company“. Diese gibt es bis heute. Das ist die absolute Kurzversion der Geschichte. Die Langversion findet Ihr bei Wikipedia.
Der Killarney Park ist einer der Orte, der für mich am besten zeigt was die Faszination dieser Gegend ausmacht. Von Oben betrachtet hat das Land kaum Höhenunterschiede, aber wenn man wandert ist man immer am auf und ab klettern. Die letzte Eiszeit hat nicht nur die großen und kleinen Seen und tiefen Furchen geformt, sie hat auch die rosa Granitfelsen in einer ganz eigenen Form hinterlassen. Überall klettert man auf die großen, geschliffenen, rosa Granitfelsen, wo sehr oft noch die Spuren von kleineren Felsen zu sehen sind, die vom Eis über die großen Felsen geschoben wurden und dort tiefe Furchen hinterlassen haben.





Gefühle, Wetter und Wasser
Wundert Ihr Euch, dass wir Toronto und die Niagara Fälle ausgelassen haben? Ich gebe zu, auch wir haben darüber nachgedacht, ob es richtig ist sie auszulassen. Zum einen ist uns die Entscheidung leichter gefallen, weil wir beides schon mehrfach gesehen haben. Meine Tante und mein Onkel haben in Toronto gelebt und wir hatten das große Glück und die Gelegenheit sie öfter zu besuchen. Zum anderen, was soll ich sagen, es hat einfach immer alles gepasst. Meine Kids nannten die beiden Opa und Oma. Ich wollte all diese schönen Erinnerungen einfach unverändert behalten, deshalb haben wir diese Orte nicht wieder besucht.
Der Frühling kommt hier einfach später als bei uns. Wenn die Sonne scheint, ist es wirklich unglaublich schön, doch habe ich immer noch kein einziges Blatt an einem Baum gesehen. Der kalte Wind kommt immer noch aus dem Norden und ist sau kalt. Es gibt nun mal keine nennenswerte Berge zwischen Nordpol und hier, da kann der Wind schön durchblasen. Nachts friert es immer noch gerne und dann macht der Frostwächter im Auto die Wasserleitung vom Trinkwassertank auf, damit nichts kaputtgeht. Auch auf den Campingplätzen und anderen Wassertankstellen ist oft das Wasser noch nicht aufgedreht. Trinkwasser wird also in großen 4l Flaschen bei Walmart gekauft. Die Haare werden mit gutem Trinkwasser gewaschen und das Geschirr wird nur mit einem Minimum an Wasser gespült. Waschen? Das gute alte „Sponge Bath“ (klingt viel besser als Waschschüssel und Waschlappen). Aber bis jetzt fallen die Vögel noch nicht von den Bäumen wenn wir die Tür aufmachen. Mir fällt dazu immer die Febreze Werbung mit „geruchsblind“ ein.
Wenn ihr eine Karte oder Google Maps vom Nordamerikanischen Kontinent nehmt und dann mit dem Finger von Osten (Nova Scotia) den Fluss entlang zu den großen Seen fahrt, immer an der Grenze zu den USA, dann ist das ziemlich genau unsere Route. Auf dieser Strecke seht ihr dann auch den Lake Huron, und die Georgian Bay. Wenn Ihr jetzt von hier aus nach Norden schaut, seht Ihr die Hudson Bay im Nordmeer. Dort liegt übrigens auch der Ort „Churchill“. Der ist zum einen nur mit Flugzeug oder Zug erreichbar und zum anderen ziehen hier 2 mal im Jahr die Eisbären auf ihrem Weg zum und vom Eismeer vorbei.
Weiter nach Westen
Massey ein kleiner Ort an einer Flussmündung mit einem Park und dort verbrachten wir eine wirklich kalte Nacht.

Kurz vor Wawa haben wir einen tollen Platz gefunden, an dem wir 3 Tage mit tollem Sonnenschein verbracht haben. Direkt am Fluss mit einer großen weißen Sandbank und a…. kaltem Wasser. Die Namen der Ortschaften auf unserem Weg wechseln jetzt immer sehr zwischen den Namen, die von den Einwanderern gegeben wurden und denen der Natives. Oft kann man an den Namen erkennen, wo die ersten Einwanderer ursprünglich herkamen. Aufgefallen sind mir dabei die Orte „Schreiber“ oder „Upsala“.
Kleiner Exkurs: Die Kanadische Regierung ist sehr bemüht Unrecht aus der Vergangenheit wieder gut zu machen. Ob das ausreicht kann ich nicht beurteilen, aber die Traditionen und die Rechte der Ureinwohner werden beachtet und gestärkt. Dazu gehört es, wie bei uns auch, sich politisch korrekt auszudrücken. Es gibt keine Indianer, denn hier ist nicht Indien. In Kanada heißen sie „Natives“ oder auch „First Nations“ genannt. Ich werde später dazu immer wieder ein paar Informationen mehr einstreuen.



Sault Ste. Marie
Wir haben den Kreuzpunkt der größten Seen der Welt erreicht. In Sault Ste. Marie treffen sich die Zugänge zum Lake Huron, dem Lake Michigan und dem größten aller Seen, dem Lake Superior. Bei keinem dieser Seen kann man übrigens das andere Ufer sehen und trotz ihrer Größe haben sie keine Gezeiten. Die Stadt Sault Ste. Marie liegt in den Staaten Kanada und USA. Als Fremder muss beim Überqueren einer Brücke immer aufpassen, dass man nicht versehentlich in die USA einreist. Das andere Ufer auf den Bildern ist schon die USA.


Lake Superior, Pukaskwa National Park
Das Wetter hat bestimmt auch eine Rolle gespielt, aber der Lake Superior hat mich einfach umgehauen. So schön, so riesig und doch nicht so dicht besiedelt. Dafür aber mit den schönsten Cottages direkt am Wasser. Da könnte ich es aushalten.


Der Pukaskwa National Park ist nicht besonders groß aber er bewahrt mit seinen weißen Sandstränden und dem Treibgut eine ganz typische Landschaft des Lake Superior.





Kein Bleistiftspitzer. Biber!
Zu guter Letzt
Kurz vor der Landesgrenze zu Manitoba hat er uns dann wieder erwischt:
Der Winter.
Aber wie man trotzdem warme Füße hat:


Mehr vom Wetter und wie viel Kilo Schlamm und Lehm auf und in so ein Auto passen, lest Ihr in meinem nächsten Blog.
Seid gegrüßt und bis bald
Antje und Rainer

