Geschafft! Drei Tage vor Jahresende haben wir am 29.12.2024 in Mexicali die Grenze überschritten und sind nach Mexiko eingereist. Wider Erwarten war es relativ ruhig am Grenzübergang und wir sind an jedem Schalter gleich drangekommen. Trotzdem hatten wir so unsere Schwierigkeiten. Es wäre schon hilfreich gewesen, ein paar Wörter Spanisch zu können, aber die Grenzer sind geduldig, sie kennen das ja von den Amerikanern und haben nur ein paar Mal mit den Augen gerollt.

Das Visum gilt für 180 Tage, und die temporäre Einfuhrgenehmigung (TIP) für das Auto sogar 10 Jahre. Man muss eine Autoversicherung für Mexiko abschließen, aber das hatte Rainer bereits online erledigt. Ungewohnt ist der Anblick der vollständig vermummten Grenzsoldaten, die das Auto durchsuchen. Jede Tür und Schranktür wird aufgemacht und jede Tasche geöffnet. Als er die Tasche mit unserer zweiten Toilettenkassette öffnen wollte, haben wir ihn gewarnt. Er hat dann verzichtet.

Um ehrlich zu sein, es war sehr aufregend, und ich bin überzeugt, die mexikanischen Beamten haben einen separaten Keller zum Lächeln oder Lachen.

In Mexicali war sofort alles komplett anders. Volle Breitseite Kulturschock. Überall laufen Hunde herum, die Straßen sind dreckig, die Gehwege kaum vorhanden, und die Parkplätze der Supermärkte kosten Parkgebühren. Aber ich muss auch erzählen, dass ich mich beim Bezahlen am Parkautomaten etwas sehr dämlich angestellt habe. (Wer steckt schon Dollar in einen Automaten, der Pesos haben will?) Hier kam mir dann ein Einheimischer zu Hilfe und wollte meine Parkgebühren bezahlen. Als ich es endlich kapiert hatte, konnte ich ihm glaubhaft versichern, dass ich Pesos habe, und er ist dann beruhigt einkaufen gegangen.

Bis mir einfiel zu fotografieren, waren wir schon weiter aus der Stadt raus – trotzdem noch sehr ungewöhnlich für deutsche Verhältnisse.

Baja California

Unser Plan ist es, die Halbinsel Baja California bis nach La Paz zu fahren und von dort aus auf das mexikanische Festland überzusetzen. Das hat zwei Vorteile: Zum einen vermeiden wir so die super trockenen Wüstengebiete im Norden von Mexiko, und zum anderen ist die Baja das Lieblings-Winterquartier der kanadischen und amerikanischen Rentner. Die Mexikaner dort kennen die „Gringos“ und sind auf sie (uns) vorbereitet – für uns sozusagen eine Art „Mexiko light“.

Unser erster Stopp also zum Akklimatisieren und um den Silvesterabend zu verbringen.

San Felipe

Ein kleiner Ort am Nordrand des Golfs von Kalifornien. An der Strandpromenade (Malecón) gab es viele Restaurants, Taquerías (Tacos) und unzählige Souvenirshops. Das noch vorhandene Weihnachtsdekor war eigenwillig, aber passte farblich sehr schön in den Sonnenuntergang. Ab jetzt werdet ihr sehr viele Bilder von Sonnenuntergängen und Sonnenaufgängen zu sehen bekommen – das ist etwas, worin Mexiko einfach unschlagbar ist.

Selbst die Buchstaben normalerweise knallig bunt – in festlichem rot / weiß.

Der Campingplatz war mitten in der Stadt, direkt am Strand gelegen. Das war zum einen sehr schön, da wir aus dem Auto heraus direkt aufs Meer schauen konnten, zum anderen war aber auch der Boden auf dem Platz nur aus Sand. Es war absolut nichts los, und die Chefin war froh, dass wenigstens wir da waren. Die Toilette war ein Plumpsklo, die Dusche nicht vorhanden, und an Strom war nicht zu denken. Gut, dass wir eh keinen Strom brauchen. Dafür lag der Platz fußläufig zur Strandpromenade und zum Einkaufsmarkt.

Bei unseren ausgedehnten Strandspaziergängen konnten wir dann auch die schön gemachten Hotels am Strand bewundern.

Wenn abends die Fischerboote nach Hause kommen, werden sie aus dem Wasser gezogen – dazu braucht es hier keine Bootsrampe. Einfach bei Ebbe mit dem Pickup auf den Strand fahren und den Hänger ins Wasser lassen. Die Fischer fahren ihr Boot dann auf den Hänger, und der Pickup zieht beides wieder raus. Natürlich fährt sich gelegentlich der eine oder andere fest, aber es sind ja immer genug unterwegs, um sich gegenseitig wieder aus dem Sand zu ziehen.

Die Menschen in Mexiko sind total nett – wenn sie nicht gerade Polizei, Guardia Civil oder Militär sind. Gerade hier im Norden sind die Straßen immer wieder von Militärsperren blockiert. Dann wird jedes Auto angehalten. Immer die gleichen Fragen: Woher kommt ihr? Wohin geht ihr? Man gewöhnt sich dran. Trotzdem ist es für den verwöhnten Europäer ungewohnt, Militär- und Polizeiwagen zu sehen, auf deren Pritschen zwei Männer mit den Händen am fest installierten MG stehen – ein Anblick, an den man sich nur schwer gewöhnen kann.

Nein, ich habe sie nicht fotografiert. Die Vermummung dient nicht nur als Schutz vor Staub und Sonne, sondern auch dazu, die Identitäten der Männer und Frauen sowie ihrer Familien zu wahren.

Guerrero Negro

Der zweite Halt auf der Baja war Guerrero Negro an einer großen Lagune, dem „Ojo de Libre“. Die Stadt ist einer der größten Salzproduzenten Mexikos. Die weißen Salzebenen erstrecken sich bis zum Horizont.

Die Gebäude in der Stadt sind eine wilde Mischung aus Abrissbuden und gepflegten Häusern. Mit der Zeit haben wir gelernt, dass dies ein sehr typisches Bild für die Baja ist.


Guerrero Negro liegt an einer riesigen Lagune, in deren warmen Gewässern sich besonders viele Wale auf ihrer Wanderung in den Norden zum Kalben und zur Geburt der Kälbchen treffen. Die Kuschelsaison ist von Mitte Februar bis Ende März. Leider waren wir etwas zu früh dort. Ein paar Leute, die wir getroffen haben, kamen von einer Wal-Tour zurück und hatten nur sehr wenige oder gar keine Wale gesehen. Wir haben also die Lagune ausgelassen und die Walbeobachtungen auf später verschoben.

San Ignacio

Die Halbinsel Baja California ist nicht sehr breit, und die Straßen kreuzen mehrfach von Pazifik zu Golf und zurück. Sie führen nicht immer an der Küste entlang. Je weiter man ins Landesinnere kommt, desto trockener wird es.

Das Dorf liegt in Mitten einer Oase im Landesinneren.

Es ist sehr grün, es gibt genügend Wasser, und wir hatten einen der schönsten Campingplätze mit richtigen Bäumen und einer Wiese. Das hatten wir seit Utah nicht mehr.

Aber der Reihe nach: San Ignacio ist eine alte Missionarsiedlung. Sie hat die typische kleine Kirche mit einem Dorfplatz davor. Rundherum sind heute Restaurants und Bars, die ihr Essen auf die amerikanischen Touristen abgestimmt haben. Trotzdem blieb der Charme des alten Ortes erhalten.

Santa Rosalia

Wir waren hier auf einem Platz mit einer sehr schönen, aber steinigen Küste. Glücklicherweise hatten uns andere Reisende gewarnt, dass man nicht mit bloßen Füßen ins Wasser gehen sollte. Zwischen Steinen und Sand verstecken sich gerne die Baby-Stingrays. Wenn man versehentlich auf sie tritt, stechen sie, was verständlich, aber sehr schmerzhaft ist. Wir haben dann darauf verzichtet, ins Wasser zu gehen, zumal das Wetter zwar schön, aber noch nicht so richtig warm war – so um die 23 Grad und windig.

San Buenaventura

Euch fällt sicherlich auf, dass es hier sehr viele Heilige gibt, nach denen die Orte benannt werden. Das wird auch auf unserem Weg in den Süden der Baja weiterhin so bleiben. Durch die Spanier ist Mexiko fest in katholischer Hand.

Einer der bekanntesten und beliebtesten Strände zum Überwintern am Golf von Kalifornien ist der Strand von San Buenaventura. Eine große Halbinsel aus Sand schließt eine Bucht mit Mangroven ab.

Der Strand ist in Abschnitte eingeteilt. Bei einigen gibt es „Palapas“, das sind Holzunterstände, deren Seiten und Dach mit getrockneten Palmblättern bedeckt sind. Das hilft gegen die Sonne und den Wind, der vom Meer reinbläst. Bei anderen Abschnitten gibt es Bojen als Bootsanleger oder eben gar nichts.

Die einzelnen Abschnitte sind unter den Einheimischen aufgeteilt. Sie kümmern sich um ihren Abschnitt und kassieren dafür einen kleinen Betrag. Die Palapas werden gewartet, und vor allem gibt es Mülltonnen, die regelmäßig geleert werden. Der Müll wiederum ist schwer bewacht. Truthahngeier sind hier so häufig wie bei uns Spatzen.

Das Leben mit dem Blick aufs Meer ist so fesselnd, dass man schnell vergisst, dass es kein Trinkwasser, keine Toiletten und auch keine Duschen gibt. Verhungern muss man trotzdem nicht. Morgens kommen die Fischer vorbei und verkaufen den frisch gefangenen, ausgenommenen und sauber geputzten Fisch für sehr kleines Geld. Frische King Prawns (große Garnelen) waren genauso günstig zu haben. Ein wenig später kam dann das nächste Auto vorbei, und es gab von der Köchin persönlich hausgemachte Empanadas oder Tamales, jeweils mit Huhn oder Gemüse. Frisch zubereitet und noch warm, dazu eine Flasche frischen Orangensaft. Hier kann man es wirklich aushalten.

Immer wieder kommt man an Bergketten vorbei, die sich plötzlich aus der Landschaft erheben.

Loreto

Auch Loreto ist eine Missionsstadt. Die Mission war einmal einer der wichtigsten Jesuitenstandorte auf der Baja. Das hat leider mehrmals fast zur Ausrottung der gesamten Ureinwohner geführt. Aber auch das ist ja kein Einzelschicksal hier in Mexiko. Die Altstadt ist sehr gut erhalten und wird auch liebevoll gepflegt. Der ehemalige Dorfplatz ist nun ein Treffpunkt für Anwohner sowie für die Touristen.

Der Malecón (die Strandpromenade) ist neu gemacht und sehr gepflegt. Wir haben die hier ansässigen College-Kids beim Volleyballtraining beobachtet. Meines Erachtens war das sehr unfair für die Mannschaft, die gegen den Wind gespielt hat, aber anscheinend ist das ein Bestandteil des Trainings. Es hat den Enthusiasmus der Kids nicht gedämpft. Das Wichtigste hatte der Trainer im Schlepptau: eine riesige Boom Box, mit der man trotz Wind laut Musik hören kann.

Beim Abendspaziergang habe ich das kleinste und netteste Hotel der Stadt gesehen.

Sehr „angespannt“ war ich dann doch bei der Bronze mitten im Ort. Sie stellt die Ankunft der ersten Missionare in der Siedlung dar. Aber ich musste lernen, dass es nichts nutzt und nur weh tut, wenn man einen bronzenen Priester tritt.

San Come

Auf der Karte haben wir einen kleinen, aber total schönen Platz am Meer entdeckt. Es war klar, dass wir ein paar Kilometer Schotterpiste fahren müssen, aber was da kam, war doch unerwartet. Erst Schotter mit Wellblechcharakter und dann der Abstieg von der Hochebene auf Meeresniveau. Eine gewundene Bergstraße mit tiefen Löchern, steilen Abhängen, Sand und Felsen. Leitplanken sind was für Feiglinge.

Die 40 Minuten Angst haben sich aber gelohnt. Wir kamen an einen kleinen Bauernhof mit einem Restaurant und einem schönen Stehplatz vorn am Meer. Der Platz am Meer gehörte nicht zu dem kleinen Hof mit dem Restaurant, aber man musste/konnte durchfahren. Auch das Restaurant war so eine Art: „Wenn Oma gerade was gekocht hat, gab’s was, wenn nicht, dann eben selbst versorgen.“ Trotz der Sprachbarriere war die Betreuung ausgezeichnet. Anerkennende, schlabberige Küsse, man durfte den Bauch rubbeln, war nicht alleine und hatte eine Begleitung beim Spazierengehen.

Die Küste war sehr felsig. Beim Spazierengehen haben wir gesehen, dass die Felsen nicht so harmlos sind, wie sie auf den ersten Blick aussehen.

Dann ging es natürlich auch wieder die Straße hinauf.

La Paz

In La Paz angekommen, haben wir uns einen Campingplatz mitten in der Stadt gesucht. Der Malecón und die Geschäftsstraßen waren fußläufig zu erreichen, und das Auto stand sicher. Man muss sich den Platz vorstellen wie einen großen geschotterten Innenhof mit hohen Mauern ringsherum. Die Vans und Wohnmobile standen dicht an dicht. Privatsphäre: 0, aber es gab eine große überdachte Gemeinschaftsküche und eine schattige Leseecke. Wir haben einen Markt entdeckt, wo es frischen Fisch zu kaufen gab (deshalb ist die Außenküche wichtig), und eine Bäckerei mit Brot, das tatsächlich auch wie Brot geschmeckt hat. Hier ein paar Eindrücke von La Paz und dem Malecón.

Wir werden noch mal nach La Paz zurückkommen. Zum einen warten wir auf ein Paket aus Deutschland, das uns endlich den langersehnten Starlink bringt. [Sorry, aber hier muss ein kleiner, aber politischer Einschub rein: Es dreht mich jedes Mal auf links, wenn ich daran denke, dass auch wir Musk Geld in den Rachen werfen, aber die Technik ist auf unserer Reise leider konkurrenzlos.] Zum zweiten werden wir von La Paz aus mit der Fähre auf das mexikanische Festland übersetzen.

Todos Santos

Bevor wir auf das Festland übersetzen, wollten wir uns noch die bekannteste Gegend auf der Baja anschauen, den Südzipfel. Begonnen haben wir mit Todos Santos, nach dem Reiseführer ein noch ruhiger, beschaulicher Ort, von dem gesagt wird, er liege auf einem Energie-Vortex, was ihn für Künstler und Esoterikfans interessant gemacht hat.

Aber bevor wir ins Zentrum gefahren sind, haben wir noch bei einer Schildkrötenschutzstation Halt gemacht. Gegen Abend gab es eine kleine Einführung, welche Schildkröten wann schlüpfen und warum es notwendig ist, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Also: Noch ist die Sonne nicht warm genug, um alle abgelegten Eier zum Schlüpfen zu bringen. Deshalb halten die Freiwilligen am Strand Wache und bringen die abgelegten Eier in eine Art Treibhaus, wo der Sand warm genug ist und sich die Eier entwickeln. Sobald die kleinen geschlüpft sind, werden sie am Strand freigelassen und krabbeln ins Meer. Das geschieht abends, damit keine Raubvögel mehr unterwegs sind. Mittlerweile hat sich das herumgesprochen, und jeden Abend, wenn die Kleinen auf ihre Reise gehen, steht eine große Gruppe von Menschen am Strand. Sie beobachten die Kleinen und feuern jeden ihrer Schritte an. Da traut sich keine Möwe, auch nur in die Nähe.

So, nun endlich Todos Santos. Ein sehr schöner Ort, aber die Beschreibung im Reiseführer mit „ruhig“ und „beschaulich“ ist, sagen wir mal, diskussionswürdig. An jeder Ecke wurden Souvenirs oder „Kunst“ verkauft. Alles in Englisch und in mundgerechten Happen für die amerikanischen Touristen. Ein einfaches „No gracias“ reichte nicht aus, um den Anbietern auszuweichen. Schade eigentlich, denn der Ort hat etwas. Allerdings fand ich die „künstlerischen“ Köpfe mit Leder überzogen gruselig, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntermaßen nicht streiten.

Das Hotel California (letztes Bild) ist nicht das aus dem Lied der Eagles, obwohl jeder natürlich sofort daran denken muss.

Vista Pacifico

Bei diesem Zwischenstopp an einem kleinen Campingplatz war der Name Programm. Die Sonnenuntergänge sind unglaublich, und man kann am Strand sitzen und den Walen beim Vorbeischwimmen zuschauen. Es sind große Grauwale, und der Besitzer des Platzes hat uns einige Drohnenbilder und Videos zur Verfügung gestellt.

Was mich immer ein bisschen verwirrt, sind die Beschreibungen in Google von den avisierten Plätzen und der Unterschied zur Realität vor Ort. In der Beschreibung wurden Palapas, warme Duschen und Toiletten angepriesen. Tatsächlich vorhanden waren die Palapas (mit Palmenblättern gedeckte Dächer für den Schatten) – das war’s. Das Auto konnte nicht direkt neben der Palapa stehen, und es gab keine Spur von Duschen oder „Baños“. Es wurde noch gebaut, aber ob das Waschräume geben sollte oder etwas anderes, konnte ich nicht erkennen. Ich frage mich dann immer, wie können dazu schon Bewertungen in Google existieren? Früher war nur Papier geduldig, heute ist es Google anscheinend auch.

Los Cabos

Damit sind in der Hauptsache zwei Orte und der Strand zwischen ihnen gemeint. Beide sind fest in Amerikanischer Hand. Sie sind die Urlaubs und Partymeile für die besser gestellten Amerikaner. Damit meine ich nicht die „Snowbirds“ zu denen erzähle ich später noch was. Hier hat es eine riesige Infrastruktur an typischen Geschäften (z.B. Walmart, Sam‘s Club, Home Depot, etc.) die für den Amerikanischen Verbraucher überlebenswichtig sind.

Cabo San Lucas

Ein schöner kleiner Hafenort mit einer faszinierenden Küstenlinie. Man kann an einem Strand zwischen dem Golf von Kalifornien und dem Pazifik hin und her wechseln. Es gibt Felsen mit Höhlen und kleinen versteckten Stränden. Die Wassertaxis bringen die Touristen zu den Stränden und holen sie auch wieder ab.

An einer Stelle kann man durch einen schmalen Spalt im Felsen den Pazifik auf der anderen Seite sehen.

Im Hafen haben wir zusammen mit anderen Panamericana-Reisenden aus Österreich eine Wal-Tour gebucht. Ich hätte schon skeptisch sein sollen, weil uns der Vermittler dauernd eine private Tour für dreimal so viel Geld andrehen wollte. Ich habe die Verhandlungen geführt, da mein Englisch besser verstanden wurde und Rainer sowieso nicht mit aufs Boot wollte. Übernachtet haben wir direkt auf dem hauseigenen Parkplatz des Hafens. Das war zwar laut, aber wir waren mittendrin.

Am nächsten Morgen kam dann, was kommen musste: die Diskussion, dass wir doch die private Tour gebucht und angezahlt hätten und was wir noch zu bezahlen hätten. Nach ein paar Mal Hin und Her wollte der Kollege den Mann sprechen, der uns Frauen begleitet hatte und mit dem er das abgemacht hatte. Böser Fehler! Kurzzeitig kam Rauch aus meinen Nasenlöchern und ein paar Flammen aus meinem Mund. Nachdem ich noch einmal sehr deutlich gemacht habe, dass ich gestern sein Verhandlungspartner war, dass ich bezahlt hatte und wenn er uns nicht fahren wollte, ich gerne auf einen anderen Anbieter ausweichen würde, sollte er mir die Anzahlung einfach zurückgeben (Quittung hatte ich ja). Dann war das geklärt.

Wir hatten eine sehr schöne Fahrt und nette Nachbarn im Boot. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nie wieder eine billige Wal-Tour machen werde. Bei zertifizierten Anbietern werden die Abstände zu den Walen und die Zeit, wie lange man die Wale belästigt, reglementiert und überwacht. Hier war es mehr eine Jagd als eine Beobachtung. Zeitweise waren mehr als 20 große und kleine Boote hinter den Walen her. Das war erschreckend.

Entlang der Hafenpromenade sind jeden Meter Stände und Händler, die etwas verkaufen wollen. Leider hatte das schon sehr viel von „arabischen Bazar“. Ein einfaches Nein genügte nicht, und hatte man einen abgewürgt, stand schon der nächste da. Ich war noch mit einem Fuß auf dem Boot, als mir ein anderer erneut eine weitere Bootstour andrehen wollte. In den Geschäften ist das komplette Spektrum von Kitsch, Kunst, billiger China-Ware bis zu edlem Schmuck zu horrenden Preisen zu finden. Es wird ausschließlich in USD $ gehandelt. Alles ist nur auf Englisch angeschrieben, und jeder, absolut jeder, spricht so viel Englisch, um seine Waren zu verkaufen. Verkäuferinnen aus den Kosmetikgeschäften versprechen ewige Jugend für die älteren Touristinnen, während Bars und Clubs die ganze Nacht Musik, Spaß und Tanz für die Jungen bereitstellen. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr es nervt, dass mir bestimmt fünfmal eine „gaaaaanz“ besondere Creme gegen die Falten angeboten wurde, aber nur einmal ein Besuch in einem Club.

Und hier haben wir auch eine besondere Gattung zum ersten Mal live gesehen: Gruppen von Junggesellen oder Junggesellinnen, die den Abschied von der Freiheit feiern. Laut, spärlich bekleidet und angeheitert, im Bikini in den Restaurants und Bars, mit durchsichtigen Kleidchen am Malecón und immer etwas zu trinken in der Hand. Auch immer leicht genervt, weil die Mexikaner dann doch nicht so gut Englisch sprechen und komisch schauen, wenn man halbnackt über die Straße läuft. Um ehrlich zu sein, ich habe noch nie so viele „Fuck Me Signs“ gesehen wie dort. Seufz! Muss man mögen.

San Jose del Cabo

Das ist der ruhigere Ort der Los Cabos. Hier gibt es gut gepflegte Ferienanlagen mit grünem Rasen und Palmen. Wichtig ist, dass es ein Tor vorne dran gibt, durch das nicht einfach jeder reinkommen kann. Also alles, was man sich von einer ruhigen und netten „Gated Community“ wünscht. Kein Einheimischer könnte es sich leisten, so zu leben, aber das ist wohl auch der Sinn des Ganzen. Nett, aber nichts, was typisch Mexiko ist.

El Cardon

Wir sind ein Stückchen die Küste entlang gefahren, um dem Trubel zu entkommen. Der Weg geht sehr schnell in eine unbefestigte (Sand-)Straße über. Damit fallen schon mal viele Urlauber mit Mietwagen weg.

Hier haben wir einen sehr schönen Platz direkt am Meer gefunden. Dort standen zwar schon drei andere Camper, aber das waren Leute, die einfach nur gechillt den Winter im Warmen am Strand und Meer verbringen wollten. Keine Party, ein Bier mit Freunden und ein bisschen Grillen, fertig.
Das Beste war, am Strand zu sitzen oder spazieren zu gehen und draußen auf dem Meer die Walbullen bei ihrem „Show Off“ für die Mädels zu beobachten. Mit der Flosse aufs Wasser schlagen, aus dem Wasser springen und mit lautem Platschen wieder eintauchen und so laut Luft ausblasen, dass man es ewig weit gehört hat. Leider habe ich kein großes Teleobjektiv, so müsst ihr euch das leider vorstellen.
Ich glaube, man kann auf dem Bild auch ganz gut erkennen, warum der Strand Playa la Tortuga heißt.

Kleiner Einschub: Snowbirds

Speziell auf der Baja, aber wie ich später festgestellt habe, auch auf dem Festland, gibt es Stellplätze und Wohnanlagen, die speziell auf ein bestimmtes Publikum ausgerichtet sind: die Snowbirds. Das sind Kanadier und Amerikaner, die den kalten Wintermonaten in ihrer Heimat entfliehen, um hier in Mexiko bei angenehmen Temperaturen zu überwintern. Es beginnt mit den Einkommensgruppen, die sich in einem der Hochhäuser an der Promenade (Malecón) ein Apartment mieten oder sogar kaufen können, bis hin zu den Menschen, die einen alten Van ausbauen und herrichten oder einen alten Pickup mit einer Kabine zum Wohnen obendrauf haben. Sie fahren die Strecke bis zur Baja und sind an fast allen Stränden zu finden. Hier kostet der Tag je nach Luxus (mit oder ohne Palapa) zwischen 10 und 15 USD. Viele Stellplätze an Stränden, wie der mit der Schildkröte oder der, zu dem wir als Nächstes kommen, kosten gar nichts. Sobald man ein bisschen aus dem Touristen-Trubel raus ist, sind die Lebensmittelkosten minimal. Dieses Umfeld schlägt die Heizkosten in einem alten Holzhaus in British Columbia allemal. Hauptreisezeit für die Snowbirds ist von Januar (nach den Familienfeiern) bis März. Dann wird es hier einfach zu heiß.

Sprache

Auf der Baja sind wir noch überall gut mit unserem Englisch durchgekommen, doch es ist klar, dass wir auf dem weiteren Weg in Richtung Süden immer mehr Spanisch sprechen und verstehen müssen. Bis auf Brasilien werden wir in jedem Land, das wir noch bereisen, nur noch Spanisch sprechen können. Dazu ist Duolingo eine gute Basis. Zusätzlich habe ich mir Hefte zugelegt, die für Kinder zum Lesenlernen gedacht sind. Die Geschichten sind unkompliziert (und meistens kenne ich sie auch schon), in kurzen Sätzen und in einfacher Sprache. Das macht Spaß und hilft.
Natürlich nur mit anschließender Belohnung.

La Paz Teil 2

Wie ich schon erzählte, haben wir uns nach vielem Hin und Her dann doch durchgerungen, einen Starlink zu kaufen. Die Tarife für Roaming sind recht teuer, und es gibt einfach keine flächendeckende Versorgung mit Mobilfunk. Also haben wir das Ding in Deutschland online gekauft und an unserer Heimatadresse verschicken lassen. Katrin und René haben dann ein Paket geschnürt, den Starlink und die Dinge, die ich an Weihnachten zuhause vergessen hatte, eingepackt. Wir hatten vorab mit dem Besitzer des Campingplatzes in La Paz ausgemacht, dass wir seine Adresse nutzen und er für uns das Paket annimmt. Eine Sendung per Express und natürlich mit Sendungsverfolgung.

Na ja: Soweit die Theorie.

Bis zur Landung des Flugzeugs in Mexiko-Stadt wussten wir sehr genau, wo das Paket ist, dann war es verschwunden. DHL-Status: „Wurde an die mexikanische Post übergeben.“ Nach zwei Wochen Warten haben wir eine freundliche Mail an den Postbetreiber geschickt, der sich dann tatsächlich auch einen Tag später gemeldet und berichtet hat, dass das Paket von Mexiko-Stadt nach La Paz geliefert wurde und nun in La Paz zur Zustellung liegt. Wir sind also aus unserer Wartestellung wieder zurück in die Stadt, auf den Campingplatz gefahren. Zwei Tage lang haben wir dort auf die Lieferung gewartet, um jeden Abend eine WhatsApp zu bekommen, dass niemand anzutreffen war. (Ist also genau wie zu Hause auch.) Samstagmorgen sind wir dann auf das Postamt marschiert und konnten von total freundlichen Postmitarbeitern unser stark ramponiertes Paket entgegennehmen. Aufgebaut, verkabelt und funktioniert. Samstagabend Fasching in La Paz.

Wie ihr euch denken könnt, war der Campingplatz in La Paz Stadt nicht ganz billig und halt eben auch mitten in der Stadt. In einer Stadt ist es hier immer laut. Wir haben also für die zwei Wochen Wartezeit ein ideales Plätzchen außerhalb von La Paz gefunden – direkt hinter der Düne am Meer. Zweimal pro Woche waren wir einkaufen und Wasser holen, dann haben wir uns wieder auf unseren Düne-Platz zurückgezogen. Nur am Wochenende war etwas mehr Trubel, da waren alle ATV-, Quad- und Motorrad-Fans mit ihren Fahrzeugen in den Sanddünen unterwegs. Montags war wieder alles friedlich.

Wir haben lange Strandspaziergänge gemacht und zum ersten Mal richtige Fregattvögel in voller Größe am Himmel segeln sehen. Wir konnten Pelikangeschwadern beim Jagen zusehen und immer mal wieder in der Ferne Wale beobachten.

An einem Morgen waren viele Möwen und Truthahngeier am Strand, und als wir näher ran gekommen sind, sahen wir, dass sie sich um einen toten Seehund versammelt hatten. Schon einen Tag später war so gut wie „klar Schiff“. Die Natur ist sehr erstaunlich.

Der einzige Nachteil war, ich hatte ein klares Limit, was ich an Muscheln und Steinen sammeln und mitnehmen durfte. Seufz!

Nachdem das Paket angekommen war, haben wir sofort die Fähre zum Festland gebucht. Es gibt zwei Fährunternehmer: eine Touristenfähre, die eine kürzere Strecke fährt und mehr Komfort mit Kabinen anbietet, dafür aber teuer ist, und eine Lkw-Fähre, die Vans und Busse mitnimmt, um die Lücken zu stopfen. Es gibt keine Kabinen, dafür einen Gutschein für ein Abendessen und Frühstück in einem winzigen Speisesaal. Übernachtet wird im Auto oder auf Deck. Diese Fähre fährt 18 Stunden die Nacht durch bis Mazatlán. Natürlich ist diese Fähre auch nicht so teuer. Kurz vorm Ablegen konnten wir noch einen letzten Blick auf La Paz bei Nacht werfen.

So, das war es für diesen Beitrag, aber wie immer möchte ich einfach gerne noch ein paar Dinge loswerden.
Das Thema Straßenhunde ist nicht so dramatisch, wie ich es mir vorgestellt habe. Die meisten der Hunde gehören zu irgendeinem Haushalt und werden dort auch versorgt. Eingesperrte Hunde gibt es nur sehr selten. Sie leben im Haus, auf dem Hof oder draußen, wie es ihnen gerade passt. Keiner ist kastriert, und so gibt es auch Hunde, die nirgends hingehören, aber ich habe oft genug gesehen, dass sich vor allem ältere Männer mit Säcken von Hundefutter auf den Weg gemacht haben, um am Straßenrand die „wilden“ Hunde zu füttern. Vor fast allen kleinen Geschäften und an den Tankstellen in den Straßen stehen Wasserschüsseln und manchmal auch Futterschüsseln. Die Hunde werden nicht verscheucht, es wird nicht nach ihnen getreten; sie sind da und gehören dazu. Wir haben zum Glück keine abgemagerten oder kranken Hunde gesehen. Allerdings fordert gerade auf Schnellstraßen der Lkw- und Autoverkehr seinen Zoll.

Nachts auf den Straßen unterwegs zu sein, ist ein absolutes Tabu für uns Touristen. Zum einen wird man angeblich auf den viel befahrenen Strecken gerne mal überfallen. Das ist uns und allen, die wir unterwegs getroffen haben, zum Glück noch nie passiert. Daher ist das hier nur eine Info aus dem Reiseführer.

Zum anderen, was tatsächlich ein relevantes Thema ist, sind die Kühe, Esel, Schafe und Pferde, die hier überall frei herumlaufen und sich nachts zum Schlafen gerne mal auf den warmen Asphalt legen. Man sieht es halt nicht schnell genug. Wir haben tatsächlich mehr überfahrene Kühe am Straßenrand gesehen als überfahrene Hunde. Aber es gibt auch niemanden, der die Kadaver wegräumt. Wenn es zu sehr stinkt, wird ein bisschen Kalk drüber gekippt, und die Kojoten und Geier machen den Rest. Es ist nicht Europa, es ist nicht Europa…
Tatsächlich geht die größte Gefahr beim Fahren nachts aber von den Straßen selbst aus. Hier gibt es Schlaglöcher, die den Namen wirklich verdient haben. Die Fläche eines Ölfasses und 20 cm tief – das übersteht keine Achse. Es gibt so viele Schlaglöcher auf den Straßen, dass eine angegebene Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h ein Witz ist. Mehr als 80 km/h am Tag ist schon gefährlich für das Auto. Die Asphaltdecke endet in einem Seitenstreifen, der 30 cm tiefer liegt oder komplett einen Meter abgerutscht ist. Entspanntes Fahren ist anders.

Zum Abschluss noch eine Bemerkung zum Müll. Vielleicht gibt es eine Müllabfuhr, vielleicht aber auch nicht. Im Regelfall ist rechts und links von der Straße so viel Müll, dass man glaubt, hier wäre ein Müllauto umgekippt. Allerdings gibt es auch Gemeinden, die den Müll tatsächlich sammeln und auf eine Art Deponie bringen. Dort wird er dann unter freiem Himmel verbrannt. Für mich schwer zu schlucken, und ich werde zu dem Thema Müll wahrscheinlich noch öfter mal was schreiben.

Es tut mir leid, wenn das jetzt ein bisschen den Zauber herausnimmt, aber ich kann und will nicht nur bunte Bilder zeigen. Die Realität lässt sich nicht wegdrücken. Ein so faszinierendes, tolles Land wie Mexiko mit so vielen unterschiedlichen Kulturen hat eben auch mehr als nur eine Seite.

Mit dem Festland und Mazatlán geht es dann beim nächsten Mal weiter. Freut euch auf mehr Wale, mehr Hitze und die alten Maya.

Hasta luego, bis bald

Antje und Rainer


Eine Antwort zu „Viva la Mexico!”.

  1. Avatar von jibayer
    jibayer

    und wieder toll geschrieben, du kannst das einfach 👍. Die Bilder sind gigantisch, schon allein die Farben. Das mit dem Dreck kann ich mir gut vorstellen, das war vor 30 Jahren schon so als wir in Kalifornien waren und einen Tag über die Grenze gefahren sind, man dachte man wäre auf einem anderen Planeten 😱. Eine gute und sichere Weiterfahrt und passt auf euch auf, liebe Grüssle ❤️❤️

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