Nun beginnt der Part, in dem wir uns in die antike Welt der Mayas und der spanischen Eroberer stürzen. Es wird in unseren Schulen leider so wenig darüber unterrichtet.
Tula
oder auch Tōllān Xicocotitlān, liegt nordwestlich von Mexiko-Stadt und war zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert das kulturelle Zentrum der Tolteken. Soweit zu erkennen war, ist die Tempelanlage dem Gott Quetzalcóatl gewidmet. Statuen toltekischer Krieger mit allen Insignien stehen auf dem Tempel zur Ehre der „gefiederten Schlange“.

Vom Haupttempel blickt man herab auf einen riesigen Hof, der von Gebäuden und Tribünen gesäumt ist. Die hier abgehaltenen Zeremonien (Ballspiele) waren weder der Gesundheit der unterliegenden Mannschaft noch der des Balles (Pangolin oder auch Gürteltier) zuträglich. Beide waren hinterher tot.

Die vielen Reliefs sind vor Wind, Sonne und Regen geschützt und werden nach und nach restauriert. Auf den meisten ist Quetzalcóatl zu sehen, wie er seine Feinde verschlingt. Dabei kann die Darstellung des Gottes in der Länge zwischen 20 cm und 2 Metern variieren. Schon praktisch, so ein Gott. Offensichtlich, wie an einem Relief zu sehen ist, gab es auch Wölfe zu verschlingen.





Der Tempel ist relativ niedrig, daher sind es nicht so viele Stufen hinauf zu den Kriegerstatuen. Im Gegensatz zu vielen anderen Pyramiden ist das Betreten nicht verboten. Mit voller Begeisterung bin ich hinaufgeklettert. Die Statuen sind sehr beeindruckend und bis ins Detail ausgearbeitet, inklusive des Schmucks über dem Po.




Erst als ich die Stufen wieder hinuntersteigen wollte, habe ich erkannt, wo der Haken ist. Nur die unebenen und schmalen Stufen, kein Geländer, ein weiter Blick über die gesamte Tempelanlage, und von oben sah das dann doch sehr hoch aus. Wie ihr jetzt merkt: Höhe ist nicht so mein Ding. Wenn Rainer nicht wieder raufgeklettert wäre, um mich an die Hand zu nehmen, hätte ich das Ganze trotz heller Hosen auf dem Po runterrutschen müssen.
An jedem Tempel oder an jeder historischen Anlage, wie auch schon im Schmetterlingsschutzgebiet, schwirren beim Eingang jede Menge selbsternannte „Guides“ um die Touristen herum. Das Problem ist: Auch wenn sie es behaupten, die meisten sprechen kein Englisch, und sie haben keine zusätzlichen Informationen über die Kultur der Maya oder die Stätten. Sie erklären, was man selbst sehen kann. Das hatte ich im Büro zur Genüge, dafür zahle ich nicht auch noch.
Theotihuacan
Im Speckgürtel von Mexiko-Stadt liegt eine der größten und beeindruckendsten prähistorischen Ruinenmetropolen. Es war eine riesige Stadt mit zeitweise bis zu 200.000 Einwohnern. Die Haupt- und Prachtstraße erstreckt sich von einem zum anderen Ende über knapp 8 km. Die Blütezeit lag zwischen 100 und 650 nach Chr. Das Ende, an dem die beiden größten Tempel (Pyramiden) stehen, ist auch das, was bisher am besten freigelegt ist. Am entgegengesetzten Ende wird immer noch gegraben.
Bei Sonnenaufgang beginnt die Besichtigung für einige Glückliche schon mit einem Fesselballonflug über der Stadt.

Einlass ist dann ab acht Uhr, und es ist besser, früh dran zu sein. Wir waren bei den Ersten und konnten so noch Bilder machen, ohne Hunderte von anderen Besuchern, und vor allem: Es waren noch nicht alle fliegenden Händler da. Als wir mittags mit unserer Tour fertig waren, konnte man keinen Schritt mehr tun, ohne von irgendeiner Seite aus angesprochen zu werden. War man bei einem Händler vorbei, kam auch schon der nächste. Ich weiß, die Leute verdienen so ihren Lebensunterhalt, aber für mich war es am Schluss wirklich nur noch nervig. Es war ja auch nicht so, dass ein einfaches „No gracias“ gereicht hat. „Echte Artefakte, tausend Jahre alte Funde und die aus echtem Maya-Gold“ gemachten Armbänder und Ketten — alles war nur diesem einen fliegenden Händler zugänglich, oder dann eben dem nächsten.


Am Ende der über mehrere Ebenen führenden Straße steht die Sonnenpyramide. Seitlich zur Straße steht die Mondpyramide. An der Straße entlang sind die Reste von Häusern zu erkennen. Je weiter hin zur Sonnenpyramide, desto größer und nobler wurden sie. Ein Relief eines Jaguars hat Wind und Wetter überlebt und ist jetzt mit einem Vordach geschützt.












Es gibt auch unterirdische Bereiche, die noch lange nicht alle erschlossen sind.

In der entgegengesetzten Richtung zu den großen Pyramiden liegen kleinere Tempel und Anlagen.

Auf keine der Pyramiden darf man hochsteigen. Es ist einfach zu gefährlich für die prähistorischen Denkmäler. Touristen muss man leider alles zutrauen. Die Stufen zu den unterschiedlichen Ebenen der Straße und zu den „Neben“-Tempeln konnte und musste man hinauf- und hinuntersteigen. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Stufen extrem hoch sind. Wir Nordeuropäer mit unseren langen Beinen hatten schon Mühe, aber die meisten Mexikaner und die indigenen Völker sind ja kleiner und haben kürzere Beine. Wir haben lange gerätselt, warum das so ist. Erst in Belize, in einer Ausstellung zu einer Maya-Ruine, war dann der Grund zu lesen: „Man sollte sich anstrengen.“ Das war der Preis, um seinen Göttern näher zu kommen.
Cholula
Zwischen Mexiko City und der Stadt Puebla liegt Cholula. Sie ist nach der dem Volumen nach größten Pyramide der Maya benannt. Von weitem betrachtet sieht es einfach aus wie ein hoher Hügel inmitten einer Stadt mit einer barocken Kirche obendrauf. Das ist die Pyramide!

Der Blick von oben auf die Stadt ist schön, aber auch erschreckend, denn man kann die gelbe Glocke schmutziger Luft über der Stadt sehen. Nachts ist die Kirche schön angeleuchtet.



Eine Seite der Pyramide ist freigelegt und man kann die Größe erahnen. Leider war dieser Ort nicht nur die größte Pyramide, sondern auch eine große Enttäuschung. Dass man die unterirdischen Bereiche nicht mehr besuchen darf, wussten wir. Aber als wir auf das Gelände der Pyramide und in das Museum dazu wollten, haben wir festgestellt: Die Mitarbeiter streiken. Alles war geschlossen. Wie lange sie streiken wollten, konnte uns keiner sagen. Wir hätten ja einen Tag gewartet, aber so machte es einfach keinen Sinn. Von der Straße aus konnte man die freigelegte Pyramidenseite nur durch einen engmaschigen Stahlzaun sehen und fotografieren. Gut, dass die Handykamera klein genug ist.

Ziemlich enttäuscht haben wir also unser Zeug zusammengepackt und wollten aus der Stadt rausfahren. Da waren sie! Die Polizisten, über die wir viel gelesen und auf YouTube gesehen hatten und vor denen uns jeder, der schon mal in Mexiko war, warnte.
Sie haben uns angehalten und im freundlichsten Ton (mit Fistbump) gefragt, wo wir denn herkommen und wohin wir jetzt fahren wollten. Nachdem wir das beantwortet hatten, ging es zur Sache: Leider ist die dunkle Folie auf der Scheibe nicht erlaubt. Nachdem sie die Autopapiere und den Führerschein angesehen und eingesteckt hatten, teilten sie uns mit, dass wir jetzt leider eine Strafe zahlen müssten.
Aber, da wir ja vorbereitet waren, gab es für die Kollegen nur eine gute Kopie der Autopapiere und des internationalen Führerscheins. Ich habe echt Mitleid bekommen (Achtung Sarkasmus), weil es ihm so schwerfiel, das Geld von uns zu verlangen. Umgerechnet wollten sie so 170 €. Da mein Spanisch noch in den Anfängen steckte, wurde alles mit Google-Übersetzer mehr schlecht als recht kommuniziert.
Um es uns zu erleichtern, hat die Polizistin dann einen angerufen, der mir in schlechtem Englisch erklärt hat, dass sie nun leider die Papiere behalten müssten, bis wir bezahlen. „Das wäre in Mexiko so üblich.“
Wir haben uns, getreu dem, was wir gelesen hatten, nicht geweigert zu bezahlen, aber ich habe eine Quittung verlangt. Daraufhin hat mir „er“ wieder gezeigt, was er dazu alles ausfüllen muss: seinen Namen und meinen, die Uhrzeit und die Straße usw. Ich habe ihm versichert, dass mir das sehr leid tut, ich aber keine andere Wahl habe. Wieder der Typ am Telefon: „Das wäre halt so in Mexiko, und ich soll jetzt machen.“
Dann haben wir vorgeschlagen, dass wir zur Polizeistation fahren und dort bezahlen, damit wir die Quittung bekommen können. Oh je, die wäre aber „gaaaanz“ weit weg. Irgendwann ist der Polizistin aufgefallen, dass wir eine Dashcam haben und das Polizeiauto mit Kennung direkt vor uns stand. Das hat dann die Situation sehr schnell geklärt.
Ein kleines Handzeichen zum Kollegen, der dann sehr schnell auf unsere kalte Colaflasche gezeigt hat. Also habe ich zwei kalte Cola aus dem Kühlschrank geholt, und wir sind alle zufrieden unserer Wege gezogen.
Während der ganzen Situation ist nicht einmal ein aggressives oder drohendes Verhalten von den beiden Polizisten ausgegangen. Der Ton war immer freundlich, fast freundschaftlich.
Dazu muss man noch bemerken, dass die mexikanische Regierung diese Fälle sehr ernst verfolgt. Es stehen Schilder an den Autobahnen, die darauf hinweisen, dass es illegal ist, solchen Erpressungsversuchen nachzugeben und zu bezahlen. Das war auch bis jetzt das erste und das letzte Mal, dass uns so etwas passiert ist. Also alles in allem gut gelaufen. Trotzdem konnte ich noch Wochen danach an keinem Polizeiauto vorbeifahren, ohne dass ich nicht im Alarmmodus war.
Popocatépetl
„The One And Only“.
Nach dem Erlebnis mit der Polizei und einer längeren Zeit immer in einer Stadt wollten wir einfach nur raus. Frische Luft, morgens und abends Vogelgezwitscher und nicht 24/7 rasselnde, fauchende und röhrende Autos. Man kann ihn schon von weitem sehen, immer mit kleinen Wolken.
Ja, es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde: Das sind keine Regenwolken, das sind Rauchwolken. Der Popocatépetl ist dauernd aktiv und raucht mal mehr und mal weniger. Ab und zu schüttelt er sich auch mal. Einige Straßen und Gebiete waren gesperrt, weil man nicht genau wusste, ob nicht doch mehr als nur Rauch ausgespuckt wird.
Wir sind auf einem ruhigen und abgeschiedenen Plätzchen gestanden, bis uns das Wasser und das Essen zur Weiterfahrt genötigt haben. Auf den Bildern seht ihr den Popocatépetl mit seiner Rauchfahne und den gegenüberliegenden Iztaccíhuatl, der einer schlafenden Frau ähnelt. Beide mit eigenem Nationalpark und einer tragischen Geschichte. In Kürze: „Zwei Liebende werden getrennt, sie stirbt aus Kummer und er stirbt, als er das erfährt. Beide werden zu Stein und er spuckt immer noch Feuer, um den Tod der Geliebten zu rächen, während sie nebenan schläft.“




Wasser
Ich mache hier mal einen kleinen Zwischenstopp, um zu beschreiben, wo eigentlich das Trinkwasser herkommt. Nicht aus der Wasserleitung, wie man sich denken kann.
Es gibt überall kleine Läden, in denen „Agua Purificado“ verkauft wird. Dort, wo es möglich ist, kann man mit einem Schlauch das Wasser direkt in den Tank des Autos füllen. Auf den Dächern der Häuser stehen große Tanks mit 1.000 bis 2.000 Litern Wasser. Wenn sie leer sind, kommt der Tanklaster und füllt die Tanks wieder auf. Wie bei uns Heizöl, aber nicht so stinkig.
Na ja, für Mehrfamilienhäuser gibt das Dach aber die Traglast nicht her, also kann man sich das Trinkwasser in runden 20-Liter-Flaschen im Supermarkt oder eben an diesen Wasserläden kaufen. Bei manchen gibt es einen 24-Stunden-Service: ein Automat, in den man die Flasche reinstellt, dann ein paar kleine Münzen einwirft und auf Start drückt. Die Flasche erst auf den Kopf, dann wird gespült, dann richtig herum zum Füllen.
Dann ans Auto, Wasser mit einem Trichter in den Tank, das Ganze 4 bis 5 Mal, je nachdem, wie viel Wasser wir noch im Tank hatten.
Das in kleinen engen Straßen mit „Gehwegen“, die die hohen Stufen der Pyramiden kopiert haben, und Verkehrsteilnehmern, die nur im Todesfall anhalten.

Grutas de Cacahua
In den Bergen ist es nicht so heiß wie in den Ebenen, das haben wir am Popocatépetl gesehen. Also haben wir unser nächstes Ziel in den Bergen gesucht. Die Höhlen haben sich im Reiseführer interessant gelesen. Übernachten war direkt auf dem Parkplatz möglich, obwohl wir auch hier zu der offiziellen Parkgebühr noch einen Obolus an die lokalen Geschäftsleute gezahlt haben. Nach längerem Hin und Her und einem Telefonat mit der Chefin waren wir von 500 runter auf 150 Pesos (knapp 7 €), die wir dann auch bezahlt haben.
Die Tropfsteinhöhlen darf man nur mit einem Guide betreten, aber er erklärt wirklich viel und kostet nichts. Die Höhlen selbst sind riesig, eine Deckenhöhe zwischen vierzig und 80 Metern. In dem bequem begehbaren Teil, ca. 2 km, wurden Gehwege angelegt und Lichtinstallationen, die immer die schönsten Felsformationen angestrahlt haben. In der Höhle ist auch ein kleiner Konzertsaal eingerichtet, in dem schon Plácido Domingo ein Konzert gab. Nie fehlen darf natürlich der kleine Heiligenaltar am Eingang.




Die Höhlen selbst ziehen sich noch viele Kilometer in den Berg hinein, aber am Ende des leicht begehbaren Teils ist ein Grab mit einer Hundestatue. Es war ein englischer Höhlenforscher, der diese Höhle als Erster bis hierher erforschte. Leider wurde er krank und schaffte es nicht mehr bis zum Ausgang. Sein Hund holte Hilfe, aber es war schon zu spät. Auch der Hund hat danach nicht lange überlebt. So haben die Bewohner den beiden hier eine Ruhestätte geschaffen.
Der Guide hat genauer erklärt, woran beide gestorben sind, aber dafür haben unsere Spanischkenntnisse nicht ausgereicht.
Die Stalagmiten- und Stalaktitenformationen haben viele Namen, alle benannt nach dem, was die ersten Erforscher gesehen haben. Von Nikolaus bis zum alten Mann, der Frauen auf den Po schaut, war alles dabei.







Hierve el Agua
In den Kalksteinbergen von Oaxaca (sprich: Ohaka) gibt es viele Höhlen und unterirdische Quellen, die von Regenwasser gespeist werden. Das heißt, jetzt zum Ende der Trockenzeit sind sie nicht ganz so beeindruckend wie kurz nach der Regenzeit. Aber das hat gar nichts zu sagen: Es gibt so viele Wasserfälle und Sinterterrassen, dass einem der Atem stockt. Es ist ein Naturpark zum Wandern und natürlich zum Baden.

Übersetzt heißt der Name eigentlich „kochendes Wasser“, weil aus vielen kleinen und großen Öffnungen im Felsplateau das Wasser herausblubbert, als wenn es kochen würde. Aber das ist nur der Druck. Das Wasser ist angenehm kühl.
Es hat sich um den Eingang zu den „Badewannen“ eine komplette Infrastruktur aus Restaurant-Hütten, Andenkenständen und Verkäufern von „Coco Frio“ versammelt. Die Kosten halten sich im Rahmen, auch wenn man zusätzlich zu dem Eintritt und dem Parken hier in Hierve del Agua noch die Durchfahrt im Ort vorher bezahlen muss. Sonst hätte diese Gemeinde ja nichts von den Besuchern.
Wir sind also über Nacht geblieben und so den Menschenmengen der Badenden entkommen. Am nächsten Morgen konnten wir das ganze Gebiet in aller Ruhe anschauen. Der Nachteil: Zum Baden war es noch zu frisch.





Ein paar hundert Meter weiter kann man den alten Ausgang des unterirdischen Flusses sehen. Der Kalk hat sich über die Jahrhunderte abgelagert und sieht nun aus wie ein versteinerter Wasserfall.


Kurzer Einschub zu „Coco Frio“: An diesem Tag wurde ich zum überzeugten Fan. Es gibt verschiedene Sorten. Die einen werden für das Kokosfleisch geerntet und haben wenig Wasser innen. Das schmeckt dann auch mehr wie Kokosseife. Die Kokosnüsse mit mehr Wasser haben wenig Fleisch, das man nicht wirklich essen mag.
Also nehme man eine Wasser-Kokosnuss und lege sie in den Kühlschrank – mit allem noch dran: das Grün/Gelb und die Fasern. Zum Verkauf am Stand wird sie dann in eine Kühlbox gelegt, bis der Kunde sie kauft. Dann wird sie mit zwei oder drei eleganten Macheten-Schwüngen geöffnet, Strohhalm rein und fertig. Immer frisch, kalt und stillt den Durst besser als alles andere.
Das „Agua Purificado“ hier hat kaum bis keine Mineralstoffe, und bei der Hitze schwitzt man viel. Es bleiben also isotonische Drinks oder Kokosnusswasser. Ich persönlich bin bei der Kokosnuss geblieben.
Cascada el Aguacero
Bei der Hitze und Trockenheit sucht man Wasser, so haben wir uns bei der Routenfindung hier immer wieder an Wasserfällen orientiert. Man kann baden, abkühlen und die grüne Natur genießen. Als wir den kleinen Regionalpark angefahren sind, hatten wir Zweifel: Wo bitte sollte hier ein Wasserfall sein?

Es war eine Schlucht, die der Río La Venta in den Kalkstein gegraben hatte. Von der Schnellstraße weg waren es 12 km: 10 gerade durch die trockenen Weiden und die letzten beiden einspurig, steil bergab in die Schlucht. Auf halber Höhe in der Schlucht war ein kleiner Campingplatz. Von dort aus waren es dann noch ca. 800 Stufen bis zum Flussbett.
Ein unterirdischer Fluss endet in dem Wasserfall. In einer Höhle auf der Höhe des Campingplatzes kann man den Fluss sehen und vor allem rauschen hören. Anscheinend ist er in der Höhle auch befahrbar, wir haben ein Boot am Wasser liegen sehen.


Schon beim Runtersteigen der Stufen wurde uns klar: Das müssen wir auch wieder rauf. Aber das Rauschen des Wassers war so vielversprechend, dass wir nicht umgekehrt sind. Es war atemberaubend. Beurteilt selbst — wir haben glücklicherweise einen Tag erwischt, an dem nicht so viele Besucher hier waren, und wir konnten uns in Ruhe unter jeden einzelnen Wasserstrahl stellen, der da herunterkam.




Bei deutlich über 30 Grad wieder hoch war zumindest eine Prüfung für den Charakter. Dauert ewig, aber geht.

Tuxtla Gutiérrez
Am Auto war ein Ölwechsel fällig, also haben wir uns in der Stadt in einem kleinen Hotel eingenistet.

Hier konnte ich zum ersten Mal ein kleines Gespräch in Spanisch führen. Es war eine „Abuela“ (Oma), die ihre Enkelinnen vom Sport abgeholt hat. Also: Sie hat Worte gesagt, ich habe fünfmal nachgefragt und dann hoffentlich mit dem richtigen Wort geantwortet. Aber sie hat noch gelächelt und uns eine gute Reise gewünscht, also habe ich sie zumindest nicht beleidigt.
San Cristóbal de las Casas
Eine sehr schöne alte Kolonialstadt in der südlichsten Provinz „Chiapas“ von Mexiko. Sie liegt auf 2100 Metern und ist klimatisch sehr angenehm. Wir fanden einen superschönen, schattigen Campingplatz mit Gemeinschaftsküche, Gemeinschaftsräumen und Gemeinschaftshaustieren.



Die Altstadt war zu Fuß zu erreichen, wenn auch mit ein bisschen Mühe. Hier gibt es einen Markt um die Kirche herum, der jeden Nachtmarkt in China in den Schatten stellt. Alles mit Planen überdacht und kleinen Irrgarten-Gassen. Hier gibt es alles zu kaufen: billigen China-Import mit touristisch angepassten Farben und Motiven, aber auch Genossenschaften mit Kunsthandwerk. Etwas teurer, aber dafür original (mit Zertifikat) und das Geld kommt auch bei den Künstlern an. Allerdings sind die Farben gedeckter und folgen nicht so den touristischen Vorlieben.


In den Bergregionen hier leben sehr viele Tzotzil- und Tzeltal-Mayas. Sie leben hauptsächlich vom Ackerbau. Die Felder liegen an steil aufsteigenden Hängen. Ich habe hauptsächlich Bananen und Agaven gesehen. Hühner laufen hier überall auf der Straße umher, und ab und zu sieht man eine vereinzelte Kuh oder sogar ein Schwein.
Die Frauen tragen alle noch ihre traditionelle Kleidung, was zum Teil aussieht, als hätten sie sich einfach ein Schaffell um den Bauch gebunden. Eine bunt bestickte Bluse, dazu irgendwas auf dem Kopf: einen schwarzen Hut, eine Decke oder das, was sie gerade verkaufen. Sie sind sehr selbstbewusst. Ich habe kaum Männer in den Marktständen gesehen. Wenn, dann haben sie nur Nachschub herangeschleppt.
Aber sie sind klein. Ich kam mir immer vor wie der „weiße Riese“ oder „Moby Dick“.

San Cristóbal ist eines der schönsten „Pueblo Mágico“, die wir auf unserer Reise besucht haben. Zugegeben, wir haben Städte eher vermieden.











Cascadas de Augua Azul
Wieder aus den Bergen kam die Hitze massiv zurück. Nächstes Ziel: Wasser. Ein breiter Wasserfall mit vielen Becken, die hinter- und nebeneinander liegen. Kostet keinen Eintritt, ist aber von der höchsten Stelle bis zum unteren Ende gesäumt mit Restaurants und Andenkenständen.
Das Wasser hat tatsächlich ein wunderschönes Blau und ist gerade warm genug, dass man sich lange darin aufhalten kann. Wenn man ein bisschen vom Trubel wegläuft, kann man Becken finden, in denen man alleine ist.











Übernachtet haben wir hier auf dem Parkplatz zwischen dem Fluss, den Restaurants, der Schule und dem überdachten Sportplatz. Der Ort zog sich etwas weiter nach hinten in die Berge.
Wir durften lernen, dass es üblich ist, die Kids mit dem Tuk-Tuk zur Schule zu bringen und auch damit zum Einkaufen zu fahren.
An einem Nachmittag habe ich eine Mutter gesehen, die noch keine dreißig war, wie sie mit ihrer Teenager-Tochter zwei Klassenkameraden der Tochter beim Baseball plattgemacht hat.
Danach kam die Kindergartenlehrerin und hat mit den Kleinen ein Theaterstück über die Maya-Kultur geübt: Hände in die Hüften, Ellenbogen raus und laut brüllen.
Irgendwie hat mich das schwer beeindruckt. Sie ziehen hier keine leisen Kinder auf.
Das Maya Land Chiapas
Es sind nur drei Bilder, aber sie geben einen Eindruck, wie die Landschaft von Chiapas aussieht: Berge, steile Felder, kleine Ortschaften mit ihren Eingangstoren und überdachte Sportplätze vor allen Schulen.



Calakmul
Von Calakmul haben wir gelesen. Eine große Tempelanlage, die noch vollständig von Dschungel umgeben ist. Sie ist zum Großteil ausgegraben, aber es ist nicht alles drumherum gerodet.
Von der Schnellstraße durch Cancún führt eine 65 km lange Stichstraße in Richtung grüne Grenze zu Guatemala, inmitten eines Bioreservates.
Auf der Schnellstraße sind uns die seltsamen Netze aufgefallen, die über die Straße spannen – wie bei uns, wenn in der Höhe an Leitungen oder Überführungen gebaut wird, damit kein Werkzeug oder gar Menschen auf die Straße stürzen.
Nach längerer Überlegung kamen wir drauf: Das sind keine Fußgängerüberwege, sondern Affenüberwege. Scheint zu funktionieren.

Um den ganzen Tag an der Pyramide verbringen zu können, haben wir die Nacht davor an einer kleinen Lagune verbracht. Total schön und voller Moskitos.

Nachdem wir von der Schnellstraße in Richtung Dschungel abgebogen sind, haben wir als Erstes die Strecke des „Tren Maya“ (Maya-Zug) gekreuzt. Eine Zugstrecke, die einmal rund um Cancún führt und an allen historischen Maya-Stätten Halt macht.
Ich habe gelesen, dass diese Zugstrecke sehr umstritten ist. Sie wurde durch unberührten und geschützten Dschungel gebaut und hat viele Quadratmeter Natur zerstört.
Allerdings sehe ich auch die Notwendigkeit, Besucher in bequemen, klimatisierten Zügen in die abgelegenen Ecken von Cancún zu bringen, um dort die Wirtschaft anzukurbeln. Auch für die Besucher, die sich nicht trauen, in Mexiko selbst Auto zu fahren, ist das ein echter Komfortgewinn.

Im Reservat erfährt der Begriff „Wildwechsel“ eine Erweiterung, die wir so nicht kennen.

Die Pyramide, besser gesagt die alte Stadt Calakmul, war einfach faszinierend. Im geschützten Eingangsbereich stehen alte und restaurierte Reliefs.
Man läuft durch den Dschungel, und auf einmal steht man vor Treppen und Steinen, die sich zu einem Gebäude auftürmen. Nicht alle sind bis jetzt ausgegraben und noch lange nicht alles erfasst. Einfach toll.
Immer begleitet vom lauten Gebrüll der Brüllaffen, die sich hoch in den Bäumen um die besten Plätze gestritten haben.









Leider kam ich nicht näher an die flinken Brüller ran.

An diesem Punkt unserer Tour mussten wir eine Entscheidung treffen: Ob wir noch weiter Cancún erkunden und die vielen wunderbaren Plätze in Cancún anschauen, oder ob wir uns auf den Weg nach Belize machen sollten, um wenigstens den größten Teil von Zentralamerika noch zu schaffen, bevor uns die Regenzeit einholt.
Wir haben uns für den zweiten Weg entschieden – immer in der Gewissheit, dass wir später jederzeit wieder hierher fliegen können, um Cancún zu erkunden, in einer Jahreszeit, in der es nicht so furchtbar heiß ist und es keine Sommerstürme gibt.
Trotzdem muss ich sagen: Wenn ich die Bilder der anderen mit den Stränden und den wundervollen Cenotes sehe, bin ich doch etwas wehleidig.
Im nächsten Blog werde ich Euch also von Belize und Zentralamerika berichten und von den vielen Vorurteilen, die ich auf dem Weg durch diese Länder über Bord geworfen habe.
Bis bald.
Liebe Grüße
Antje und Rainer.





















































































































