So, ihr Lieben, es geht weiter mit dem Blog! Lange genug hat es ja gedauert. Ich muss zugeben, dass das Zurückkommen und das Wiedereingewöhnen in Deutschland nicht so simpel war, wie ich mir das vorgestellt hatte. Den Blog werde ich gerade deshalb weiterschreiben, damit auch ja keine Erinnerung verloren geht. Der Peru-Beitrag selbst wird ein echter Roman – also macht euch auf was gefasst!


In keinem anderen Land ist es mir so schwer gefallen Land und Leute zu beschreiben. Es ist, als ob man immer von einem Ende des Spektrums zum anderen geschleudert wird. Dazwischen ist nichts. Um nur ein paar der Themen zu nennen: Verkehr, Müll, antike und historische Stätten oder Ausgrabungen, Höhenunterschiede, Trockenheit sowie landschaftliche und landwirtschaftliche Gegensätze. Wir schwankten immer irgendwo zwischen fassungslosem Kopfschütteln und euphorischer Begeisterung – aber seht und lest selbst.

Straßenverkehr

Man wird ihn nur auf einigen Bildern sehen, und diese werden dem Chaos nicht annähernd gerecht. Wer in Peru Auto fährt, braucht Nerven aus Stahl. Niemand nimmt Rücksicht oder lässt einem Anderen mal die Vorfahrt. Es gilt die Regel: Fahr auf die Kreuzung raus oder stehe dort bis an dein Lebensende.
Oft gibt es Baustellen auf den Überlandstrecken mit einspuriger Verkehrsführung. Die Wartezeit, bis der Gegenverkehr durch ist, kann dann schon mal zwei Stunden betragen. Aber wenn der Gegenverkehr dann durch ist, kann derjenige, der ganz vorne steht, nur fahren, wenn er schneller ist als die LKW, die von hinten in der zweiten und dritten Spur – an der langen Schlange vorbei – angerast kommen. Das macht natürlich auch alle anderen in der Schlange nervös, und jeder fängt an zu drängeln. Es stauen sich dann fünf Fahrzeuge vor der Einfahrt zu der einen Spur durch die Baustelle. Ich habe noch nie ein besseres Beispiel für die Theorie des „Flaschenhalses“ gesehen.
Wir sind auf der ganzen Tour knapp 70.000 km gefahren, hier in Peru war es das einzige Mal, dass wir eine Delle ins Auto bekamen. Ein LKW-Fahrer, der sich an uns vorbei drängen wollte, konnte einfach nicht glauben, dass die Fremden nicht nachgeben wollten. Es ist nichts Weiteres passiert – und die Polizei holt man wegen so etwas nur in Deutschland.

Müll

Mehr noch als den Verkehr habe ich den Müll in Peru bedauert. Das Bewusstsein der Menschen, ihre Natur zu erhalten und zu schützen, ist so ausgeprägt wie der Wille der Deutschen, auf die Öffis umzusteigen: Es gibt ihn, aber man findet ihn nur selten. Überall liegt der Müll einfach an den Straßenrändern. Wachsende Müllberge an den Straßen kündigen das nächste Dorf an, und wenn die Familien in der Freizeit an den Strand gehen, bleibt der ganze Müll aus Papier, Plastikflaschen und Plastikboxen einfach zurück. Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, warum man die Orte, an denen man sich mit seinen Kindern hinsetzt und Spaß haben will, nicht sauber hält.

Wir sind beim Überqueren der Anden durch einen Nationalpark gefahren. An einer Baustelle gab es einen und Stau. Nach einer Weile gingen im Auto vor uns die Scheiben runter und es flogen zwei leere Limoflaschen raus. Das ist ein ganz normales Verhalten, das keiner reflektiert. Und das, obwohl diese Familie einen Besuch im Nationalpark machte, um die Natur zu bewundern.

Die Andere Seite:

Man könnte nun meinen, dass die Peruaner unfreundlich und muffelig seien. Ganz im Gegenteil: Sie sind freundlich und hilfsbereit – zumindest, solange sie nicht im Auto sitzen. Sie sind unglaublich stolz auf ihre Natur und ihre Geschichte. Sie heißen jeden Fremden willkommen, und es ist völlig egal, ob man etwas kauft oder nicht: Solange man sich für Peru interessiert, sind sie glücklich.

Unschlagbar war für mich aber die Geschichte, die archäologischen Funde und die Kultur in Peru. Das hat mich komplett von den Socken gehauen, und ihr werdet das in den ausführlicheren Texten dazu sicherlich bemerken.

Erste Eindrücke in Peru

Entlang der Pazifikküste sind wir nach Peru eingereist. Der Grenzübergang war wie eigentlich immer problemlos und schnell. Auffällig ist die extrem trockene Landschaft an der Küste. Ackerbau ist nur möglich, wo Flüsse gibt, die aus den Anden Richtung Meer fließen.

In den Bereichen dazwischen kommen die Mädels hier zum Einsatz.

Die Küstenstädte im Norden sind auf Touristen aus den anderen südamerikanischen Ländern ausgelegt. Peru ist günstiger als zum Beispiel Ecuador oder Kolumbien. In jeder Stadt gibt es auch einen erschlossenen Strand.

Wir fanden einen tollen Campingplatz mit allem, was den Camper bei diesen Temperaturen glücklich macht: eine Gemeinschaftsküche draußen – das heißt, man muss bei der Hitze nicht auch noch im Auto kochen –, Duschen, einen Pool und Waschmaschinen. Außerdem gab es einen wirklich schönen Strand mit den besten Sonnenuntergängen überhaupt.

Dort haben wir uns ein paar Tage Zeit gelassen und in aller Ruhe die Bewohner des Strandes beobachtet.

Piura, Catacos

Eigentlich führt unsere Strecke auf der Autobahn (Ruta Nacional 1), der Panamericana, an der Stadt Piura vorbei, aber wir müssen unsere Vorräte auffrischen. Also ab in die Stadt! Der Verkehr ist dicht und wir trauen auch unserem Navi nicht immer. Es sagt „links abbiegen“, aber da ist nur eine Sandpiste – und wir wollen keine Experimente mit dem Fahren im weichen Sand machen. Also umkreisen wir den Supermarkt ein paar Mal, bevor wir endlich die richtige Zufahrt gefunden haben.

Nach erfolgreicher Mission finden wir einen schönen Platz zum Übernachten in einem Sportclub mit öffentlichen Wohnmobil-Stellplätzen. Hier bemerken wir erst, dass wir doch ein bisschen angespannt waren. Ein paar Tage zuvor hatte uns nämlich ein anderer Reisender Horrorstorys über Piura erzählt: von Männern, die wild mit den Händen wedelnd auf die Reifen zeigen, um dann die Autofahrer auszurauben, wenn sie anhalten und nachschauen.Nichts davon ist passiert. Im Nachhinein lässt sich so eine Geschichte wohl auf fast jedes andere Land übertragen. Aber ob man will oder nicht: Solche Erzählungen beeinflussen einfach, wie man sich im ersten Moment in einem Land fühlt.

Am nächsten Morgen sind wir mit vollem Kühlschrank wieder auf die Autobahn gefahren – nur um festzustellen, dass genau in diesem Moment ein paar Protestierende die Straße gesperrt hatten. Weiterfahren war weder für Fremde noch für Peruaner möglich. Ein paar der Demonstranten hatten schon Steine in der Hand – für alle, die sich noch schnell durchdrücken wollten. Zurück ging aber auch nicht mehr. Mittlerweile war auch die Schnellstraße mit den Auf- und Abfahrten zur Autobahn in beide Richtungen blockiert. Hier hilft es nur, die absolute Ruhe zu bewahren. Und natürlich gibt ein voller Kühlschrank Sicherheit!

Wir haben das ja schon mal in Ecuador erlebt, wo es mehrere Stunden gedauert hatte. Auch hörten wir Geschichten aus Bolivien, wo so eine Sperrung auch mal mehrere Tage dauern kann. Aber wie während der ganzen Reise hat uns das Glück in Person von Polizisten zugelächelt. Sie konnten die Protestierenden davon überzeugen, wenigstens die Ruta 1 (Panamericana) wieder frei zu machen. Wären wir die Auffahrt noch nicht oben gewesen oder wären es mehr Demonstranten als Polizisten gewesen, wäre der Tag wahrscheinlich länger geworden. So war nach zehn Minuten alles vorbei und wir konnten weiterfahren.

Unterwegs auf der Ruta N1(Panamerikana)

Hier seht ihr einige Bilder von unserem Weg in den Süden. Obwohl es – eigentlich typisch für die Nähe des Meeres – feuchter sein sollte, sind hier die Flächen ringsherum völlig trocken und sandig.

Am krassesten ist der Unterschied, wenn irgendwo ein Fluss aus den Bergen kommt. Noch nie wurde mir der Ausdruck „Wasser ist Leben“ so bewusst wie hier an der Pazifikküste. Nicht nur Peru, auch der Besuch der sich an die Grenze zu Chile anschließenden Atacama-Wüste hat mir das sehr eindrucksvoll gezeigt.

Die Fürstin von Cao

Im Jahr 2006 wurde an der peruanischen Pazifikküste eine Entdeckung gemacht, die die gängigen patriarchalischen Denkmodelle und Konzepte komplett auf den Kopf stellte. Bei der Untersuchung eines großen, im Sand vergrabenen Erdhügels entdeckten Archäologen einen der größten Tempel der Moche-Zivilisation in der Region. Sie fanden Wände, die mit bunten Bildern und komplizierten Ikonografien verziert waren. Diese gaben umfassend Aufschluss über die Kultur und die Lebensweise der Menschen. Alles in allem stellte sich heraus, dass diese Region seit circa 10.000 Jahren durchgehend von Menschen besiedelt war. Die großen Tempel stammen aus der Moche-Zeit, die von etwa 100 vor Chr. bis 800 nach Chr. dort existiert hat.
Der absolute Sensationsfund war allerdings die Grabkammer samt Mumie, die völlig unversehrt von Grabräubern und Umwelteinflüssen im großen Tempel gefunden wurde. Die peruanische Geschichte musste umgeschrieben werden, als „Mann“ entdeckte, dass schon in den präkolumbianischen Kulturen eine Frau die religiöse wie politische Herrscherin über ein großes Reich war!
Vor 1.700 Jahren wurde die Fürstin von Cao mit allen Waffen und Insignien der Macht in dem Tempel „El Brujo“ beerdigt. Sie wurde circa 25 Jahre alt und starb vermutlich bei der Geburt eines Kindes. Die Dama de Cao, Señora de Cao oder Lady of Cao, wie sie genannt wird, revolutionierte das historische Bild der Frau. Ihr Fund hat das Selbstverständnis der Frauen in der Region nachhaltig gestärkt – heute finden sogar regelmäßige Events zu ihren Ehren statt.

Das wollten wir uns natürlich ansehen. So sind wir in den kleinen Ort Magdalena de Cao gefahren, der inmitten von riesigen, endlosen Zuckerrohrfeldern liegt. Wie ihr am Namen schon seht, ist für die Menschen hier der christliche Glaube durchaus auf die neu entdeckte, heidnische Vergangenheit adaptiertbar. Die Bilder zeigen den ganzen Ort geschmückt mit Bildern und Reliefs, deren Originale in der Grabkammer und dem Tempel zu finden sind.

Am nächsten Morgen ging es los zum Ausgrabungsort. Direkt am großen Parkplatz liegt ein modernes Museum, das die Funde sowie die Mumie der Fürstin beherbergt. Die Grabbeigaben und anderen Fundstücke sind dort ausgestellt, und man kann sie fotografieren. In der Grabkammer selbst ist das Fotografieren allerdings verboten.

Das fruchtbare Land waren in Fürstentümer aufgeteilt. Natürlich wurde darum auch gestritten. Um Krieg zu vermeiden und wahrscheinlich auch als Training wurde eine Art Ballspiel veranstaltet. Dieses musste immer blutig sein. Nur ein Spiel mit Blutenden und Verletzten war ein ehrenvolles Spiel.

Nach dem Museumsbesuch sind wir in Richtung des Tempels gegangen. Die große Überdachung dient zum Schutz der ausgegrabenen Bereiche und Stufen des Tempels.

Oben auf dem Tempel angekommen, erkennt man erst, dass eine riesige Stadt die Anlage umschloss.

Seht euch die Bilder vom Rundgang durch den Tempel an. Ich könnte zu jedem einzelnen Bild noch seitenlang begeisterte Vorträge schreiben, aber es muss ja auch mal genug sein. Allerdings konnte ich es mir nicht verkneifen, einige Fotos von den Erklärungstafeln einzufügen.

Last but not least: Von ganz oben auf dem Tempel lässt sich nicht nur der wundervolle Pazifik bestaunen – nein, in der Ferne kann man auch einen weiteren, im Sand vergrabenen Tempel erkennen. Hier beginnen die Archäologen gerade erst mit den Ausgrabungen.

Huanchaco, die Stadt der Surfer

Die Weiterfahrt die Küste entlang in Richtung Süden war ziemlich ernüchternd. In krassem Gegensatz zu der gepflegten, antiken Anlage fuhren wir nun durch ein staubtrockenes, trostloses und vermülltes Stück Land. Ab und zu waren kleine Holzschuppen am Strand zu sehen, wo die Fischer ihre Ausrüstung unterbrachten. Auf der Landseite ragten hohe Dünen empor, auf denen riesige, lang gezogene Gebäude mit einem schwarzen Stoffdach standen. Dazwischen gab es nur Sand und Staub. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mit Google herausgefunden habe, dass die langgezogenen Gebäude Hühnerfarmen sind. Es war drückend heiß und dauerbewölkt . Trostloser geht es nicht. Wären „Mad Max“ oder „Furiosa“ über die Dünen heruntergerast, hätte mich das keineswegs verwundert.

Das nächste Ziel: Huanchaco. Beim Fahren in Richtung Stadt sind wir an großen, mit Mauern eingezäunten Grundstücken vorbeigekommen. Sie waren vollkommen leer, aber mit einer hohen Mauer umgeben. Kein Gras, kein Strohhalm darin – einfach nur leer. Das hat nicht viel Lust auf die Stadt gemacht.

Untergekommen sind wir in der Villa Amelie. Eine ältere Dame vermietet dort ihren Garten und den Stellplatz für ihr eigenes Auto an Overlander. Es gibt noch ein weiteres kleines Gebäude, darin sind eine Ferienwohnung und die Waschräume. Am Anfang war das ein bisschen seltsam, aber die Dame war sehr freundlich und es gab einen Sitzplatz sowie eine offene Küche. sogar mit Wasser aus einer Wasseraufbereitungsanlage! Wieder einmal wurden wir daran erinnert, wie gut wir in Europa mit sauberem Wasser versorgt sind. Hier kann man das Stadtwasser nämlich nicht trinken.

Wovon ich noch nie gehört hatte: Es gibt „Welt Surferreservate“ und Huanchaco ist eines davon.

An diesem Punkt wurde mir zum ersten Mal die Nähe zum Südpazifik und die Verknüpfung der Kulturen an diesem Meer bewusst. Die ersten kleinen „Boote“, um über die Wellen aufs Meer hinauszukommen, waren Schilfbündel – und die kann man sich tatsächlich heute noch ausleihen! Im Laufe der Jahrhunderte wurden aus den Schilfbündeln lange Bretter, mit denen auch heute noch die Wellen bezwungen werden.

Wir waren allerdings außerhalb der Saison, so dass nur ein paar Anfänger zum Trainieren auf dem Meer waren. Am Samstag und Sonntag ist Familientag, und der Strand ist voller Familien. Hier wurde noch einmal sehr deutlich, was mir bereits ab Mexiko aufgefallen ist: Die Menschen tragen fast ausschließlich Badekleidung mit Sonnenschutz. Lange Ärmel, Hut – und keine Kinder ohne Schutz. Ein paar Teenager sind (wie überall) die Ausnahme. Das Bewusstsein, sich vor der Sonne zu schützen, ist hier wesentlich ausgeprägter als in Europa.

Cordillera Blanca

Wir haben uns vom Meer verabschiedet und sind weiter in Richtung der Anden ins Landesinnere abgebogen. Das Wetter wurde um so viel besser, wie die Straßen schlechter wurden. Hier sind einige Eindrücke von unserem langsamen Anstieg in das Gebirge.

Nur wo Wasser ist, gibt es eine Chance auf eine Lebensmittelproduktion. Das wird einem hier immer wieder sehr eindringlich vermittelt.

Getrocknet wird da Mais und der LKW hat Zuckerrohr geladen.

Je weiter man in die Berge kommt, umso trockener wird es – bis es letztendlich nur noch Felswüsten sind. Zumindest so lange, bis wieder ein Fluss durch die Täler fließt. Durch die vielen Mineralien im Boden sind die Felsen sehr bunt und schön anzusehen. Wir müssen auf die 12N, die uns dann auf die 3N führt, um nach Caraz zu kommen. „Maps“ zeigt uns eine Abkürzung (Straße 123), bei der wir einiges an Kilometern sparen können. Die Straße war perfekt ausgebaut und asphaltiert. Auf „Maps“ war am Ende der Straße ein kleines, blaues Strichlein eingezeichnet. All das war einfach zu perfekt…

Das ist sie also: die als reguläre Landstraße eingezeichnete Brücke über das kleine, blaue Strichlein in Google Maps. Gegenüber verläuft die Straße, zu der wir müssen. Auf der anderen Seite saßen ein paar Männer mit Holzdielen. Ich bin mir sicher, dass die Einheimischen sich für ein paar Sol die Holzdielen hinlegen lassen und dann über dieses Konstrukt fahren. Ich jedenfalls nicht – so viel Abenteuer steckt dann doch nicht in mir drin!

Also die ganze schöne Straße wieder zurück, auf die 1N und weiter bis zum Abzweig der 12B. Das war dann sozusagen eine negative Abkürzung mit 180 unnötig gefahrenen Kilometern! Als wir wieder am gleichen Punkt, nur auf der richtigen Uferseite ankamen, haben wir unser Nachtlager aufgeschlagen.

Warum wir nicht über die schönere und neuere Brücke weiter vorn gefahren sind? Naja, die hätten wir von der Straße aus gar nicht erreicht. Große Gittertore und das Schild „Propiedad Privada“ haben das verhindert.

Ab diesem Punkt war aber auch die 12B (eine Bundesstraße!!) eine echte Herausforderung. Sie ist lange nicht so wenig befahren, wie es auf den Bildern den Anschein hat. Es gibt viel LKW-, PKW- und Bus-Verkehr. Die Straße ist streckenweise abgerutscht – aber man fährt dann einfach so lange über den Schotter auf der Fahrbahn, bis sie wieder als Straße gilt. Schlaglöcher sind überall, Asphalt ist die Ausnahme und wenn, dann nur mit tiefen Löchern.

Eindrucksvoll waren immer die Farben der Felsen. Umso erstaunlicher ist es, dass hier nicht große Erzminen, sondern viele Kohleminen waren. Aufgefallen ist es uns erst an den Abraumhalden, die aussahen wie schwarzer Sand, der aus Löchern im Berg rieselte.

Einige der Minen waren winzig – gerade mal ein „Mannloch“ und manchmal mit einer kleinen Hütte vorne dran.

Andere Minen waren größer mit mehr als einem Arbeiter. Für die es dann auch „Wohnungen“ gibt.

Die größte Herausforderung allerdings waren die Überhänge im Fels und die Tunnel: einspurig, kein Licht und LKW unterwegs in halsbrecherischer Geschwindigkeit. Der Cañón del Pato, die Entenschlucht. Das ein oder andere Mal mussten wir im Tunnel rückwärtsfahren. Das war nicht zwingend der Unhöflichkeit der anderen Fahrer geschuldet, aber in unseren Spiegeln war noch Glas drin – und wir waren nicht so breit über die Bordwand hinaus beladen, dass man im Rückspiegel nichts mehr sieht. Erinnert euch an das Bild von dem Zuckerrohr-LKW! Hier ist eine Auswahl der unzähligen Tunnel auf der Strecke.

Caraz und Parque Nacional Huascarán

Nach dieser wirklich nervenaufreibenden Fahrt – wobei ich zugeben muss, dass ich mich wesentlich mehr aufgeregt habe als Rainer, und er musste schließlich fahren – sind wir in Caraz angekommen. Wir waren erst einkaufen und sind dann zu dem Campingplatz für Overlander gefahren. Er liegt ein bisschen außerhalb von Caraz. Leider war der Besitzer nicht da, aber er hat ein überschwänglich freundliches, pelziges und sehr verschmustes Begrüßungskomitee zurückgelassen.

Abends haben wir dann den Eigentümer kennengelernt. Ein netter Mann, der sehr stolz auf seine internationalen Gäste ist. Ich muss ehrlich sagen, dass wir auf diesem Platz die besten und saubersten Duschen und Toiletten in ganz Südamerika hatten!

Wir wussten von anderen Reisenden, dass er anbietet, seine Gäste in den Nationalpark hochzufahren und sie abends wieder abzuholen. Dieses Angebot haben auch wir gerne angenommen. Die „Straßen“ hoch zum Park waren anfänglich nur eng. Je weiter wir aber nach oben kamen, desto weniger Straßenbefestigung war vorhanden. Auf einer Seite der Straße geht es steil hinauf, auf der anderen Seite steil hinunter. Das letzte Stück bestand nur noch aus engen Spitzkehren mit tief ausgefahrenen Spurrillen. Das wäre bei dem Gegenverkehr mit dem Ducato nur eine Zerreißprobe für die Nerven geworden. Gegenverkehr? Ja, genau! Es fahren nämlich tatsächlich Linienbusse da rauf und runter. Dafür waren aber die Aussichten den ganzen Weg hinauf absolut umwerfend.

Vorbei an Dörfern, die fast vollständig noch von Nachkommen der Inka bewohnt werden. Sie tragen alle ihre traditionelle Kleidung und Hüte. Hier ist kein Fetzen Müll zu finden! In der Pfütze am Straßenrand suhlt sich eine Mama Wutz mit ihren Ferkeln. Das klingt idyllisch, aber schaut genau hin: Die Felder steigen oft fast senkrecht an. Hier gibt es keine Maschinen, sondern nur Handarbeit.

Und nein, die blaugrünen Büsche und Bäume sind keine Folge der Fotobearbeitung. Das ist schnell wachsender und widerstandsfähiger Eukalyptus. Er wurde bereits 1825 nach Südamerika gebracht, um den steigenden Bedarf an Bau- und Feuerholz zu decken. Ökologisch ist das stark umstritten, aber aus den lokalen Haushalten ist der Eukalyptus nicht mehr wegzudenken.

Caraz liegt ungefähr auf 2.000 Metern. Der Aufstieg zum Nationalpark bringt noch einmal circa 2.000 Höhenmeter nach oben.

Ziel unserer Tour heute ist die Laguna Parón – ein strahlend türkisfarbener Gletschersee auf 4.155 Metern. Je höher man kommt, desto schroffer werden die Felsen. Wenn man dann auf der Höhe des Sees angekommen ist, stellt man fest, dass ringsherum die Felsspitzen noch mal über tausend Meter in die Höhe ragen! Die eisigen, schneebedeckten Berge, die wir vom See aus sehen können, sind zwischen 5.600 und 6.025 Meter hoch. Das außergewöhnlich helle Türkis hat der See durch das Kalkgestein der Berge. Er hat einen unterirdischen Ablauf, der zum Wassermanagement und zur Energiegewinnung genutzt wird.

Es gibt einen Rundwanderweg um den ganzen See herum. Er zieht sich allerdings über viele Kilometer in die Berge. So sind wir – ganz passend zu meiner Kondition – nur das Stück des Weges gegangen, das halbwegs eben ist.

Natürlich konnte man sich auch ein Kanu mieten um auf dem See zu paddeln. Aber ich hatte ernste Bedenken (Klartext: „Schiss“) bei der Kälte ins Wasser zu fallen.

Die Weiterfahrt nach Huaraz war von dem typisch peruanischen Straßenbild mit atemberaubenden Ausblicken auf die schneebedeckten Gipfel der Cordillera Blanca (Weiße Kette) geprägt.

Eine Autowäsche war auch dringend mal wieder nötig. Dabei ergab sich eine echte Win-win-Situation: Die Solarpaneele auf dem Dach waren wieder sauber – und der Besitzer der Autowäsche konnte bequem von unserem Auto aus sein Sonnensegel reparieren!

Allerdings hält keine Autowäsche in Peru lange. Sauber war das Auto ungefähr für drei Kilometer. Noch in der gleichen Stadt ging es mit Schlaglöchern und Schlamm wieder los.

Über die Hochebene zurück zum Pazifik

Wir müssen zurück zur Panamericana, um unseren Weg in den Süden fortzusetzen. Hier sind ein paar Eindrücke von der Gegend und den Dörfern bis zu der auf circa 4.000 Metern gelegenen Hochebene, die das lange Tal abschließt. Am Ende dieser Ebene beginnt dann der finale Abstieg ans Meer. Bemerkenswert ist übrigens, was bei den „Öffentlichen“ noch so alles als Handgepäck durchgeht!

Ich habe schon die ganze Zeit mit der Höhe gekämpft, aber hier war für mich der Endpunkt erreicht: Auf 4.000 Metern Höhe war an Schlafen nicht mehr zu denken. Sobald ich am Einschlafen war, musste ich nach Luft schnappen und bin wieder aufgewacht. Dr. Google hat die Schlafapnoe wegen der Höhe bestätigt. Aber wir waren ja jetzt auf dem Weg runter – also habe ich die Problemlösung bis auf Weiteres verschoben und war nur etwas „krätzig“ wegen des Schlafmangels.

Der Abstieg war konsequent eine Serpentine nach der anderen, bis wir circa 1.000 Meter tiefer waren. Eine Strecke, über die sich täglich hunderte von LKW hoch- und runterschleppen.

Im Flachland angekommen, zeigte sich wieder das bekannte Bild: trocken, sandig und heiß – und auch der Müll war wieder da.

Den Wohnmobil-Stellplatz fanden wir in einer „Gated Community“. Das ist ein Stadtteil, der komplett umzäunt ist. Die Ein- und Ausfahrt wird von einem Sicherheitsdienst überwacht – Besucher werden angemeldet und der Sicherheitsdienst überprüft die Pässe. Überraschenderweise war der Stellplatz ein privates Einfamilienhaus. Die Bewohner haben die Parkplätze neben dem Haus und das Stückchen Garten dahinter an Overlander und Camper vermietet. Zum Duschen und für die Toilette ging es direkt ins Haus. Das war, sagen wir mal vorsichtig, „gewöhnungsbedürftig“ – zumal man jedes Mal klingeln musste, um ins Haus zu gelangen.

Dafür war der Abendspaziergang am Strand absolut ruhig und entspannend.

Santuario Arqueologico de Pachacámac

Die Stadt war bereits zur Zeit der Konquistadoren weit über tausend Jahre alt. Sie existierte von circa 800 bis 1450 nach Chr. als ein Zentrum für Religion und Verwaltung der Wari-Kultur. Es ist eine weitläufige Fläche mit gut erhaltenen Ausgrabungsstücken im Museum und einer fast fertigen Tempelanlage, die nach historischen Quellen wieder aufgebaut wird.

Man darf nie unterschätzen, wie stark sich die Religion der Inka immer noch im heutigen, katholischen Glauben widerspiegelt. Für Besucher ist das Tempelgebäude selbst noch geschlossen – Zeremonien mit Schamanen werden darin jedoch schon wieder abgehalten.

Hier haben sich die Archäologen auch die Mühe gemacht, den großen Garten mit den einheimischen und historischen Pflanzen wieder zu rekonstruieren.

Unerwartet modern waren auch die alten, teilweise freigelegten Bewässerungssysteme. Diese waren so genial konstruiert, dass sie das spärliche Schmelzwasser aus den Anden perfekt nutzten. Einige dieser uralten Kanäle speisen sogar heute noch die Grünflächen im modernen Lima

Verschüttet unter dem Sand finden sich die alten Mauern und Gänge wieder, die darauf warten, ausgegraben zu werden. Auch die Fundamente einer Plattform, auf der Versammlungen abgehalten wurden, sind zu sehen.

Wie riesig die ganze Stadt um den Tempel herum war, kann man erst von seiner Spitze aus erkennen. Sehr gut sieht man auch, in welcher Größenordnung hier noch Ausgrabungen gestartet werden müssen. Ich überlege schon, ob ich mich nicht direkt für Archäologie einschreiben soll!

Zu den Inseln vor der Küste gibt es natürlich auch eine passende Sage aus der Götterwelt. Die Inseln verkörpern die Göttin Urpi Huachac (die Schöpferin der Fische) und ihre Töchter, die vor einem aufdringlichen Gott ins Meer flüchteten und dort zu ihrem Schutz in Felseninseln verwandelt wurden.

Für die weniger mystisch Interessierten heißt die Isla de Pachacámac heute einfach die Walfisch-Insel.

Am Ende des Besuchs in Pachacámac zeigen wir euch noch ein paar Fundstücke aus dem Museum vor Ort.

Laguna Huacachina

Die „Geschichten aus Tausendundeiner Nacht“ haben eigentlich nichts mit Südamerika zu tun – bis man an diesen verzauberten Ort kommt. Inmitten von bis zu 100 Meter hohen Sanddünen in absoluter Trockenheit liegt eine Oase, wie sie in der Sahara nicht anders anzutreffen ist. Ich habe jeden Moment auf eine Kamelkarawane gewartet, die am Horizont auftaucht.

Die Oase selbst entstand durch einen unterirdischen Fluss, der mineralhaltiges Wasser mit sich führt. Der Name stammt aus der Inka-Sprache (Quechua) und setzt sich zusammen aus „Huaca“, was so viel wie „heiliger Ort“ bedeutet, und „China“, was „Frau“ bedeutet. Die Entscheidung, ob es nun eher die Frau war, die um ihren Geliebten trauerte und einen ganzen See weinte, oder die Frau, die ihren Spiegel fallen ließ, der dann zerbrach und zum See wurde (in dem sie übrigens heute noch als Seejungfrau lebt), bleibt ganz euch überlassen.

Der Campingplatz ist einfach toll! Auf mehreren Etagen sind feste Zelte aufgeschlagen, die zu vermieten sind. Es gibt eine Pool-Bar, einen Pool, eine Gemeinschaftsküche und saubere Sanitäranlagen. Im Hof sind sechs Plätze für Wohnmobile.

Der Ort um die Oase herum ist wildromantisch und touristisch voll erschlossen. Hier kann man sogar Skistiefel und Snowboards mieten, um dann auf dem feinen Sand der Dünen zu „sandboarden“.

In den frühen Morgen- und Abendstunden gibt es unzählige Menschen auf den Dünen, die in gemieteten Buggys oder im Rahmen organisierter Buggy-Touren die sandigen Hügel um die Oase herum erkunden. Das klingt vielleicht ziemlich gruselig, aber dieser Ort ist einfach wirklich zauberhaft. Seht selbst!

Nazca

Nach den erholsamen Tagen in der Oase haben wir uns auf den Weg zu dem nächsten Highlight der Reise gemacht. Die Gegend ist sehr trocken und wird, sobald man in die Berge kommt, zur Felswüste. Aber auch hier ist es ein krasser Unterschied zwischen den Bereichen, wo der „Mensch“ auf Wasser zugreifen kann, und wo nicht. Auf einigen Flächen wird hier Wein angebaut! Die Regionen um Ica und Nazca ist tatsächlich die Wiege des peruanischen Weinbaus! Weil es dort tagsüber kochend heiß ist, aber durch die Flüsse aus den Anden genug Wasser vorhanden ist, wachsen die Trauben extrem gut. Daraus machen die Peruaner nicht nur Wein, sondern vor allem ihr berühmtes Nationalgetränk: Pisco (peruanischer Grappa)!

Moderne Werbung auf Altperuanisch. Die Art und Weise, mit „Scharrlinien“ Botschaften zu senden, wird bis heute von den Menschen für weithin sichtbare Werbung genutzt – hier für eine Weinmarke. Wie ihr an der Lesbarkeit seht, hat Pflege und Instandhaltung fast überall in Südamerika eine andere Bedeutung als in Europa…

Die Nazca-Ebene zeigt auf circa 500 Quadratkilometern bis zu 20 Kilometer lange Linien, Dreiecke und Figuren mit einer Größe von drei Metern bis zu mehreren hundert Metern. Es sind Abbilder von Menschen, Affen, Vögeln und Walen. Aufgrund ihrer enormen Größe sind sie nur von Hügeln oder aus der Luft zu erkennen.

Dann waren wir plötzlich da: Ganz unspektakulär tauchte ein Parkplatz an der Panamericana auf. Ein Aussichtsturm, ein Hügel zum Hinaufsteigen – und das war‘s. Trotzdem konnte man einige der Figuren sehr gut erkennen: die kilometerlangen, kerzengeraden Linien, die sich am Horizont verlieren, oder den „Baum“.

Den „Frosch“ – obwohl ich wirklich nicht weiß, wo es bei dieser extremen Trockenheit überhaupt Amphibien geben soll!

Die „Katze“ am Hügel, die erst viel später, als die anderen Bilder entdeckt wurde.

Zum Abschluss noch ein paar Motive, die vom Hügel der Katze aus zu sehen sind.

Die Interpretation, was welche Figur bedeutet und wozu sie von den Ahnen dort eingescharrt wurde, ist eine noch immer nicht beendete, wissenschaftliche Diskussion. Im Augenblick sind circa 1.500 Motive entdeckt, aber die Zahl steigt stetig. Da die meisten Scharrbilder nur aus der Luft zu sehen sind, ermöglichte erst das regelmäßige Fliegen in Kleinflugzeugen das Auffinden der Figuren. Aktuell wird sehr viel mit Drohnen und Bodenradar geforscht.

Ideen zur Interpretation überlasse ich euch. Es gibt so viele Ansätze – von renommierten archäologischen Instituten bis hin zu den schwurbeligen Theorien von Erich von Däniken.

Aber es gibt einen Namen, den man im Zusammenhang mit den Nazca-Linien und ihrer heutigen Bedeutung in der Welt niemals vergessen sollte: Maria Reiche. Die deutsche Lehrerin und Archäologin begann in Lima als Übersetzerin und Assistentin des Entdeckers der Nazca-Linien, Paul Kosok. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie nach Peru zurück und begann mit der systematischen Vermessung der Linien. Sie reinigte die teilweise verdeckten Linien per Hand und entdeckte dadurch immer mehr. Sie fertigte Zeichnungen der Figuren an und bemühte sich um die Interpretation im Zusammenhang mit dem Lauf der Sterne und der Sonne.

Ihre Arbeit machte es möglich, die peruanische Regierung davon zu überzeugen, die Linien unter Schutz zu stellen und so die weitere Zerstörung durch Autos und Agrarwirtschaft aufzuhalten. Im Jahr 1994 wurden die Geoglyphen schließlich zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Bis zu ihrem Lebensende 1998 setzte sie sich unermüdlich für die Erhaltung, Erforschung und den Schutz dieser Wüstenfiguren ein. Dass wir sie heute in all ihrer geheimnisvollen Pracht sehen können, verdanken wir ihr.

Leider kann ich euch dazu nicht mehr Bilder anbieten. In keiner der Geschichten, die wir zu den Flugzeugtouren über die Nazca-Ebene gehört haben, war nicht mindestens einer an Bord, der sein Frühstück verloren hat! Zu all dem kosteten die Flüge um die 200 Dollar pro Person. Kurz gesagt: Wir haben gekniffen.

Immer den Anden entlang

So langsam kamen wir uns vor wie „Hannibal“, der mit seinem Heer die Alpen überquerte. Nur waren es bei uns die Anden, und wir hatten keine Elefanten dabei. Dafür sind wir gleich mehrfach hin und her über die Bergkämme gefahren. Voller Erwartungen und angefixt durch die geheimnisvollen Geoglyphen machen wir uns nun auf den Weg in Richtung Machu Picchu. Dazu müssen wir die Route an den höchsten Pässen entlang immer in Richtung Südosten nehmen. Ziel ist es, das Flusstal des Urubamba zu erreichen, an dessen Ende die Berge von Machu Picchu liegen.

An der Küste gibt es noch kleinere archäologische Ausgrabungsstätten zu entdecken. Spannend ist aber auch, wie die Menschen hier leben – an Orten, wo kein Geld durch Landwirtschaft oder Tourismus zu verdienen ist.

Die Strecke auf der Höhe der Anden entlang führte von einer riesigen Hochebene zur nächsten. Der Anstieg zur jeweils nächsten Ebene ist immer knackig. Auf den Ebenen angekommen, konnte man nur noch sanfte Erhebungen sehen. Immer wieder waren wir auf der Suche nach den nächsten Berggipfeln – zu sehen gab es aber nur Pampa und ganz selten mal Weideland mit kleinen Orten. So nach einer Stunde Fahrt tauchen dann plötzlich doch wieder Berge auf, und es ging in Serpentinen hinauf auf die nächste Stufe. „Drive and Repeat“.

Hier oben gibt es einen großen Nationalpark „Reserva Nacional de Pampa Galeras“ in der Pampa. Bald konnten wir auch ein paar Blicke auf die scheuen Bewohner dieser Landschaft erhaschen.

Das sind Bilder von Vikunjas, Lamas und Alpakas. Verwirrt? Ich verspreche, ich werde nur kurz ausholen, um die unterschiedlichen Herdentiere zu beschreiben. Es gibt zwei wilde Vorfahren der heutigen Nutztiere:

Die Vikunjas: Sie liefern die teuerste Wolle der Welt, sind die kleinste Kamelart überhaupt und leben nach wie vor wild. Sie werden nur zur Schur zusammengetrieben und anschließend sofort wieder freigelassen. Aus ihrer Zuchtlinie stammen übrigens die heutigen, allseits beliebten Wolllieferanten – die Alpakas.

Die Guanakos: Sie sind etwas größer als die Vikunjas und leben ebenfalls in großen Herden. Hier ließen sie sich seltener blicken, aber später in Argentinien und Chile haben wir mehr Guanakos gesehen als Hunde und Katzen! Aus ihnen wurden die Lamas gezüchtet – primär als Lasttiere und als Schutz für Schafherden. Die Jungs können ganz schön aggressiv werden, wenn sie sich bedroht fühlen, und das mit dem Spucken kennt man ja auch.

Ich will nicht zu jedem Stein etwas schreiben, aber euch die Bilder auch nicht vorenthalten. Es ist eine Reihe von Aufnahmen aus den unterschiedlichen Hochebenen – mit all den verschiedenen Formen und Farben der Herdentiere. Es gibt sogar Alpakas mit so kurzen Beinen, dass man zuerst glaubt, es wären kleine Schäfchen!

Je weiter wir auf Cusco zukamen, umso größer wurden die Dörfer und Städte. Die Bilder zeigen einfach die alltäglichen Situationen der Menschen hier: Mama, Oma und Hund holen die Kleinen vom Schulbus ab. Oder der kleine Laden, der einfach alles hat, was man so braucht – von Coca-Blättern über Zuckerrohrschnaps bis hin zu Lebensmitteln im Groß- und Einzelhandel. Und natürlich alles aus Plastik und Kunststoff, was man für eine funktionierende Zivilisation eben so benötigt.

Die steilen Bergschluchten wurden wieder zu weiten Tälern mit grünen, saftigen Wiesen und Weiden.

Sehr zu unserer Erleichterung hat sich die Konstruktion der Brücken deutlich verbessert. Wobei man wirklich zugeben muss, dass die Art und Weise, wie hier Transporte durchgeführt werden, für uns doch sehr abenteuerlich ist!

Nun begann der letzte Abstieg, um in das Heilige Tal der Inka zu kommen. Unser Ziel war Ollantaytambo – die letzte Stadt vor Machu Picchu, die noch mit dem Auto erreichbar ist. Sehr viele Menschen hier tragen noch ihre traditionelle Kleidung im Alltag.

Kleiner Einschub: Ich weiß, die Gesichter auf den Fotos sind kaum oder gar nicht zu sehen. Es ist schwierig, aus dem fahrenden Auto heraus um Erlaubnis zu bitten – und ohne Einwilligung wollte ich keine Fotos veröffentlichen.

Dieses Tal wird fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Allerdings ist das auch eine der Hauptstrecken für Touristen zwischen Cusco und Machu Picchu. Beim Anblick der Touristenbusse kam manchmal schon die Vorstellung von getriebenen Touristenherden auf, die hier gehütet werden. Nun ja – zumindest werden wir nicht geschlachtet wie die armen Meerschweinchen!

Dann haben wir ihn gesehen: den Zug zum sagenumwobenen Machu Picchu. Es ist – außer den eigenen Füßen – das einzige Transportmittel, mit dem man nach Machu Picchu kommt.

Machu Picchu

Der Besuch von Machu Picchu ist nicht ganz unkompliziert. Es sind hierbei grundsätzlich zwei Themen zu betrachten: Zum einen der Zugang nach Aguas Calientes und zum zweiten der Besuch der Ausgrabungsstätte von Machu Picchu selbst.

Die einfachste Lösung führt ab Cusco oder ab Ollantaytambo mit dem Zug. Für die Individualreisenden erfordert das natürlich einen Parkplatz – am liebsten einen bewachten Stellplatz – und ein Bett zum übernachten im Ort. Beides ist in Cusco und Ollantaytambo glücklicherweise einfach zu finden.

Eine weitere Möglichkeit ist es, von Cusco oder Ollantaytambo zu Fuß auf dem berühmten Inka-Trail zu gehen. Eine tolle Variante für alle, die genug Zeit haben, gut zu Fuß sind und sich nicht vor Höhenmetern fürchten.

Weiter geht es mit der Frage: „Wie komme ich rein (und rauf) nach Machu Picchu, wenn ich erst mal in Aguas Calientes bin?“?“

Zuerst muss man sich eine Eintrittskarte besorgen. Im Regelfall sind diese Tickets online oder über Reisebüros schon auf Monate hinaus restlos ausgebucht, da die Besucherzahlen zum Schutz der Ruinen streng begrenzt sind.Um spontan Reisenden überhaupt eine Chance zu bieten, wird ein tägliches Kontingent an Tickets direkt vor Ort im Büro der Kulturverwaltung in Aguas Calientes vergeben. Das bedeutet in der Realität allerdings: stundenlange Warteschlangen mitten in der Nacht! Man liest immer wieder Reiseberichte von Besuchern, die von morgens um 4 Uhr bis 6 Uhr frierend angestanden haben – nur um dann zu erfahren, dass alle Karten für den Tag bereits vergeben waren. Deutlich entspannter ist es, wenn man ein paar Tage in Aguas Calientes einkalkuliert. Dann kann man in aller Ruhe zu den Öffnungszeiten ins Büro gehen und sich Karten für den übernächsten Tag aussuchen. Man muss sich hier allerdings nicht nur für die Uhrzeit entscheiden, sondern auch festlegen, welche Route man durch die Ruinenstadt gehen möchte.

Der letzte Stolperstein ist die Busfahrt von Aguas Calientes hoch nach Machu Picchu. Auch hier kann man die knapp 400 Höhenmeter gerne zu Fuß den Berg hinaufgehen – dazu fehlen mir allerdings die Bergziegen-Gene. Also: die Fahrt mit dem Bus! Dazu kauft man sich am besten sofort, wenn man das Eintrittsticket vom Kulturamt in den Händen hält, ein Busticket. Das ist die Theorie. Die Praxis „challenged“ einen dann doch noch mal…

Ollantaytambo

Wir beschlossen, Cusco erst mal auszulassen und den Besuch von Machu Picchu von Ollantaytambo aus zu starten. Es gibt genug Parkplätze, viele davon mit 24/7-Öffnungszeiten und alle bewacht. Auch Wohnmobile sind hier keine Seltenheit, und es war klar, dass man auf dem Parkplatz auch für eine Nacht schlafen konnte, wenn man erst spät aus Aguas Calientes zurückkommt. Sehr schick an dem Parkplatz, den wir gefunden haben, war, dass er nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt lag.
An diesem Punkt begann unsere Glückssträhne, die während des gesamten Besuchs in Machu Picchu nicht abgerissen ist. Wir sind am frühen Nachmittag in Ollantaytambo angekommen und hofften, für den nächsten Morgen noch eine Zugkarte zu bekommen. Stattdessen bekamen wir noch Karten für den exakt gleichen Tag! Auch unser Hotel in Aguas Calientes hatte mit unserer Anreise einen Tag früher kein Problem. So saßen wir zwei Stunden später schon im Zug. Leider bin ich Ollantaytambo bei den Bildern nicht gerecht geworden. Die Stadt hat verzweigte Inka-Ruinen an den Berghängen und eine sehr schöne Altstadt – einen Stadtbummel auf alle Fälle wert! Bilder habe ich leider nur vom Bahnhof und dem Zug.

Die malerische Zugstrecke vorbei an den zum Teil noch bewirtschafteten Feldern.

Aguas Calientes

Wir kamen so gegen 16 Uhr in Aguas Calientes an. Hier ist so gut wie alles fußläufig erreichbar. Auf dem Weg zu unserem Hotel kamen wir tatsächlich an dem Büro der Kulturverwaltung vorbei. Da kein Mensch davorstand, dachten wir wirklich, dass es schon geschlossen sei. Aber der freundliche Sicherheitsmitarbeiter hat uns reingewunken. Kein Mensch am Schalter vor uns! Als wir nach den Eintrittskarten fragten, hieß es: „Ja klar, aber nur für übermorgen.“ Man hat gemerkt, dass sie Enttäuschung erwartet hatten – aber da wir reichlich Zeit eingeplant hatten und sogar noch einen Tag früher als gedacht da waren, kam von uns nur ein begeistertes: „Perfecto!“
Nach einem kurzen Blick auf die Wettervorhersage haben wir uns für die vorletzte Tour mittags um 14 Uhr entschieden. Da war die Hoffnung groß, dass zumindest zeitweise der Himmel aufklart. Aufgrund der hohen Besucherzahlen gibt es drei vorgeschriebene Strecken durch die Ruinen, die man nicht verlassen darf. Wir konnten die beliebteste Strecke auswählen! An diesem Abend sind wir sehr glücklich und müde in unserem kleinen, sehr netten Hotel angekommen.

Am nächsten Morgen haben wir uns aufgemacht, die Stadt zu erkunden. Ich hatte mich am Vortag noch gewundert, warum sich die Schienen vom Bahnhof aus noch durch den ganzen Ort ziehen. Das konnten wir dann jetzt hautnah beobachten: Vorne am Bahnhof werden die Passagiere ausgeladen, und weiter hinten im Ort werden schließlich die ganzen Waren und Versorgungsgüter gelöscht.

Alles wird hier mühsam mit Handkarren oder kleinen Elektro-Lastkarren von der Entladezone zu den Hotels und Geschäften transportiert.

In der ganzen Stadt geht es nur rauf oder runter – eine ebene Fläche ist hier absolute Mangelware. Der Name verrät es ja bereits: Das Bad mit den heißen Quellen ist über einen schmalen, sehr steilen Fußweg zu erreichen. Auch hier wurde die Entscheidung für einen Besuch bei mir wieder stark durch das nicht vorhandene Bergziegen-Gen beeinflusst…

Der Bahnhof ist komplett umschlossen von einer großen Markthalle, in der hunderte von Händlern ihr Kunsthandwerk, T-Shirts, Wandteppiche, Pullover, Handschuhe, Mützen und Schals anboten. Ich bin mir sehr sicher, dass man in der Markthalle nicht laut „Made in China raus!“ rufen darf!

In der Stadt verteilt findet man jedoch sehr viele kleine Kunst- und Handwerksgeschäfte, die sehr schönen Silberschmuck und peruanische Holzkunst verkaufen. Nicht so billig wie am Bahnhof, aber zumindest regional gefertigt. Es gibt hunderte von Restaurants, teilweise auch auf mehreren Stockwerken, die die Versorgung der ganzen Touristen sicherstellen.

Auf dem Hauptplatz steht das Denkmal von Pachacútec, dem Inka-Herrscher, der von 1438 bis 1471 über das Inka-Reich herrschte.

Das sind die Eindrücke aus unserem ausführlichen Stadtrundgang.

Mir ist aufgefallen, dass bei Flächen und Häusern, die neu gemacht oder renoviert wurden, sehr viele dekorative Elemente gefertigt wurden – alle mit deutlichem Bezug zur Tradition und dem Glauben der Inka. In dem noch im Bau befindlichen Sportstadion waren durch den Bauzaun sehr traditionelle Motive, wie der Inka-Herrscher oder Jaguar-Reliefs, zu sehen. Durch den Bauzaun ließ sich das leider nicht fotografieren. Ich hatte den Eindruck, dass die stolze Rückbesinnung auf die traditionelle Kultur und den Glauben der Inka nicht ausschließlich wegen der Touristen geschieht. Hier wird ein Stück der eigenen Identität zurück gewonnen!

Machu Picchu

Dann war es endlich soweit, auf nach Machu Picchu.

Natürlich haben wir uns schon am Tag vorher die Tickets für den Bus gekauft und uns voller Sorgen die langen, bunten Warteschlangen an der Haltestelle angesehen. Bunt deshalb, weil fast jeder in den Touri-Shops ein Regencape aus grellbuntem Plastik gekauft hat. Und geregnet hat es viel!

Da wir ja zu einer ganz bestimmten Uhrzeit oben sein mussten, rätselten wir, wie lange wir uns wohl vorher in die Warteschlange stellen müssten. Also haben wir uns sicherheitshalber schon zwei Stunden vorher in die Schlange eingereiht. Das ging so lange gut, bis zwei Mitarbeiter die Menschenschlange entlangkamen, die Tickets für Bus und Eintritt prüften und uns dann freundlich, aber bestimmt mitteilten, dass wir hier viel zu früh stehen!

Schließlich sahen wir sie: die mobilen Schilder, die die Uhrzeit des Eintritts anzeigten. Dahinter haben wir uns dann aufgereiht und sind mit dem Schild immer weiter nach vorn gewandert, bis wir zum Einsteigen kamen. Das System ist tatsächlich narrensicher – wirklich jeder kommt rechtzeitig zu seiner Eintrittszeit an! Das ist die Sache mit dem Lesenkönnen, aber auch mit dem Vertrauen darauf, dass die Leute hier täglich mit diesen Menschenmassen umgehen und genau wissen, was sie tun. Allein schon die Busfahrt bot neben einer ordentlichen Portion Nervenkitzel auch tolle Aussichten.

Am Eingang war dann – wie zu erwarten – wieder eine Warteschlange. Doch dann ging es endlich los! Unsere Strecke Nummer zwei führte auf der linken Seite über Plattformen den ganzen Berg hoch.

Bevor es jetzt mit den Bildern weitergeht, gibt es erst mal ein bisschen Geschichtswissen zum Klugscheißen. Machu Picchu wurde als königliches Landgut vom Inka-Herrscher Pachacútec Yupanqui erbaut. Die Stadt stand in enger politischer, religiöser und wirtschaftlicher Verbindung zum damaligen „Nabel der Welt“: Cusco. Alle Baumaterialien, Architekten und hochrangigen Bewohner kamen direkt aus Cusco oder wurden von dort koordiniert. Zwischen den beiden Städten waren Nachrichtenläufer unterwegs, die blitzschnell Informationen überbringen konnten. Ihre Strecke ist der heute so beliebte Wanderweg, der „Inka-Trail“.

Machu Picchu war nicht nur ein religiöser Rückzugsort für den Herrscher – es war vor allem auch ein strategischer Außenposten, mit dem sich der Warenverkehr auf dem Trail und der Zugang zu den fruchtbaren Tälern des Urubamba kontrollieren ließen.

Als die spanischen Konquistadoren um 1532 Cusco einnahmen und den Inka-Herrscher sowie sein Reich stürzten, verließen die Bewohner Machu Picchu. Es gibt die Vermutung, dass sie flohen, um die Existenz der Stadt geheim zu halten. Der Plan ging auf: Während Cusco fast vollständig zerstört wurde und die Mauersteine der Inka-Gebäude zum Bau von Kirchen und Kolonialbauten benutzt wurden, waren die Spanier nie in Machu Picchu. Die Anlage wurde erst im Jahr 1911 durch den amerikanischen Archäologen Hiram Bingham wiederentdeckt, nachdem einheimische Bauern ihm den Weg gewiesen hatten

Danke für die Geduld, jetzt habt Ihr euch den Rest der Bilder verdient.

Die Lamas sind nicht angebunden und lassen die Menschen gelassen über sich ergehen. Wenn es ihnen stinkt, ziehen sie sich zurück – und wenn einer zu aufdringlich wird, gibt es Spucke um die Ohren! Aber es sitzt immer ein Aufpasser dabei, damit die Touristen nicht zu forsch werden.

Die Südamerikaner sind im Allgemeinen große Selfie-Fans. An manchen Plätzen muss man lange warten, bis die Gruppe vor einem Fotos in allen erdenklichen Kombinationen gemacht hat: Arme raus, Arme rein, mit der Freundin, deren Freund, mit der Mama, dem Papa und den Geschwistern – naja, ihr könnt es euch vorstellen. Und da sie immer im Familienverbund unterwegs sind, habt ihr jetzt auch eine Idee davon, wie lange das dauert.
Ich sollte mich allerdings nicht darüber lustig machen, denn so hatte ich immer wieder genügend Zeit, zu Atem zu kommen und die eigenen Aufnahmen nicht zu verwackeln! Im Gegensatz zu uns macht es ihnen zudem nichts aus, wenn auch andere Menschen auf ihren Fotos sind. So kann man auch ein ganz klein bisschen drängeln, ohne dass sie es einem gleich krummnehmen.

Von ganz oben geht es dann durch die Häuser- und Tempelruinen wieder nach unten. Wie ihr an den Bildern sehen könnt, ist unsere Rechnung mit dem Wetter voll aufgegangen: Es hat nicht mehr geregnet und es kam tatsächlich die Sonne raus!

Ein Teil der Gebäude ist nach altem Vorbild wiederaufgebaut worden. An den Stellen, wo früher der Altar war, werden auch heute noch Bonbons, Koka-Blätter oder Geld geopfert.

Beim nächsten Bild wird deutlich, mit wie viel Hingabe die Restaurierung einer solchen historischen Anlage betrieben wird. Ein bisschen rechts von der Mitte seht ihr den Hut und den gelben Handschuh eines Arbeiters, der die Steinwände säubert. Mit einer Zahnbürste!
Vergleicht im Kopf mal die winzige Fläche einer Zahnbürste mit der riesigen Fläche der vorhandenen Mauern… Das macht einen beim bloßen Nachdenken schwindelig!

Das ist der große Platz für Zeremonien und die heiligen Spiegel für Mond und Sonne.

Das Stadtbild wird auch geprägt durch die vielen kleinen Felder, die sich in Stufen durch die ganze Stadt ziehen und die Versorgung mit Lebensmitteln für Menschen und Tiere sicherten.

Keines der Probleme, die wir bei dem Besuch von Machu Picchu erwartet hatten, ist eingetreten. Wir konnten ohne nachts anzustehen Tickets kaufen und haben die gewünschte Strecke bekommen. Da unsere Tour die vorletzte des Tages war und die meisten Besucher nach uns von ihren Guides viel schneller durchgeschleust wurden, waren wir gegen Ende fast allein unterwegs!

Kein Mensch hat dann noch geschaut, welche Wegstrecke wir gebucht hatten, und auch zeitlich gab es keine Begrenzung mehr. Die Peruaner wissen einfach, was sie tun – es ist alles gut, wenn auch kompliziert organisiert. Das war ein wundervoller Tag, den ich um nichts in der Welt missen möchte!

Cusco

Wieder zurück im Auto und auf dem Weg nach Cusco blicken wir noch einmal zurück auf das Urubamba-Tal – das Heilige Tal der Inkas, auf dem damals die Nachrichtenläufer zwischen Machu Picchu und dem Inka-Trail die Strecken festlegten.

Jetzt geht es zum Nabel der Welt des Inka-Reiches: Cusco. Die Stadt war das politische und religiöse Zentrum des gesamten Imperiums. Mitten in der Stadt liegt ein großer Platz, an dem zwei mächtige Kirchen stehen: links die Catedral del Cuzco und rechts der Templo de la Compañía de Jesús. Bei beiden Kirchen kann man auf die Türme steigen und auf den Plaza Mayor herabschauen. In der Mitte des Platzes thront außerdem eine große Statue des Inka-Herrschers Pachacútec.

Alles, was wir an Gebäuden in der Altstadt sehen, ist auf den Mauern und Fundamenten der Inka-Stadt aufgebaut. So gut wie jedes Haus und jedes Hotel im historischen Kern kann seinen eigenen Keller aus der Inka-Zeit vorzeigen. Es hat schon fast etwas Philosophisches, dass praktisch jede Kirche hier auf dem Fundament eines alten Inka-Tempels oder -Palastes steht.

Beim Spaziergang durch die engen Gassen der Altstadt sind überall die Grundmauern und Wände zu sehen, die von den Inka-Handwerkern errichtet wurden. Über die Art und Weise, wie genau diese riesigen Steine lückenlos ineinander gepasst wurden – manche haben bis zu 12 Winkel! –, gibt es bis heute nur Vermutungen. Ganz genau weiß es einfach niemand.

Die Häuser sind stark von einem spanischen Kolonialstil geprägt. Überraschend waren für uns aber auch die kunstvoll verarbeiteten hölzernen Balkone an diesen Gebäuden. Sie gehen tatsächlich auf den arabischen Einfluss in Spanien zurück, das von den Mauren fast 800 Jahre lang beherrscht wurde. Erinnert ihr euch an die Alhambra in Granada? Genau daher kommt das! Diese einzigartige Mischung aus den leichten, künstlerischen Balkonen und der exakten Steinmetzkunst der Inkas hat tatsächlich einen eigenen Namen: Mudéjar-Stil.

Auffällig ist auch, dass jeglicher Handel mit traditioneller Kunst der Einheimischen – ob durch fliegende Händler oder in kleinen Markthallen – ausschließlich fest in Frauenhand war. Die Männer waren zwar dabei, hielten sich aber im Hintergrund: Sie haben die schweren Sachen geschleppt oder Nachschub aus den Lagern geholt. Der Kundenkontakt und das harte Verhandeln waren reine Frauensache.

Zum Abschluss unserer Stadterkundung haben wir noch das Inka-Museum besucht. Es wurde im ehemaligen Haus eines hohen spanischen Beamten eröffnet. Auch dieses Gebäude steht natürlich auf einem Teil der Grundmauern des einstigen Königspalastes von Pachacútec.

Überall in den Museen sind wir immer wieder auf aneinandergeknotete Schnüre gestoßen. Diese Schnüre sind ein Bericht über gelieferte und abgeholte Mengen – ganz ohne eine einzige Zahl! Die sogenannten „Quipus“ waren ein hochentwickeltes System zur Aufzeichnung und Kommunikation. Durch unterschiedliche Farben, Knotenarten und die genauen Abstände zwischen den Knoten wurden alle zählbaren Informationen wie Steuerdaten, Ernteerträge, die Größe von Viehherden und sogar demografische Statistiken kodiert. Im Bild überreicht ein Beamter dem Inka-Herrscher seinen Bericht.

Cusco wurde während der Inka-Zeit im Grundriss eines Pumas erbaut. Der Kopf des Raubtieres, ist die etwas oberhalb der Stadt liegende Ausgrabungsstätte Saqsaywamán. Sie diente als Zitadelle zum Schutz von Cusco und war als religiöses Zentrum dem Blitz und der Sonne geweiht. Noch heute (beziehungsweise heute wieder) findet hier das jährliche „Inti Raymi“-Sonnenwendfest statt. Leider sind von der Anlage nur noch ein paar Mauern und Ruinen übrig, weil die Festung von den Konquistadoren geschliffen wurde. Die meisten Steine wurden damals direkt nach Cusco transportiert, um die koloniale Stadt aufzubauen.

Der Uber-Fahrer, mein Guru und ich.

Ich kann es förmlich sehen, wie ihr jetzt schon die Augen rollt: Antje und spirituell?! Aber manchmal muss man sich einfach auf etwas einlassen, um etwas Neues zu lernen. Bei der Uber-Fahrt von der Stadt wieder hinauf zum Campingplatz fragte uns der Fahrer, ob wir Interesse an einer ganz besonderen Tour hätten. Einen Tag lang mehr über das Leben und den Glauben der Inka-Nachfahren zu erfahren. Das Früher und das Heute zu vergleichen – und das ganz ohne große Menschenmengen und zusätzliche Eintrittsgelder. Keine Touristenmassen und keine versteckten Kosten? Das macht den erfahrenen Reisenden erst mal skeptisch. Wir haben uns trotzdem darauf eingelassen und durften feststellen: Kein einziges Wort davon war gelogen!

Joaquín, unser Guide, stammt selbst aus dem Dorf oberhalb von Cusco und sprach so gut Englisch, dass wir selbst die feinsten Nuancen ohne Probleme verstanden haben. Er hat uns mit einer unglaublichen Ruhe und Gelassenheit einen Einblick in das Leben der Dorfbewohner gegeben – ganz ohne das unangenehme Gefühl, als Tourist wie durch einen Zoo zu laufen.

Danach sind wir ein Stück des echten Inka-Trails entlanggewandert. Wir liefen durch eine saftig grüne Landschaft, der man auf den ersten Blick überhaupt nicht ansieht, dass sie mitten im Herzen der Anden liegt.

Vorbei an einem kleinen Dorf, wo es mir gelang, noch einmal den direkten Vergleich zwischen Alpaka und Lama auf einem Foto festzuhalten. Auf dem Weg kamen uns Farmerinnen entgegen, und an manchen Stellen saßen Händlerinnen mit frisch gebrautem „Chicha“, einem traditionellen Maisbier, das sie den Wanderern als Erfrischung anbieten. Die Chicha wurde schon von den Inkas genau so gebraut. Um ehrlich zu sein: Das macht die Sache geschmacklich absolut nicht besser! Auch nicht der Schuss Erdbeersaft, der das Getränk wohl irgendwie süßer machen sollte. Im Nachhinein wünschte ich, ich hätte einen deutlich größeren Schluck davon als Opfer für die Götter auf die Erde gegossen… Man lernt eben nie aus!

Unser weiterer Weg führte uns an drei Orten vorbei, die ein ganzes Netzwerk aus Höhlen und mystischen Kulturstätten bilden.

Erster Halt: „Balcon del Diabolo“

Der Weg führte uns durch ein kleines, landwirtschaftlich genutztes Tal zu einer hohen Felswand.

Oberhalb dieser Wand befindet sich der Einstieg zum „Teufelsbalkon“, von wo aus man tief in die Höhle herabblicken kann. Unten liegt die heilige Stätte, eine sogenannte Huaca, durch die der Fluss Chacán fließt.

Im Glauben der Inkas symbolisiert diese Höhle die Gebärmutter von Mutter Erde – der Pachamama. Hier werden bis heute Opferzeremonien abgehalten, um sie zu ehren. Und ja: Auch wir haben eine kleine Zeremonie abgehalten!Dafür hieß es erst mal: Schuhe und Socken aus, um die Verbundenheit mit der Erde besser zu spüren. Die Opfergabe – in unserem Fall Kokablätter – wird auf den Boden gelegt. Danach hält man einige Minuten inne, um sich selbst, die Höhle und die Natur ganz bewusst wahrzunehmen. Es gibt dabei kein starres Gebet und keine festgelegten Rituale. Jeder macht es einfach so, wie er oder sie es in dem Moment fühlt.

Zweiter Halt Zona X

Der Name dieser Stätte – „Zona X“ – kommt von den unterirdischen Gängen, die in Form eines X angelegt sind. Leider konnten wir diese mysteriösen Tunnel nicht selbst erkunden. Dafür führt der Weg oberirdisch durch ein riesiges Feld mit vielen Ruinen und Mauerresten aus der Inka-Zeit. Und tatsächlich findet sich hier sogar ein Mauerstein, der mit sage und schreibe 13 verschiedenen Winkeln eingeschliffen ist! Das ist tatsächlich ein Winkel mehr als bei dem berühmten Promi-Stein, der in Cusco allen Touristen gezeigt wird.

Dritter Halt: Tempelo de la Luna

Der Mondtempel ist das spirituelle Herzstück dieser abgelegenen Stätten. Es handelt sich um eine natürliche Felsformation, die vermutlich schon von den Kulturen vor den Inkas kunstvoll bearbeitet wurde. Die Inkas bauten die natürlichen Felsspalten später zu einem weitläufigen Tempel mit Altarräumen aus. Auf der Oberseite des Felsens befindet sich eine Spalte, durch die das Mondlicht zur Sonnenwende exakt in eine versteckte Kammer hineinleuchtet. Hier wurden der Mond „Mama Killa“ und auch Pachamama verehrt. Und natürlich haben wir auch hier wieder eine kleine Opferzeremonie abgehalten.

Natürlich hat uns auch diese Tour zum Abschluss in ein kleines Dorf geführt, wo die Bauern ihre traditionelle Handwerkskunst und vor allem Alpakawolle und Strickkleidung verkaufen. Es gab eine Vorführung, wie die verschiedenen Töne gefärbt werden: Mit Pflanzen wird Gelb und Braun erzeugt, Grün und Blau entstehen mithilfe von Indigo und das kräftige Rot stammt von den Cochenille-Schildläusen, die auf den Kakteen der trockenen Ebenen leben.

Unser Fazit der Tour: Es war wirklich unglaublich interessant! Wir konnten tatsächlich ein bisschen was von dieser mystischen Faszination in den Tempeln, vor allem aber in der Höhle der Pachamama, nachempfinden. Wir hatten genug Zeit zum Schauen und Fühlen, und Joaquín konnte uns super vermitteln, wie der Glaube der Inkas bis heute in den Köpfen der Menschen weiterlebt.

Den ganzen Tag über haben wir maximal drei andere Touristen gesehen. Selbst der Wollladen, in dem uns am Ende des Tages das Färben der Wolle gezeigt wurde, war total unaufdringlich und sehr informativ. Wir hatten sogar eine ausführliche Unterhaltung über die Verwendung von Cochenille-Farbstoffen in der Lippenstift- und Kosmetikindustrie. Und ja, wir haben natürlich auch etwas gekauft! Für mich ist das einfach die beste Möglichkeit, die Menschen vor Ort zu unterstützen, ohne ihnen bloß Almosen zu geben.

Von Cusco nach Santiago sind es noch knapp 3.000 Kilometer mit dem Auto. Das war vor allem deshalb relevant, weil wir Weihnachten nach Hause fliegen wollten. So langsam wurde es also Zeit, die weitere Reiseplanung mit festen Terminen anzugehen – denn dazwischen lagen immerhin noch der Titicacasee, Bolivien und natürlich die Atacama-Wüste in Chile.

Letztendlich haben wir uns aber entschieden, Bolivien auszulassen. Das hatte verschiedene Gründe. Jeder für sich genommen wäre vielleicht kein K.-O.-Kriterium gewesen, aber in der Summe machten sie uns die Entscheidung deutlich leichter:

  • Die dünne Luft: Ich bekam zunehmend Probleme mit dem Atmen, vor allen Dingen nachts. Und in Bolivien wären wir streckenweise noch mal deutlich höher unterwegs gewesen.
  • Das Naturschauspiel: Die Atacama-Wüste hat in diesem Frühjahr (also im Frühling der Südhalbkugel) geblüht! Das passiert im Regelfall nur alle 5 bis 7 Jahre. Wir waren zeitlich ohnehin schon spät dran, wollten uns dieses Highlight aber auf keinen Fall entgehen lassen.
  • Die politische Lage: Die Situation in Bolivien war durch die Wahlen ziemlich angespannt, was im Land zu spürbaren Versorgungsengpässen bei Diesel und Lebensmitteln führte. Wir mussten also damit rechnen, in die eine oder andere Straßenblockade zu geraten. Da stellt man sich irgendwann auch die „Gewissensfrage“, ob es wirklich notwendig ist, dass wir als „reiche“ Touristen den Einheimischen in so einer Phase den knappen Diesel und die Lebensmittel weg kaufen.

Trotzdem möchte ich eines hier noch mal ganz deutlich sagen: In diesen Straßensperren stehen am Ende alle – nicht nur die Touristen. Zu keiner Zeit richtet sich die politische Aggression gegen Ausländer. Die Bolivianer zählen für mich nach wie vor zu den herzlichsten und freundlichsten Menschen in ganz Südamerika.

Von Cusco zum Titicacasee

Nach unserem Aufenthalt in Cuzco haben wir unsere Reise fortgesetzt. Es geht für uns immer weiter Richtung Süden, direkt an den Anden entlang. Unser nächstes großes Ziel ist der Titicacasee, der noch etwa 400 Kilometer entfernt liegt. Die Fahrt ist ein echtes Erlebnis, denn die Landschaft auf dieser Strecke verändert sich ständig. Sie schwankt zwischen überwältigenden, hochalpinen Bergketten und absolut einmalig schönen, fruchtbaren Tälern. Besonders faszinierend ist, dass die Geschichte dieser Region überall spürbar bleibt. Weit über die Grenzen von Cuzco hinaus sind am Wegesrand immer wieder beeindruckende Ruinen von alten Inka-Bauten zu sehen. Es ist unglaublich zu miterleben, wie präsent diese Kultur hier noch ist.

Ein ganz besonderer Zwischenstopp war der Chimboya-Pass (Apu Chimboya). Dort oben g
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es einen großen Handelsplatz für die Produkte der einheimischen Bauern. Vor allem Liebhaber von Alpaka-Produkten kommen hier voll auf ihre Kosten: Von Wolldecken über Ponchos bis hin zu Teppichen wird alles angeboten. Zu meiner großen Freude gab es dort auch die Wolle selbst in Knäueln zu kaufen. Man merkt allerdings, dass die Route und der Markt längst touristisch erschlossen sind. Dadurch verliert das Angebot leider ein wenig von seiner ursprünglichen Authentizität. Ich habe trotzdem Wolle gekauft und einen schönen Pullover mit Lamas darauf gestrickt.

Vom Chimboya-Pass aus ging es dann meist durch ein sehr fruchtbares Flusstal. Die Anzahl der Hütten und Ställe am Wegesrand zeigt, wie viele Menschen hier leben. Parallel verläuft hier auch eine der wenigen Zugstrecken, die in Südamerika tatsächlich noch aktiv genutzt werden.

Die größte Stadt hier in der Region ist Juliaca. Man sieht der Stadt direkt an, dass sie eine der wohlhabenderen Städte in Peru ist.

In Puno haben wir dann schließlich den See erreicht. Wir konnten auf einem Bus-Parkplatz direkt am Seeufer übernachten. In der Abendstimmung ist das sehr idyllisch, allerdings darf man tagsüber am Ufer nicht so genau hinschauen.

Dass hier der Müll verbrannt und nicht einfach nur in die Landschaft geworfen wird, hat uns nicht wirklich mit Puno versöhnt.

Wir sind von hier aus nicht über die Grenze nach Bolivien oder zu den schwimmenden Dörfern gefahren, sondern haben uns vom See weg wieder in Richtung Meer auf den Weg gemacht. Trotzdem möchte ich noch ein paar Bilder und einige Informationen über den höchsten schiffbaren See der Welt hierlassen.

Der See liegt auf 3.800 Metern Höhe und hat die 15-fache Oberfläche des Bodensees. Er wird intensiv für die Fischerei, Fischzucht und Landwirtschaft genutzt. Zudem ist er tief genug, sodass auf bestimmten Strecken Lastschiffe fahren können.

Die Urus sind ein Volk, das seit Jahrhunderten auf dem See lebt. Ursprünglich haben sie sich Inseln mit Häusern sowie Schiffe aus Schilf gebaut, um sich vor den Angriffen der räuberischen Inkas zu schützen. Heute sind diese Inseln eine große Touristenattraktion und eine feste Einnahmequelle der immer noch dort lebenden Urus.

Wegen seiner großen Wassermassen stellt der Titicacasee im Winter einen großen Wärmespeicher dar. Dadurch können um den See herum Mais, Gerste, Quinoa und Kartoffeln angebaut werden. Die Gegend gilt im Übrigen als das Ursprungsgebiet des Kartoffelanbaus.

Selbst das Baumaterial für die Häuser an Land wird aus dem Seeboden gewonnen. Die Häuser und die Ställe auf dem Land sind aus Lehmziegeln gebaut.

Abstieg aus den Anden

Vom See weg geht unsere Reise nun weiter über die Anden zur Grenze nach Chile. Wir fahren durch eine riesige und einsame Hochebene mit teilweise wirklich abstrakten Felsformationen.

Ab und zu kann man die Spuren der Farmen hier oben erkennen. In mühevoller Kleinarbeit werden Steine als Abgrenzung für die Tierherden aufgeschichtet. Warum so niedrige Mauern ausreichend sind, weiß ich nicht. Aber ich gehe davon aus, dass die Alpakas und Lamas eben besser sehen als springen können.

Dann tauchen doch die ersten Ansiedlungen an Flüssen auf und mit ihnen auch die größeren Herden von Alpakas und Lamas.

Außer direkt an den Flussläufen sieht das Weideland hier so aus. Dass die wilden Vicuñas davon leben können, ist sehr erstaunlich.

Eine letzte Bergkette musste nun noch überwunden werden. Je höher wir kamen, desto sparsamer wurde es mit der Vegetation. Schlussendlich waren nur noch in den Taleinschnitten der Bäche Pflanzen zu sehen.

An die Mahnmale für verunfallte und verstorbene Menschen – davon gibt es einige an jeder Straße und an den Wanderwegen – muss man sich erst gewöhnen. Hier werden nur selten wie bei uns Blumen abgelegt. Hier werden mit Wasser gefüllte Plastikflaschen um die Mahnmale gelegt. Ich weiß nicht, was das bedeuten soll, aber man sieht es hier an sehr vielen Stellen. Für uns ist der Anblick seltsam, weil es für uns eher nach Müll aussieht.

Manchmal ist es notwendig, sich Dinge ganz bewusst zu machen, um sich zu erinnern, wo und wie hoch man überhaupt ist. Wir kamen nicht mit der Seilbahn, der Zahnradbahn oder sind (rein hypothetisch) so hoch zu Fuß gestiegen. Wir sind hier mit unserem Ducato und mit einem Euro 6 Dieselmotor hochgefahren, und er hat die Höhe und die Schotterstrecken brav erklommen. Das ist gerade deshalb auch erstaunlich, weil die neueren Dieselmotoren in dieser Höhe nicht mehr genug Sauerstoff zum Verbrennen haben. Wir haben Reisende getroffen, mit nagelneuen Fahrzeugen mit Kabinenaufbau für über 500.000 €, deren Motoren bei 3.000 Metern ausgegangen sind und nicht mehr zu starten waren.

Tatsächlich gibt es hier oben auch ein großes Naturschutzgebiet mit ausgeschilderten Wanderwegen. Es wurde zum Schutz dieser sehr speziellen Fauna und Flora geschaffen. Campingplätze waren keine ausgewiesen und ich bin mir auch nicht sicher, ob man auf dem steinigen Boden überhaupt ein Zelt aufschlagen kann. Geschweige denn, wie man genug Luft bekommt, um sich in dieser Höhe körperlich anzustrengen.

Auffällig sind zum einen die grünen Büsche, die wie riesiges weiches Moos aussehen, aber steinhart sind. Zum anderen faszinieren die von verschiedenen Mineralien gefärbten bunten Berge.

Schließlich war der Abstieg in Sicht und wir konnten endlich wieder spürbar besser durchatmen.

Nach unendlich vielen Spitzkehren, bis einem schwindelig war, wurde es wieder grüner. Ab einer Höhe von etwa 2.500 Metern gab es nachts wieder genug Luft, sodass ich die Nacht ohne Sauerstoff aus der Flasche durchschlafen konnte. Die Landschaft wurde nun auch wieder grüner und es gab wieder mehr Orte und Städte.

Dann war auch schon wieder Schluss mit Grün. Unser nächstes Ziel war Tacna, die letzte peruanische Stadt vor der Grenze zu Chile. Wir nutzen den Halt, um unsere Gasflasche auffüllen zu lassen und die Dokumente für den Grenzübergang bereitzulegen. Schon vor den Toren der Stadt passieren wir umzäunte, teilweise bewohnte Areale. Beim Blick von den umliegenden Hügeln hinab wird die dichte Dunstglocke über Tacna sofort sichtbar – auch wenn die gelbliche, schmutzige Luft auf dem Foto gar nicht so extrem wirkt wie in der Realität.

Hier seht ihr noch die unterschiedlichen Stadtviertel von außen nach innen in Bildern.

Über unseren Übernachtungsplatz hüllen wir am besten den Mantel des Schweigens. Eigentlich wäre es hier ganz nett gewesen – wenn am Vorabend nicht eine Party stattgefunden hätte. Der Besitzer war nun anscheinend nach der Party sehr müde und hat mit dem Aufräumen erst am übernächsten Tag zu begonnen statt schon am nächsten. Die Folge: Toiletten und Duschen waren für uns Sperrgebiet, es sei denn, man stand auf akuten Mutproben-Nervenkitzel. Ein klarer Fall von: „Wenn das Wörtchen wenn nicht wär.“

Gedanken zum Abschluss

Selbst jetzt am Ende dieses Berichts habe ich keine eindeutige Meinung zu Peru. Der Müll und der chaotische Verkehr waren für mich und Rainer wirklich belastend. Auf der anderen Seite sind die Natur und vor allem die historischen Schätze und Kulturen, die dieses Land zu bieten hat, einfach umwerfend. Seit unserer Abreise wurden dort übrigens bereits drei weitere präkolumbianische Kulturen entdeckt. Ich persönlich glaube fest, dass es an der Zeit ist, unsere Geschichtsbücher um die südamerikanischen Kulturen vor Kolumbus zu erweitern.

Ich würde sofort wieder nach Peru reisen – allerdings das nächste Mal nur mit einem Chauffeur und einem Mietwagen.

Das war ein langer Beitrag. Danke fürs Durchhalten! Das nächste Mal geht es um Chile und Argentinien, allerdings erst einmal nur um den jeweils ersten Teil der beiden Länder. Denn natürlich werde ich euch später auch noch ausführlich von Patagonien und Feuerland berichten.

Liebe Grüße Antje und Rainer


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